Josef Spindelböck
Zuerst das eine Notwendige suchen
Predigt am 16. Sonntag im
Jahreskreis
18. Juli 2010, Lesejahr C
L 1: Gen 18,1-10a; L 2: Kol 1,24-26; Ev: Lk 10,38-42
Die
liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Ein jeder
von uns kennt bestimmt so genannte aktive
und „dynamische“ Menschen, die viel bewegen und vieles Gute bewirken. Es
sind Personen mit großer Tatkraft und mit großem Engagement. Wie erfreulich ist
es doch, dass es im Kleinen und im Großen solche ideal gesinnten Frauen und Männer gibt, die auf die jeweiligen
Herausforderungen der Zeit und die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen in rechter
Weise durch die helfende Tat eine Antwort der Liebe geben!
Vielleicht
sind wir deshalb nach dem Anhören des Evangeliums
von der aktiven und hilfsbereiten Marta,
die sich in liebevoller Sorge um Jesus kümmert, und von ihrer scheinbar untätig
da sitzenden, „nur“ zuhörenden Schwester Maria
etwas irritiert. Denn das Lob erhält jene Frau, bei der wir es nicht erwarten
würden: Maria hat nach den Worten des Herrn „das Bessere gewählt“. Es „soll ihr nicht genommen werden.“ „Ist das
gerecht? Ist das realistisch?“ fragen wir vielleicht. Kommen wir so wirklich
weiter im Leben?
Aber
bedenken wir die Dinge etwas näher! Wer hat nicht schon von einem Menschen gehört oder kennt einen
solchen, der sich gleichsam „überengagiert“
oder auch überarbeitet hat, sodass irgendwann der Zeitpunkt kam, wo der vorher
so Aktive sich zurücknehmen musste, weil er oder sie – modern gesprochen – ein
„Burn-Out-Syndrom“ hatte? Einige
Zeit hält es ja ein gesunder Mensch schon durch, wenn er sich über die Maßen
verausgabt und sich diesen und jenen Aufgaben in fast übermenschlicher Weise
zuwendet. Aber irgendwann lässt bei
jedem die Kraft nach, und der zuvor allseits geliebte und gelobte Idealist
erleidet vielleicht sogar einen gesundheitlichen Zusammenbruch. „Er hätte sich
halt mehr schonen müssen“, heißt es nachträglich gut gemeint.
Auch in
unserem christlichen Leben lauert
die Gefahr, dass uns der Aktivismus des
Guten gleichsam „auffrisst“ und wir nicht mehr die Zeit finden für das
wirklich Notwendige. Darunter ist nicht nur die körperliche Ruhe, die Erholung
und der Ausgleich durch andere Dinge zu verstehen, sondern vor allem die Zeit für Gott in der ausdrücklichen
Hinwendung zu ihm, also im Gebet und
im Hören und Betrachten des Wortes Gottes.
Das sind unsere Kraftquellen, die
entscheidend sind für das Leben. Wenn ein Christ zwar alles mögliche Gute tut,
aber für die personale Gottesbeziehung
keine Antenne mehr hat, endet er schnell in einem Leerlauf oder in der totalen
Erschöpfung.
Jesus will
die Arbeit der Marta keineswegs
gering schätzen oder abwerten. Sie tut tatsächlich viel Gutes, und sie wird des
himmlischen Lohnes nicht verlustig gehen. Ihm geht es jedoch darum, dass das
eine Notwendige nicht übersehen wird: die Zuwendung
zu Gott und seinem Wort. Denn davon
lebt der Mensch zuerst und in seinem Herzen; das übrige kommt danach.
Wenn der Mensch mit Gott im Einklang ist, dann
vermag er auch das Übrige gut zu ordnen.
Dann wird er erkennen, was wirklich not
tut und wie er für den Mitmenschen da sein kann. Wo hingegen der
Gottesbezug fehlt, wird jeder Idealismus früher oder später versanden. Und wie
leicht ist es auch möglich, dass sich unter dem Anschein des Guten in
Wirklichkeit doch der eigene Geltungsdrang oder die Ehrsucht verbergen!
So brauchen wir alle die Zeit der Besinnung, der Erholung und
des Auftankens. Auch die Zeit der Ferien
und des Urlaubs ist dazu da. Sie soll eine Zeit sein, in der wir weder auf
den Mitmenschen noch auf Gott vergessen.
Wenn wir
zuerst das eine Notwendige suchen,
dann wird uns alles Übrige gleichsam dazu gegeben werden! Möge uns die Fürbitte der jungfräulichen Gottesmutter
Maria auf dem guten Weg begleiten, den wir zur Ehre Gottes und zum Wohl und
Heil unserer Mitmenschen gehen wollen.
Amen.
NEUERSCHEINUNG
Christlich
glauben und leben
Ein Leitfaden der katholischen Moral
Prof. Dr. Josef Spindelböck
gebunden, 112 Seiten, 20,5 x 13 cm
ISBN: 978-3-901853-19-7
EUR 8,90
Wie soll ein Christ sein Leben
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Leben aus dem Glauben, auf der Grundlage von Heiliger Schrift, apostolischer
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