Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 1. Adventsonntag
30. November 2003 (Lesejahr C)
L 1: Jer 33,14-16; L 2: 1 Thess 3,12-4,2; Ev: Lk 21,25-28.34-36

Die aktuellen Messtexte finden Sie im Schott!

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wie schnell ist es auch heuer wieder gegangen, dass wir zu Beginn jener heiligen Zeit stehen, die wir „Advent“ nennen! Da tut es gut, etwas innezuhalten und darüber nachzudenken, was denn der Sinn dieser Zeit eigentlich ist.

Machen wir aus dem Advent nur eine „Vorweihnachtszeit“, in der hauptsächlich der Geschäftsgedanke im Vordergrund steht und wir von einem Termin zum anderen hetzen, da eine „Weihnachtsfeier“ nach der anderen zu absolvieren ist? Oder suchen wir doch danach, den Advent ganz bewusst als die „stillste Zeit im Jahr“ zu erleben, wie dies der Dichter Karl Heinrich Waggerl beschrieben hat?

Im Advent bereiten wir uns vor auf das Kommen des Herrn, das wir zu Weihnachten feiern. Alles Große muss wachsen und heranreifen. Sollten wir da nicht auch den Advent als Chance betrachten, zu uns selbst zu finden, den Mitmenschen zu begegnen und mit Gott in Verbindung zu treten?

Zur adventlichen Einstimmung und weihnachtlichen Vorbereitung wollen uns die Texte der Heiligen Schrift helfen. Sie stellen uns vor Augen, wie groß die Sehnsucht der Frommen des auserwählten Volkes Israel war, das auf den Messias gewartet hat. Es wird uns gezeigt, wie Gott selber alles vorbereitet hat, als er seinen Sohn Jesus Christus zu uns sandte. Eine Jungfrau war erwählt und berufen, in Glaube und Liebe das Jesuskind anzunehmen und den Menschen zu schenken: die heilige Gottesmutter Maria!

Im heutigen Evangelium wird unser Blick auf das Ende der Welt gerichtet, wenn Christus wiederkommt in Herrlichkeit. Vor 2000 Jahren ist der Sohn Gottes verborgen angekommen in dieser Welt als kleines Kind; am Ende der Zeiten wird er in Herrlichkeit und Macht erscheinen, um zu richten die Lebenden und die Toten. Jesus kündigt an, dass vor seinem Kommen so manche Zeichen geschehen werden. Diese Zeichen sind Mahnung zur Umkehr und Buße. Unser Herz soll sich dadurch nicht verwirren lassen, sondern fest bleiben in gläubiger Hoffnung. So gehört beides zum Advent: dass wir an das Kommen des Herrn vor 2000 Jahren denken und uns darauf vorbereiten, dies zu Weihnachten zu feiern, aber auch dass wir ausgerichtet sind auf das Kommen des Herrn, wenn er alles vollenden wird am Ende der Welt.

Wie könnten wir ganz bewusst diese Zeit des Advents gestalten, damit wir gleichsam ein „Kontrastprogramm“ setzen zu all den anderen Dingen, die uns in gewisser Weise die Zeit und Aufmerksamkeit zu stehlen drohen?

1. Das gemeinsame und private Gebet darf nicht fehlen! Einen guten Anlass bietet uns hier der Adventkranz, dessen Kerzen wir anzünden und vor dem wir singen und beten können. Auch die Kinder sollen einbezogen werden, damit sie gemeinsam mit den Eltern die religiöse Dimension der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest erfahren. Auch andere Bräuche, wie die Herbergsuche oder das „Anklöpfeln“, haben ihre Bedeutung, wenn sie auf den religiösen Sinngehalt hin belebt und neu erschlossen werden.

2. Unser Herz bereitet sich wirksam vor auf Weihnachten durch Taten der Liebe. Denn wer Gutes tut uns sein Herz öffnet, der wird auch selber empfangen. Nicht die Kälte des Winters soll unsere Herzen durchdringen, sondern die Wärme der göttlichen Liebe. So wie Gott uns reich beschenkt hat, sollen auch wir einander dadurch beschenken, dass wir füreinander da sind. Liebe aber verlangt mitunter auch schmerzliche Opfer, wenn wir auf etwas verzichten, um es dem anderen zu schenken. Dabei dürfen wir eine Freude empfangen, die jene Menschen nicht kennen, die nur um sich selbst kreisen und kein Herz haben für andere.

3. Die Wachsamkeit des Herzens ist gleichfalls nötig. Wir sollen Menschen der Hoffnung und der Erwartung sein! Der Herr wird kommen, wie es im Ruf der Kirche besungen wird: „Sieh, der Herr kommt in Herrlichkeit und mit ihm seiner Heiligen Schar. Und erstrahlen wird an jenem Tag ein großes Licht, Halleluja!“ (GL 816, Österreich-Teil) Wenn wir jeden Tag bewusst als Geschenk annehmen, dann sind wir wachsam und bereit für die Liebe Gottes, die uns geschenkt ist in seinem Sohn. Geben wir diese Liebe auch weiter an unsere Mitmenschen!

Liebe Brüder und Schwestern! Es liegt an uns, ob wir uns treiben lassen in dieser heiligen Zeit des Advents oder ob wir die Tiefe gläubiger Hingabe suchen. Gott steht uns bei, und unsere Seele verlangt nach dieser Zeit der Besinnung. Wenn wir uns bewusst darauf einlassen, wird der Advent auch für uns zu einer Zeit froher Erwartung und Weihnachten ein Fest heiliger Freude. Amen.

 

·        Weitere Predigten

·        Predigt von + Prälat Holböck zum 1. Adventsonntag (03.12.1989)

·        weitere Adventspredigt von Prof. Holböck (30.11.1980)


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