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Predigt:

17. Sonntag im Jahreskreis C (25.07.2004)

L1: Gen 18,20-32; L2: Kol 2,12-14; Ev: Lk 11,1-13


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die wissenschaftliche Erforschung dieser Welt und des Universums hat uns bewusst gemacht, dass es schier unermessliche Räume und Zeiten gibt, in die wir Erdenbürger hineingestellt sind. Man möchte fast meinen, dass unsere Welt hier nur ein kleiner unbedeutender Ort ist, verglichen mit dem, was das Weltall in seiner Gesamtheit darstellt. Spekulationen über Dinge, die wir nicht kennen, sind überflüssig. Was uns jedoch der Glaube sagt, lautet: Wir Menschen hier auf dieser Erde sind von Gott so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn zu uns gesandt hat. Das ewige Wort Gottes, der Logos, ist Fleisch geworden. In seiner Menschwerdung hat Gott ein unwiderrufliches Ja der Liebe zu uns gesagt und uns gezeigt, dass ein einziger Mensch mehr wert ist als das ganze unbelebte Universum in seiner Schönheit, Pracht und Größe.

Betrachten wir auf diesem Hintergrund das heutige Sonntagsevangelium! Jesus Christus fordert uns auf, dass wir vertrauensvoll zu unserem Vater im Himmel beten. Der ewige und unendliche Gott hört und erhört uns. Er ist nicht einfach der ferne Gott, der mit uns nichts zu tun haben möchte, sondern er ist uns nahe in allen Situationen unseres Lebens. Nichts ist ihm verborgen. In allem will er unser Bestes und lenkt den Lauf der Zeiten und Dinge.

Wenn sich der Ruf des Menschen im Gebet zu Gott empor richtet, so bleibt diese Stimme des gläubigen Herzens nicht ungehört. Unser Lob, der Dank, die Anbetung Gottes, die Bitten und Abbitten, jeder Akt der Hingabe in Glaube, Hoffnung und Liebe verhallt nicht ungehört im weiten Universum, sondern erreicht Gottes Liebe, der sich uns zugewandt hat im Heiligen Geist durch seinen Sohn Jesus Christus.

In der eben gehörten Perikope des Evangeliums ermuntert uns Jesus zum vertrauensvollen Gebet. Er lehrt die Apostel und durch diese uns alle jenes besondere Gebet der Hingabe und des Vertrauens, das wir als das „Vater unser“ kennen. Es lohnt sich, über dieses Gebet nachzudenken. Vor allem sollte kein Tag vergehen, an dem wir es nicht beten. Wer betet, der steht in lebendiger Verbindung zu Gott. Wer sich bemüht, aus ehrlichem Herzen stets neu zu Gott aufzublicken, wird in seinem Leben immer wieder auf guten Wegen geführt werden.

Manchmal heißt es: „Ich bete zu Gott, und er erhört mich nicht!“ Was ist die Folge? Der Mensch sagt: „Es nützt ohnehin nichts, wenn ich bete.“ Und er gibt auf und lässt die Dinge treiben. Genau das, liebe Brüdern und Schwestern, wäre der schlimmste Fehler, den wir machen können: Zu beten aufhören! Jedes Gebet wird erhört, wenn wir nur vertrauensvoll, demütig und beharrlich beten. Diese Erhörung wird immer zu unserem Besten sein. Gott, der wirklich Vater ist, kann uns ja nicht gleichsam einen Skorpion geben, wenn wir ihn um ein Ei bitten; er kann uns nicht eine Schlange geben, wenn wir ihn um einen Fisch bitten. Diese bildhaften Ausdrücke aus der Rede Jesu zeigen uns, dass uns Gott jedenfalls das gibt, was wir brauchen.

Warum aber sollen wir Gott noch bitten, wenn er ohnehin alles weiß und uns auch helfen will? Hier geht es um die Öffnung des Herzens. Im Gebet wird unser Herz bereit, auf das zu hören, was uns Gott sagen will. Im Gebet lenkt Gott das Herz in die richtige Richtung, dass wir begreifen, was Gott uns schenken will. So kann es durchaus sein, dass wir am Anfang noch in einer sehr irdischen Weise beten. Wir dürfen Gott dem Herrn durchaus alle konkreten Nöte und Sorgen des Lebens hier auf Erden unterbreiten.

Mit der Zeit aber werden wir das Wesentliche des Gebetes begreifen: Es kommt vor allem darauf an, dass wir Gott um die Gabe des Heiligen Geistes bitten. Wenn uns dieser geschenkt wird, dann bekommt unser Leben die rechte Ordnung. Dann kehren Liebe, Freude und Friede in unser Herz ein. Dann wird das Leben mit unseren Mitmenschen erfüllt vom Geist der Hingabe und der Liebe, von Verständnis und Vertrauen. Das sind die eigentlichen Gaben Gottes, die wir brauchen.

Der Heilige Geist lenkt unser Herz dann auch hin auf die ewigen Freuden, die Gott für uns bereithält. Unsere Heimat ist im Himmel, wo Gottes Liebe uns erwartet. Alles Schöne auf Erden ist erst der Anfang, gleichsam ein Vorgeschmack dessen, was Gott uns einmal schenken will. Im Gebet danken wir Gott für seine wunderbaren Gaben auf Erden. Wir erflehen seine Gnade und Hilfe, dass wir die Zeit der irdischen Bewährung gut bestehen.

Wir lassen uns an der Hand unserer himmlischen Mutter Maria hinführen zu Jesus, ihrem Sohn. Dieser ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren war. Er öffnet uns das Tor des Himmels und lädt uns ein zum ewigen Hochzeitsmahl. Mögen wir alle uns durch unser Leben eines solchen Rufes als würdig erweisen! Amen