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Predigt:

24. Sonntag im Jahreskreis C (12.09.2004)

L1: Ex 32,7-11.13-14; L2: 1 Tim 1,12-17; Ev: Lk 15,1-32


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Auch wenn der heutige Sonntag liturgisch das Fest Mariä Namen verdrängt, so wollen wir doch das Geheimnis der wunderbaren Erwählung und Begnadung der Jungfrau und Gottesmutter Maria bedenken!

Der Name eines Menschen steht immer für seine Person. Dies gilt in besonderer Weise für den Namen „Jesus“ und auch für den Namen seiner heiligsten Mutter „Maria“. Gott ruft uns mit unserem Namen. Das heißt, er sagt zu uns ganz persönlich Ja. Auch zu Maria hat er sein Ja gesagt in seinem ewigen Plan der Liebe.

Eine der vielen möglichen Übersetzungen und Deutungen des Namens „Maria“ (Mirjam) besagt, sie sei die „von Gott Geliebte“. Dies trifft sicher in hervorragender Weise zu: Denn Maria ist die Jungfrau „voll der Gnade“, die wegen der Verdienste ihres Sohnes Jesus Christus im Voraus erwählt und geheiligt wurde. In freiem Gehorsam des Glaubens sagte sie ihr Ja zur Botschaft des Engels. So wurde sie zur Mutter des Sohnes Gottes und zur geistlichen Mutter aller Menschen, die berufen sind, Kinder Gottes zu werden.

Gerade unser Land Österreich ist in einer besonderen Weise mit der Anrufung des Namens Maria verbunden, wie auch die jährlich durchgeführte Mariä-Namen-Feier in der Wiener Stadthalle zeigt. Wichtig ist, dass wir uns diese Verbundenheit auch zum persönlichen Programm machen, dass wir uns also gleichsam von der Mutter des Herrn an der Hand nehmen lassen und mit ihr zu Jesus ihrem Sohn gehen. Dies drückt sich auch aus in einer Pilgerfahrt oder auf einem Pilgerweg zu einem Marienwallfahrtsort.

Was kann es bedeuten, wenn wir uns Maria, der Gottesmutter, „weihen“ und uns ihr hingeben? Im eigentlichen Sinn gibt es nur eine einzige Weihe des Menschen: Er gehört Gott aufgrund der Erschaffung als vernünftiges und freies Wesen und vor allem aufgrund der Heiligung durch die Taufe. So ist die heilige Taufe die grundlegende Form unserer Weihe an Gott. Jede übrige Weihe gründet in gewisser Weise in der Taufe und setzt sie voraus.

Wenn wir uns nun im Herzen Maria anvertrauen und uns ihr „weihen“, dann bauen wir auf die Liebe ihres Unbefleckten Herzens, das uns in allem zu Gott führen will. Maria behält nichts von dem zurück, was ihr anvertraut wird. Sie kann die Menschen nicht abhalten, zu Gott zu gelangen. Sie ist vielmehr der leichteste, sicherste und vollkommenste Weg, um Christus, ihrem Sohn, nachzufolgen und ihm gleichförmig zu werden.

Wie die Jungfrau Maria in ihrem Schoß Jesus durch das Wirken des Heiligen Geistes herangebildet hat und er aus ihr geboren wurde, so bildet sie auch uns in einer geistlichen Weise heran für das Reich Gottes. Auch uns bildet sie und prägt uns die göttliche Form ein. Je mehr wir uns ihr anvertrauen und in Liebe übergeben, desto mehr werden wir hineingezogen in die göttliche Dynamik, die in ihr wirksam ist. Als „Mittlerin der Gnade“ hat sie die Aufgabe, jene Schätze der Liebe und Weisheit auszuteilen, die Jesus Christus für uns am Kreuz und durch seine Auferstehung erworben hat.

Wer die „Wunderbare Medaille“ kennt oder besitzt, kann dieses Bild betrachten, wo Strahlen der Gnade von den Händen Mariens ausgehen. Gott ist in ihr, der reich und vollkommen Begnadeten, auf einzigartige Weise gegenwärtig und wirksam und möchte uns durch ihre mütterliche Tätigkeit einladen in sein ewiges Vaterhaus. Wer sich Maria schenkt und anvertraut, und zwar vollkommen und ohne Vorbehalt, wird die innere Freiheit der Hingabe aus Liebe erfahren. Auf diese Weise wird der tägliche Weg des Kreuzes, den wir gehen müssen, leicht gemacht. Wir werden nicht überfordert, sondern auf wunderbare Weise getröstet in allen Lebenslagen. Zugleich nehmen wir im Geiste all jene Menschen mit auf dem Weg zu Gott, die mit uns verbunden sind.

Wir wissen nicht, wie unsere persönliche Zukunft aussehen wird. Ungewiss ist die Zukunft der Welt, die Zukunft Europas und auch der Kirche. Doch haben wir die Glaubenszuversicht, dass Gott der Herr alle Wege mit uns geht. Er wird uns nicht zurückweisen, wenn wir, in geistiger Weise geborgen unter dem Mantel der Gottesmutter, zu ihm pilgern. Seine Wege sind immer Wege des Heils für alle, die sich ihm anvertrauen.

Blicken wir auf zu Maria, dem Meeresstern, der uns voranleuchtet auf dem Pilgerweg des Glaubens! Sie leitet uns auf dem Lebensweg zu einem guten Ziel: Christus, ihrem Sohn entgegen. Amen