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Predigt:

HWer darf eintreten ins Himmelreich?

21. Sonntag im Jahreskreis C (26.08.2007)

L1: Jes 66,18-21; L2: Hebr 12,5-7.11-13; Ev: Lk 13,22-30


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Das Evangelium dieses Sonntags spricht vom Eintreten ins Reich Gottes, ins Himmelreich. Wer in seinem Leben hier auf Erden im Glauben und in Liebe mit Gott verbunden ist, darf schließlich am Ende seines Lebens eintreten ins himmlische Reich, der empfängt das Heil, der ist gerettet. So lautet die frohe Botschaft unseres christlichen Glaubens; das lehrt uns die Kirche. Gott vollendet das Leben jener Menschen, die an ihn glauben und auf ihn hoffen, auf ewig in seiner Liebe. Was aber geschieht mit den übrigen? Was ist ihr Schicksal, ihr ewiges Los? Bange fragt darum einer der Zuhörer den Herrn: Sind es nur wenige, die gerettet werden?

Die Antwort Jesu ist hier weder Ja noch Nein. Würde er sagen, dass nur wenige gerettet werden, dann nähme er den Menschen die Hoffnung auf Heil und Erlösung. Das aber widerspräche seiner Sendung, da Gott ja will, dass alle Menschen durch seinen Sohn Jesus Christus gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen (vgl. 1 Tim 2,4–5). Ja, es ist ausdrückliche Lehre der Kirche, dass Gott einem jeden Menschen ausreichend Gnade gibt, damit er das Heil erlangen kann!

Würde Jesus umgekehrt sagen, dass viele oder gar die meisten gerettet werden, dann wäre die Versuchung für uns Menschen groß, sich einfach auf die göttliche Heilszusage zu verlassen und im Übrigen nicht mehr auf Gott und seine Gebote zu achten. Entsprechend einem solchen Heilsautomatismus kämen ja ohnehin alle gleichsam von selber in den Himmel …! Dann aber würden wir Gott und seine Liebe nicht ernst nehmen, und auch Gott selber nähme sich nicht wirklich ernst in dem, was er uns offenbart und verheißen hat.

Jesus drückt sich aber auch nicht um eine Antwort: Diese Antwort ist jedoch praktischer Natur und ein Appell an jeden einzelnen. Er spricht davon, dass sich ein jeder mit all seinen Kräften darum bemühen müsse, „durch die enge Tür zu gelangen“. Der Ganzeinsatz ist also gefordert, die Ganzhingabe an Gott und seinen heiligen Willen. Man kann nicht nur „ein bisschen“ glauben, „etwas“ Christ sein und ähnliches. Entweder ganz oder gar nicht. Denn wer meint, er könne Gott dienen, ohne ihn aus ganzem Herzen und mit ganzer Seele zu lieben, der hat nicht wirklich begriffen, wer Gott ist – der nimmt Gott nicht wirklich ernst.

Sind wir aber dann nicht überfordert, wenn wir durch Jesus Christus von der „engen Tür“ hören, durch die wir eintreten sollen, und auch davon, dass sich viele bemühen werden, dort einzutreten, es ihnen aber nicht gelingen wird? Nein! Denn Gott kennt das Maß unserer Kräfte. Er weiß um unsere Schwachheit und Armseligkeit. Ja, er weiß auch um unsere Sündhaftigkeit und darum, dass wir stets die Bekehrung und Vergebung nötig haben. Seine Gnade stärkt uns, wenn wir uns wirklich aus ganzem Herzen um sein Reich bemühen, wenn wir danach trachten, seinen heiligen Willen zu erfüllen. Wo Jesus von jenen spricht, die ins Himmelreich eintreten wollen, denen es aber nicht gelingt, ist vielmehr vorausgesetzt, dass sich jene Menschen eben nicht wirklich und mit allen Kräften um das Gute bemühen. Letztlich liegt ihnen eben doch zu wenig am Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und sie verfallen dort in Untätigkeit, wo sich ihr Einsatz bewähren sollte.

Gott macht die Tür zum Himmelreich nicht „eng“, sondern seine Liebe ist „weit“ und umfasst alle Menschen. An uns liegt es, ob wir seiner Liebe entsprechen und uns bemühen, eine Antwort aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele zu geben.

Im Tagesgebet heißt es, dass Gott alle, die an ihn glauben, zum gemeinsamen Streben verbindet. Und die Bitte an ihn lautet, er möge uns schenken, dass wir das lieben, was er uns in seinen Geboten und Weisungen befiehlt, und dass wir das ersehnen, was er uns verheißen hat.

Genau hier liegt das Entscheidende für unseren Weg zum Himmelreich: Dass wir in unserem Herzen die Sehnsucht nach dem Großen erwecken, das Gott für uns bereitet hat. Jeder Mensch möchte sein Leben vollendet sehen, und Gott hat uns diese Vollendung in seinem himmlischen Reich verheißen. Nichts von alledem, was uns hier auf Erden an Schönem und Wertvollen durch Gottes Güte zuteil geworden ist, wird uns dort genommen werden, sondern alles Schöne und Gute vollendet sich in der Liebe Gottes.

Empfehlen wir uns der Fürbitte der gnadenvollen Mutter Gottes, dass sie uns den Weg weise in Einheit mit ihrem Sohn Jesus Christus, der in seiner Menschwerdung gleichsam zur Tür geworden ist (vgl. Joh 10,7.9), durch die wir eintreten sollen, um zu Gott im Himmel zu gelangen.

Amen.