Josef Spindelböck

Gott zu danken ist unsere Berufung

Predigt am 28. Sonntag im Jahreskreis
10. Oktober 2010, Lesejahr C

L 1: 2 Kön 5,14-17; L 2: 2 Tim 2,8-13; Ev: Lk 17,11-19

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Von zehn Aussätzigen, die geheilt wurden, kehrte nur ein einziger zu Jesus zurück, um Gott zu danken! – Im eben gehörten Evangelium nach Lukas wird auf drastische und eindrucksvolle Weise aufgezeigt, wie groß die Güte Gottes ist und wie selten wir Menschen daran denken Gott zu danken.

Ist es nicht auch im Alltagsleben so, dass wir allzu viel als selbstverständlich ansehen? Da haben wir das Glück, gesund zu sein, und wir tun so, als ob das völlig normal wäre. Oder wir dürfen einer wohlgeordneten Familiengemeinschaft angehören, und wir schätzen dies nicht wirklich. Wir haben einen erfüllenden Beruf und ein gutes Einkommen und sind doch nicht zufrieden. Leider sind wir oft in der Gefahr, immer nur das Negative zu sehen und über das, was uns fehlt, zu klagen. Zufriedenheit und Dankbarkeit sind selten geworden; gerade in unserer Zeit!

Und im religiösen Leben: Wie sieht es da aus? Es gibt ein Sprichwort, das lautet: „Not lehrt beten.“ Ein gewisser Wahrheitsgehalt lässt sich nicht leugnen, obwohl es auch nicht immer zutrifft. Aber sollte man nicht umgekehrt sagen: Wir haben doch noch viel mehr Grund, zu Gott unser Herz zu erheben, wenn es uns gut geht, als bloß in der Not? Denn dann zeigen wir Gott, dass wir ihn und seine Gaben schätzen und dass er nicht nur als letzter Nothelfer gebraucht wird, wenn es wirklich nicht mehr weitergeht.

Denn dass wir überhaupt das Leben haben und auf dieser Erde sind, verdanken wir Gott. Gäbe es uns nicht, niemand würde nach uns fragen! Doch Gott hat uns schon von Ewigkeit her gewollt und uns in Liebe beim Namen gerufen. Er schützt und trägt unser Leben an jedem Tag, auch da, wo wir uns dessen nicht bewusst sind.

Und wenn manche Menschen keinen rechten Sinn mehr im Leben sehen, dann zeigt uns der christliche Glaube, worauf es ankommt: Unser Leben ist auf ein Ziel hin ausgerichtet, welches dieses irdische Leben übersteigt. Alle Güter der Erde können das Menschenherz letztlich nicht glücklich machen, wenn ihm Gott fehlt. Gott allein genügt, sagt die heilige Theresa von Avila. In Gott finden wir alles, was wir ersehnen und suchen. Er ist unser einziges und wahres Glück, und er schenkt uns alles übrige, was wir zum Leben brauchen: das Leben, Gesundheit, Familie, Freunde, materielle Güter und vor allem die geistigen Werte und jene Gaben, die uns zum ewigen Leben geleiten. Seine Gnade ist uns mehr wert als aller Reichtum dieser Erde.

Der eine Mann, der als vom Aussatz Geheilter zu Jesus zurückkam, zeigt uns, worauf es ankommt: auf das Danken. Im Danken erst begreifen wir die Größe der Gaben Gottes. Im Danken wird unser Herz geweitet und geöffnet für die Schönheit der Schöpfung. Im Danken zeigen wir auch unseren Mitmenschen, wie sehr wir sie schätzen, und erwidern wir ihre Liebe.

Danken ist zutiefst menschlich, ja und es ist auch ganz und gar christlich. Im Himmel wird uns in Ewigkeit das dankbare Lob des Herzens erfüllen, wenn wir Gott mit der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria und allen Engeln und Heiligen loben und preisen dürfen.

Amen.

 

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