Dr. Josef
Spindelböck
Predigt am 1.
Fastensonntag im Jahreskreis C
29. Februar 2004
L 1: Dtn 26,4-10; L 2:
Röm 10,8-13; Ev: Lk 4,1-13
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liturgischen Texte online finden Sie im Schott-Messbuch.
Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Am 1. Fastensonntag stellt
uns die Kirche im Evangelium die Versuchung
Jesu durch den Teufel vor Augen. Möglicherweise
sind wir durch eine bestimmte Denkweise angehalten, diese Begebenheit, wie sie
uns der Evangelist Lukas berichtet, gar nicht mehr ernst zu nehmen. Zu fremd
ist uns vielleicht diese Welt; zu „mythologisch“, meinen wir; zu „unwirklich“!
Aber sind wir da nicht doch Gefangene unserer eigenen Vorurteile? Verfallen wir
da nicht einem platten Rationalismus,
der nur mehr das als wirklich anerkennt, was den eigenen Gedanken und
Vorstellungen entspricht, was sich mühelos einsehen und begreifen lässt?
Es lohnt sich jedenfalls, mit der Kirche über den Zusammenhang
dessen nachzudenken, was uns eben
verkündet wurde. Der Herr bereitet
sich vor auf sein öffentliches Wirken. Aus diesem Anlass zieht er sich in die Wüste zurück und fastet dort 40 Tage
lang. Kein Wunder, dass er anschließend Hunger hatte! Ja, wir wundern uns, dass
er überhaupt so lange ausgehalten hat.
Eben dies wird nun zum Anlass
einer Versuchung durch den Teufel, der den Sohn Gottes von seinem Heilsplan
abhalten will. Gottes Liebe hat ja beschlossen, die Menschen durch Jesus
Christus zu retten, der die Botschaft vom Reich Gottes verkünden soll. Genau
davon möchte der Teufel Jesus abbringen, und so lautet die erste Versuchung, Jesus solle den Steinen befehlen, dass sie zu Brot werden. Der Materialismus lässt
grüßen. All das Große und Heilige, das Jesus durch sein Fasten gewirkt hat,
soll zunichte werden. Er soll auf seinen Auftrag vergessen und sich dem
Wohlleben hingeben. Der Sohn Gottes sagt ein klares Nein. Denn „der Mensch lebt nicht nur vom Brot“; viel
wichtiger ist das Gotteswort, das er verkünden wird.
In der zweiten Versuchung führt der Teufel unseren Herrn Jesus Christus
auf einen hohen Berg und zeigt ihm von dort aus alle Reiche der Welt. Es ist
die Versuchung zur Macht, zum
schrankenlosen Herrschen, zur bedingungslosen Unterwerfung all dessen, was lebt
und existiert. Und eben das will Jesus nicht! Er ist ja gekommen, um zu dienen
und sein Leben hinzugeben als Sühneopfer für die Vielen. Darum verweigert Jesus
dem Teufel die von diesem verlangte Anbetung. Anbetung gebührt Gott allein!
In der dritten Versuchung stellt der Teufel den Sohn Gottes auf den Tempel
und meint allen Ernstes, er solle sich hier hinunterstürzen, um auf diese Weise
das Eingreifen Gottes zu provozieren. Er würde ihn ja retten! Hier geht es um
die Versuchung der Vermessenheit,
der freventlichen Überheblichkeit gegen den Willen Gottes. Auch hier spricht
Jesus ein klares Nein. Gott darf man nicht auf die Probe stellen! Nicht
Vermessenheit darf siegen, sondern vertrauensvolle
Hingabe an Gott ist nötig, und diese übt der ewige Sohn des himmlischen
Vaters auch als Mensch und gibt uns dadurch ein Beispiel.
Liebe Gläubige, wir fragen
uns: Warum überhaupt wurde Jesus versucht? Er ist ja der
Sohn Gottes! Hatte er das nötig? Wir können antworten: Um unsretwillen. Er hat uns dadurch gezeigt, dass er wirklich Mensch ist. Als Mensch konnte
er versucht werden, jedoch hat er nicht
gesündigt. In allem ist er uns gleich geworden, außer der Sünde.
Sind wir im Leben nicht vielfach bedrängt? Gibt es nicht auch für uns,
die wir uns um das Gute mühen, Prüfungen
und Versuchungen unterschiedlichster Art? Gewiss sind diese nicht so
spektakulär wie bei Jesus Christus, unserem Herrn, und doch verlocken uns auf
vielfache Weise der Teufel, die Welt und das Fleisch zum Bösen. Gewiss, der Teufel tritt uns nicht auf direkte
Weise gegenüber, jedenfalls nicht im Normalfall des christlichen Alltags, doch
gibt es die Umwelt mit ihren
negativen Einflüssen, und es gibt auch die Untiefen
des eigenen Herzens, das auf sich gestellt zu allem Schlechten fähig ist,
wenn es nicht aufblickt zu Gott.
Gott aber,
der treu ist, lässt nicht zu, dass
wir über unsere Kraft hinaus versucht
werden. Und selbst da wo wir in Sünde gefallen sind, schenkt er uns sein
Erbarmen, damit wir uns zu ihm hinwenden, uns erneut bekehren.
Fassen wir also Mut! Der Erlöser geht uns voran, und in
Verbundenheit mit ihm und in seiner Nachfolge können auch wir unser Leben
bestehen.
Denken wir auch daran, dass
wir eine himmlische Mutter haben,
die uns mit ihrer Liebe beisteht. Ihre Fürsprache möge uns begleiten, die
Gottesmutter Maria ist ja jene Frau, die der Schlange den Kopf zertritt, d.h. das Böse und den Urheber des Bösen
besiegt.
Freuen wir uns über den Sieg Christi, des Herrn! Es ist auch
unser Sieg, wenn wir mit ihm in Liebe verbunden bleiben. Amen.
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