Predigt:
Im Herzen Jesu geborgen
11. Sonntag im Jahreskreis C (17.06.2007)
L1: 2 Sam 12,7-10.13; L2: Gal 2,16.19-21; Ev: Lk 7,36-8,3
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Am Freitag nach der Fronleichnamsoktav ist das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, am Sonntag darauf – also heute – der in manchen Gegenden und Orten besonders gefeierte Herz-Jesu-Sonntag.
Unter dem Symbol des Herzens gelingt die menschliche Liebe zum Ausdruck, und auch Gott hat sich dieses Zeichens bedient, um uns in besonderer Weise zu zeigen, dass er uns liebt, dass er „ein Herz für uns hat“.
Das Heiligste Herz Jesu ist aber nicht nur ein Zeichen, nicht nur ein Symbol, es ist lebendige Wirklichkeit! Denn Gott ist in Jesus Christus wirklich Mensch geworden, und als Mensch ist er uns in allem gleich geworden außer der Sünde. Als Mensch liebt uns der Sohn Gottes auch mit einem menschlichen Herzen, und so bekennen wir in Dankbarkeit: Gott hat uns in seiner Liebe sein Herz eröffnet.
Diese Öffnung des Herzens Jesu hat sich verwirklicht in der Opferhingabe des Erlösers am Kreuz. Es gibt ja keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde, hat Jesus einmal gesagt (vgl. Joh 15,13). Er selbst hat dies getan, indem er für uns Menschen aus Liebe am Kreuz gestorben ist. So hat er gezeigt, dass Gottes Liebe stärker ist als der Tod und alles Übel, welches letztlich aus der Sünde resultiert.
Die Seite Jesu, der am Kreuz entschlafen war, wurde durch die Lanze des Soldaten geöffnet. Dieser hat damit gleichsam das Herz des Erlösers durchbohrt. Aus diesem Herzen flossen Blut und Wasser. Damit ist der Strom der Gnade und des Lebens angedeutet, welcher in den Sakramenten der Kirche aus dem Herzen Jesu zu uns fließt. Gott hat uns neu geboren in der Taufe (Wasser), wir werden gestärkt in der heiligen Eucharistie (Blut).
All dies soll uns mit Dankbarkeit erfüllen und zur Gegenliebe anregen. Die Antwort auf Liebe kann ja nur wiederum Liebe sein. Gott möchte unsere freie Antwort der Liebe, er zwingt uns nicht. Wenn wir aber auf das geöffnete Herz Jesu blicken, das uns so sehr geliebt hat (es war Liebe bis zum Letzten!), dann müssen auch wir uns dazu gedrängt wissen, Gott unsere Liebe und Dankbarkeit zu zeigen. Alles, was wir haben, ist ja letztlich ein Geschenk der göttlichen Liebe.
Und wenn wir dann sehen, wie es leider auch Menschen gibt, welche achtlos an der Liebe Gottes vorbeigehen oder sie gar offen verschmähen, dann wissen wir uns ebenso sehr gedrängt, auch diese Menschen in unser Gebet und in unsere Liebe einzuschließen und gleichsam Sühne zu leisten für die vielen Beleidigungen, welche dem Heiligsten Herzen Jesu von der Undankbarkeit der Menschen zugefügt werden. Wir wollen sie Gott anempfehlen und ihn bitten, dass er gerade die jetzt noch Fernen hinführe in seine Nähe. Dafür gibt uns das heutige Evangelium ein hervorragendes Beispiel: Eine Frau, die ein sündhaftes Leben führte und deshalb stadtbekannt war, salbte die Füße Jesu mit Öl. Tränen flossen herab, und das war für Jesus ein Beweis dessen, dass sie aus Liebe zu Gott nun ein neues Leben beginnen wollte. Ihre Sünden taten ihr leid, und Gott verzieh ihr alles von Herzen. Jesus tröstete sie und verteidigte sie gegen Angriffe der Pharisäer. Wem viel vergeben worden ist, der liebt in größerem Maß als jener, dem nur wenig vergeben worden ist. Wir können den Satz auch umkehren und sagen: Wer eine große Liebe hat und aus Liebe zu Gott alle Sünden bereut, dem wird in reichem Maß verziehen. Ein neuer Anfang ist möglich!
Blicken wir in besonderer Weise auch auf das Unbefleckte Herz Mariens. Maria war mit ihrem Sohne Jesus stets aufs innigste verbunden. Alle Gnaden des Herzens Jesu flossen gleichsam zuerst ins Herz Mariens. Maria hat alles in Glaube und Liebe aufgenommen; sie möchte die Gnaden Gottes weiterschenken und sie auch uns zuteil werden lassen. Unbeflecktes Herz Mariens, führe uns zum Herzen Jesu, deines Sohnes, damit wir dort geborgen seien für Zeit und Ewigkeit! Amen
