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Predigt:

2. Adventsonntag C (07.12.2003)

L1: Bar 5,1-9; L2: Phil 1,4-6.8-11; Ev: Lk 3,1-6


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der 2. Adventsonntag lenkt unsere Herzen wieder ein wenig stärker hin auf das bevorstehende Geheimnis von Weihnachten. Alles Große braucht seine Vorbereitung, und die Kirche hilft uns in der Liturgie dieser Tage dabei, uns einzustimmen auf das Kommen des Herrn.

Als Gottes Sohn vor 2000 Jahren auf die Welt kommen wollte, um ein Mensch unter uns zu sein, der empfangen und geboren wurde aus der Jungfrau Maria, da gab es eine eigene Vorbereitung dafür. Die lange Vorbereitung war die ganze Geschichte des auserwählten Volkes Israel, das Gott wunderbar geführt und begleitet hatte. Die unmittelbare Vorbereitung setzte ein mit dem Kommen eines Mannes, der von sich selbst sagt, dass er nicht selber der Erlöser ist, sondern dem Herrn den Weg bereiten will: Johannes der Täufer.

Wie wirkt diese herbe und in gewissem Sinn unnahbare Gestalt auf uns? Johannes, der in der Wüste lebt und sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt, erscheint fast wie eine Gestalt aus fernen Welten. Trotz seiner asketischen und unnachahmlichen Lebensweise dürfen wir uns ihn aber keineswegs als weltfremd denken. Johannes wusste, was sich abspielte in dieser Welt. Er kannte das Leben der Menschen, ihre Bräuche, ihre Probleme und Sorgen. Er kannte die Situation der Armen und der Reichen, der Geringen und der Mächtigen. In all dem, wie er diese Dinge beurteilte und auf die Menschen zuging, erwies er sich aber als Mann Gottes.

Johannes trat auf als Vorläufer unseres Herrn Jesus Christus. Er wurde dem Zacharias und der Elisabeth geboren, die beide schon in hohem Alter waren und als unfruchtbar galten. Doch Gottes Macht wirkte dieses Wunder, dass Elisabeth noch schwanger wurde. Als sie gesegneten Leibes war, da durfte ihr ihre Verwandte – Maria – begegnen, die ebenfalls ein Kind empfangen hatte, und zwar auf noch wunderbarere Weise: ohne Zutun eines Mannes durch das Wirken des Heiligen Geistes. Beide Frauen verstanden sich, und auch die Kinder kamen zu einem herzlichen Einvernehmen, noch bevor sie geboren waren. Denn wie uns die Heilige Schrift berichtet, jubelte der kleine Johannes im Schoß seiner Mutter Elisabeth, als die Stimme des Grußes Marias an das Ohr der Elisabeth drang (vgl. Lk 1,41).

Nun war dieser Johannes groß geworden und trat als Prediger auf, noch bevor Jesus in der Öffentlichkeit bekannt war. Aber Johannes erschien nicht, „um Jesus die Show zu stehlen“, wie man es salopp formulieren könnte. Der Vorläufer wusste genau, dass er nur wie die Stimme eines Rufers in der Wüste war, wie ein Herold, ein Ankündiger dessen, der da kommen sollte.

Umso macht- und wirkungsvoller trat Johannes auf! Er scheute es nicht, den Eindruck eines Bußpredigers zu erwecken. Er wagte es, den Leuten in ihren konkreten Situationen das jeweils Richtige zu sagen, wie sie handeln sollten nach den Geboten Gottes. Sein Ruf zur Umkehr verhallte nicht ungehört, sondern erreichte viele Menschen. Sie ließen sich im Jordan taufen zum Zeichen der Buße.

Wie sieht es bei uns aus, liebe Brüder und Schwestern? In der Adventzeit ist es die Kirche als ganzes, die uns zuruft: „Bekehrt euch! Bereitet dem Herrn den Weg!“ Dieser Ruf gilt allen, Laien ebenso wie Ordensleuten und Geweihten. Niemand kann sich selber heilig sprechen und sagen, er hätte die Umkehr nicht nötig. Umkehr meint konkret: Dort wo die Bindung zu Gott ganz verloren ist, wo der Mensch also praktisch gottlos lebt, sollen Glaube und Liebe neu einkehren. Dort wo zwar die grundsätzliche Verbindung mit Gott vorhanden ist, aber es doch die alltäglichen Nachlässigkeiten in der Verwirklichung des Gebotes der Gottes- und Nächstenliebe gibt, soll die Liebe der ersten Stunde erneuert werden.

Wie kann das geschehen? Die Kirche bietet uns ein eigenes Sakrament der Buße und Umkehr an, das viel zu wenig Beachtung findet: Es ist die heilige Beichte, die vor dem Priester abgelegt wird, der die Beichtenden im Namen Christi los spricht von ihren Sünden.

Zu beichten ist nicht schwer. Es braucht ein offenes Herz für Gottes Liebe, und alles Übrige wird uns zur rechten Zeit geschenkt. Wir sollen uns ernsthaft Gedanken machen über unser Leben und den Mut haben, die eigenen Sünden und Verfehlungen vor Gott zu bekennen. Wenn es uns ernst ist mit unserer Umkehr, dann wird uns Gottes Vergebung bedingungslos zugesagt und geschenkt. Ja, Gott ist wie ein barmherziger Vater, der auf uns bereits wartet, wo wir noch gar nicht an ihn denken!

Wagen wir es neu, vielleicht jetzt vor Weihnachten wieder dieses große Sakrament der Umkehr zu empfangen. Es ist die beste Vorbereitung für die gute Feier des Weihnachtsfestes. Ganz sicher wird uns die „Mutter der Barmherzigkeit“, die heilige Jungfrau Maria, dabei helfen und uns zu ihrem Sohn Jesus geleiten. Amen