Predigt:
18. Sonntag im Jahreskreis C (01.08.2004)
L1: Koh 1,2; 2,21-23; L2: Kol 3,1-5.9-11; Ev: Lk 12,13-21
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Den meisten Menschen in unserem Land geht es materiell gut. Wir sind finanziell und sozial abgesichert, auch wenn es in Einzelfällen durchaus harte Lebensschicksale gibt und auch Armut und Not. In dieser Situation hören wir das heutige Evangelium, in dem Jesus Christus von jenem Mann erzählt, der Reichtum und Schätze anhäuft und meint, nun habe er für immer ausgesorgt. In Wirklichkeit sei dieser scheinbar beneidenswerte Mensch jedoch ein Narr, da er nicht bedenke, dass noch in dieser Nacht von Gott sein Leben von ihm zurückgefordert werde.
Wie leicht lässt sich doch der Mensch von den ihn umgebenden sichtbaren Dingen ablenken und fesseln! Da hat er einen ansehnlichen Besitz angesammelt und meint er, er habe nun ausgesorgt für sein Leben. Die besondere Versuchung in den Ländern des Wohlstandes ist der Materialismus und der Konsumismus. Man meint, der einzige Sinn des Lebens bestünde im materiellen Wohlergehen. Alles konzentriert sich auf das Irdische, nach dem Motto: „Der Mensch lebt nur einmal. Ob es nach dem Tod noch etwas gibt, das weiß man nicht.“
Wer eine solche Lebenseinstellung hat, wird möglicherweise einige Zeit damit gut durchkommen. Irgendwann jedoch – sei es in Krankheit, Leid und Schicksalsschlägen und jedenfalls in der Stunde des Todes – muss er einsehen, dass alles Irdische vergänglich ist. Der Reichtum, den er angehäuft hat, kann ihn nicht begleiten. Wem wird all das gehören? Es ist das Thema des „Jedermann“, der in diesen Tagen bei den Salzburger Festspielen wieder aufgeführt wird. Was kann den reichen und nimmersatten Menschen einmal ins Jenseits begleiten, wenn er Abschied nehmen muss von dieser Erde, wo es ihm materiell so gut gegangen ist? Glücklich ist er, wenn die Glut des Glaubens und der Liebe unter der Asche des verfetteten Herzens nicht völlig erloschen ist und wenn ihn auf diese Weise noch wenigstens einige „Werke der Liebe“ ins Jenseits begleiten können! Doch wehe ihm, wenn er ganz und gar sich abgewandt hat von Gott, der Quelle des Lebens, und er als kalter Egoist nur für sich gelebt hat! Kann es da wohl noch eine Rettung geben, wenn er nicht im letzten Augenblick noch die Gnade der Umkehr erhält und sie annimmt?
Das heutige Evangelium sagt uns: Die alleinige Konzentration auf Reichtum, auf Macht, Ansehen und irdischen Genuss führt in die Sackgasse. Irgendwann einmal steht der Mensch an, wenn er so tut, als ob er nur für das Diesseits leben würde. Jede noch so hochgesteckten Ziele werden irgendwann einmal enttäuscht, wenn sie nur im Irdischen gründen.
Was bleibt über? Müssen wir in der Verzweiflung enden? Keineswegs!
Die erlebte und erfahrene Brüchigkeit irdischer Hoffnungen und Erwartungen weist uns den Weg hin zu jener Hoffnung, die nicht enttäuscht werden kann. Wer auf Gottes Liebe setzt und auf seinen Schutz und seine Hilfe vertraut, baut nicht auf Sand. Dessen Leben ist dort verankert, wo die wahren Freuden sind. Wer Gott gefunden hat, darf aufatmen. Er steht nicht mehr unter dem Zwang, hier auf Erden möglichst viel an Gütern anzuhäufen oder alles bis zum Exzess auszukosten. Er darf gelassen auf das hoffen, was Gottes Güte für ihn und die Seinen bereithält.
Wer auf Gottes Liebe baut, wird nicht verlieren, sondern sein Leben gewinnen für die Ewigkeit. Eine neue Freiheit des Herzens wird dem Glaubenden geschenkt. Der Friede Christi übersteigt alles Begreifen.
Blicken wir auf die Mutter unseres Herrn Jesus Christus, die heilige Jungfrau Maria! Sie vertraute ihr ganzes Leben der wunderbaren Gnadenführung Gottes an. Der Ganzeinsatz ihrer liebenden Hingabe an den Willen Gottes war zugleich ein vollkommener Dienst an den Menschen, denen sie in mütterlicher Weise zugewandt war. Auch jetzt im Himmel empfiehlt sie unsere Anliegen dem allmächtigen und barmherzigen Gott. Glauben und vertrauen wir auf Gottes Wort und seine Verheißungen, wie es uns der Glaube der Kirche lehrt; dann werden wir das ewige und selige Leben erlangen! Amen
