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Predigt:

Gott hört und erhört uns in Liebe

29. Sonntag im Jahreskreis C (17.10.2010)

L1: Ex 17,8-13; L2: 2 Tim 3,14-4,2; Ev: Lk 18,1-8


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Im Rosenkranzmonat Oktober laden uns die Texte der heutigen Lesungen und des Evangeliums ein zum vertrauensvollen und beharrlichen Beten!

Wunderbar ist die Verheißung: Gott wird „seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien … unverzüglich ihr Recht verschaffen“ (Lk 18,7–8). Das mag uns wohl etwas zu gewagt erscheinen: Erhört Gott die Betenden wirklich immer, und noch dazu „schnell“ oder „unverzüglich“, wie es heißt? Dass Gott wirklich jedes Gebet erhört, wenn es mit Vertrauen und Gottergebenheit an ihn gerichtet ist, ist eine Erfahrung, die den Glaubenden geschenkt wird, wenn sie nur ausharren, also „Tag und Nacht zu ihm schreien“. Dass wir nicht immer das erhalten, was wir erbitten, mag stimmen; und doch schenkt uns Gott jederzeit Gutes, ja er gibt uns Größeres, wenn wir etwas nicht erhalten, was wir unbedingt von ihm erlangen wollten. Denn der Sinn und Inhalt unseres Lebens ist ja letztlich, dass wir das Heil erlangen und eben so Gott den Herrn verherrlichen. Wenn nun ein untergeordnetes Gut diesem letzten Ziel im Wege steht, wird uns Gott dies eben nicht (sofort oder in der gewünschten Weise) gewähren, sondern uns genau das geben, was wir brauchen, um ein Leben der Gottes- und Nächstenliebe zu führen und einst ins Himmelreich zu kommen.

Der Glaube ist hier vonnöten, und deshalb fragt Jesus, ob er, der Menschensohn, wohl bei seinem Kommen auf Erden noch Glauben vorfinden werde (vgl. Lk 18,8). Der Glaube öffnet uns auch das Verständnis für das Wort „unverzüglich“ oder „schnell“ in der Verheißung Jesu. Ja, Gott erhört uns wirklich „sofort“, was ihn betrifft: D.h. er ist nicht taub oder schwerhörig und nimmt unsere Not und unsere Anliegen sofort wahr. Er ist nicht wie jener ungerechte Richter im Evangelium, der unzählige Male bestürmt werden müsste, um uns zu hören und zu erhören. So sollen wir also wirklich glauben, dass uns Gott schon beim ersten Gedanken, bei der ersten Bitte „hört“ und in gewissem Sinn auch „erhört“. Dass uns manches Gute, um das wir ihn im Gebet bitten, erst nach einiger Zeit geschenkt wird, hat mit unserem Leben hier auf Erden zu tun: Wir reifen der himmlischen Vollendung nur Schritt für Schritt entgegen, und es gibt für alle Dinge den rechten Zeitpunkt, den Gott genau weiß und der uns eben zu jener Stunde alles schenkt, was wir brauchen. In diesem Sinne hilft er uns wirklich „unverzüglich“ oder „schnell“.

Wir alle sind eingeladen, das Gebet des Rosenkranzes neu zu entdecken! Alle christlichen Grundgebete sind darin vereint: das Glaubensbekenntnis, das Ehre sei dem Vater, das Vater unser, das Gegrüßet seist du Maria sowie das Fatima-Gebet um die Rettung der Seelen. In den „Geheimnissen“, die eingeflochten werden, wird uns das Heilswirken Gottes vor Augen gestellt, damit wir es in Liebe im Herzen erwägen und betrachten. So wird unser Leben durchformt von der Erinnerung, ja der Vergegenwärtigung der Großtaten von Gottes Liebe. Gott hat sich selbst uns ganz geschenkt als kleines Kind; er hat sich in seinem Sohn Jesus Christus als Mensch unter Menschen uns zugewandt und ist in seinem Erdenleben für uns dagewesen; in seinem Tod und in seiner Auferstehung hat er die Schuld der Welt auf sich genommen und uns Versöhnung, Heil und ewiges Leben geschenkt. Er bleibt bei uns geheimnisvoll in den heiligen Sakramenten, besonders in der heiligen Eucharistie, und wird sich uns einst offenbaren in Herrlichkeit, wenn er alles im „neuen Himmel“ und in der „neuen Erde“ vollendet.

All dies soll uns mit Freude und Vertrauen erfüllen. Der Rosenkranz ist eine Schule des Gebetes und des Glaubens. Wenn wir unsere Anbetung, unseren Dank und unsere Bitten durch die Hände Mariens vor Gott hin bringen, wird er uns bestimmt erhören.

Amen.