Predigt:
26. Sonntag im Jahreskreis C (26.09.2004)
L1: Am 6,1a.4-7; L2: 1 Tim 6,11-16; Ev: Lk 16,19-31
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Heute feiern wir in unserer Pfarre das Erntedankfest. Es ist dies ein Zeichen dafür, dass wir die vielen guten Gaben, die uns die Natur auch heuer wieder geschenkt hat, auf Gottes Güte zurückführen. Unsere Freude und Dankbarkeit wollen wir Gott, dem Schöpfer und Herrn des Himmels und der Erde, gegenüber zum Ausdruck bringen!
Manchen Menschen ist die elementare Fähigkeit der Dankbarkeit verloren gegangen. Sie bringen es nur schwer fertig, jemandem „Danke“ zu sagen für einen Dienst. Man erwartet alles als selbstverständlich, ja sieht sich selber immer im Recht und meint, Verpflichtungen gelten nur für andere. Wenn darum Gutes geschieht, so folgt man, stünde uns dies sowieso zu; wir bräuchten dafür nicht zu danken.
Ein solches Anspruchsdenken übersieht, dass es Werte und Gaben des Menschseins gibt, die wir uns nicht erarbeiten können und auf die wir nicht einfach ein Anrecht haben. Es sind nicht nur die Gaben der Natur, die uns als Geschenk Gottes zuteil werden, sondern auch die vielen Formen zwischenmenschlicher Zuwendung, Unterstützung und Hilfe, die uns vielmals ohne unser Verdienst geschenkt werden, oft sogar unabhängig von unserer Würdigkeit und Bereitschaft. Glücklich, wer dies alles zu schätzen weiß, was uns täglich an Gutem widerfährt!
Vielleicht sollten auch wir diese Haltung der frohen Dankbarkeit wieder neu erlernen. Unser Menschsein gewinnt an Qualität, wenn wir nicht immer herumkritisieren und nörgeln, wenn wir nicht immer unsere hohen Erwartungen zum Maßstab für alles Übrige machen, sondern bereit sind, das anzunehmen, was uns zuteil wird. Umgekehrt können und sollen auch wir Gebende sein für die anderen, wenn wir nicht nur den eigenen Vorteil berechnen, sondern selbstlos da sind für andere. Dies alles ist nur möglich aus einer Gesinnung der Liebe!
Der reiche Prasser im Gleichnis des heute gehörten Evangeliums dachte nur an sich. Ihm fehlten sowohl die rechte Dankbarkeit gegenüber Gott wie auch die Gesinnung der erbarmenden Liebe gegenüber dem Nächsten. Auf diese Weise übersah er täglich den Armen, der vor seiner Tür saß und um das Nötigste betteln musste. Weil er kein Erbarmen hatte und bis ans Ende in seinem Egoismus verharrte, kam er – wie wir gehört haben – nach seinem Tod in die Hölle, wo er bittere Pein zu leiden hatte, während der arme Lazarus aufgenommen wurde ins Paradies, um dort „in Abrahams Schoß“ die Freuden des Himmels zu genießen.
In der Feier der heiligen Messe werden die Erntegaben bei der Gabenbereitung in einer besonderen Weise einbezogen. Vor allem sind es Brot und Wein, die Früchte der Erde bzw. des Weinstocks sowie der menschlichen Arbeit, die als Gaben vor Gott hin gebracht werden. Er möge sie heiligen und durch das Wort des Priesters verwandeln in den Leib und das Blut Christi, der sich selber für uns als Opfergabe Gott dargebracht hat.
Wenn das geschieht, dann wird stellvertretend durch diese sichtbaren Gaben auch unser ganzes Leben als Gabe hinein genommen in die Feier der „Danksagung“, nämlich der Eucharistie. Was würde es nützen, bloß äußere Gaben zum Altar zu bringen, wenn wir nicht die Gabe der Liebe unseres Herzens hinzulegen könnten? Das soll bei jeder heiligen Messe unser Anliegen sein: Dass wir selber zu einer lebendigen Opfergabe werden, die Gott wohl gefällt und uns mit den Mitmenschen in Liebe verbindet.
Empfangen wir also die heilige Kommunion nicht gedankenlos oder gar in schwerer Sünde, d.h. getrennt von der Liebe Gottes, sondern suchen wir dem Herrn in lebendiger Aufmerksamkeit des Herzens zu begegnen! Wer kommuniziert hat und den Mensch gewordenen Sohn Gottes im Herzen trägt, der sollte froher und dankbarer sein als zuvor. In seinem Sohn Jesus Christus hat Gott uns alles geschenkt – seine ganze Liebe und alles, was wir brauchen. Wir sind immer die unendlich reich Beschenkten und von daher fähig, diese Liebe auch weiterzugeben im Alltag.
Nach dem Beispiel und Vorbild der Gottesmutter Maria, die das Jesuskind unter ihrem Herzen trug und ihm dabei zum „Tabernakel“ wurde, können auch wir eucharistische Menschen sein: Unser Herz wird zum lebendigen Tempel Gottes, in dem wir ihn anbeten, ihm danksagen, ihn preisen und zu den Menschen bringen. Wer sich selber zu einer Gabe macht für andere, wird stets reich beschenkt. Auf diese Weise wird auch jener Druck weggenommen, den wir uns selber schaffen, wenn wir meinen, immer die ersten sein zu müssen und auf nichts verzichten zu können.
Dankbare Freude erfüllte heute unser Herz: Einst wollen wir Gott danken in Ewigkeit, wenn er uns einlädt zur Teilnahme am himmlischen Hochzeitsmahl! Amen
