Predigt:
Fest der Taufe des Herrn B (12.01.2003)
L1: Jes 42,5a.1-4.6-7 od. Jes 55,1-11; L2: Apg 10,34-38 od. 1 Joh 5,1-9; Ev: Mk 1,7-11
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Die weihnachtliche Festzeit endet mit dem heutigen Sonntag als dem „Fest der Taufe des Herrn“. Freilich soll das Geheimnis der Menschwerdung gegenwärtig bleiben in unserem Herzen. Denn der christliche Glaube hat als seinen wesentlichen Inhalt eben die wunderbare Herablassung Gottes zu uns Menschen in der Fleischwerdung des ewigen Wortes, des Sohnes Gottes.
Am heutigen Tag feiert die Kirche gleichsam die feierliche Einführung des Erlösers in sein Messiasamt. Gewiß, als Sohn Gottes ist er gleich ewig wie der Vater, mit dem er in der Einheit des Heiligen Geistes verbunden ist. Als Mensch aber hat Jesus Christus einen Anfang in der Zeit: Er wurde empfangen durch den Heiligen Geist und geboren von der Jungfrau Maria. Mit seinem Menschsein hat er auch sein Mittleramt angetreten. Er ist der Christus, der Gesalbte, kraft seiner Menschwerdung. Darum heißt es auch im Hebräerbrief (10,5–7): „Darum spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt: Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir geschaffen; an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen. Da sagte ich: Ja, ich komme – so steht es über mich in der Schriftrolle –, um deinen Willen, Gott, zu tun.“
Dennoch hat Gott in seiner Weisheit und Güte einen Tag auserwählt, an dem dieses messianische Amt allen kund werden sollte. Es war jenes Ereignis, als Jesus an den Jordan ging und sich von Johannes taufen ließ. Johannes wollte die Menschen vorbereiten auf das Kommen des Erlösers und verkündete die Botschaft der Umkehr und Buße. Zum äußeren Zeichen dafür tauchte er die Menschen im Jordan unter. Das Wasser wies darauf hin, daß die Sünde abgewaschen wird durch die erbarmende Liebe Gottes und ein neuer, geistlicher Mensch heraustreten soll aus den Fluten des Jordan. Freilich war diese Taufe des Johannes kein Sakrament, sondern eine Vorbereitung darauf. Dies sagt er selber, wenn er bekennt: „Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“
Nun aber kommt Jesus zu ihm! Dies ist die große Überraschung für Johannes. Es sollte nach seiner Auffassung genau umgekehrt sein: Eigentlich müßte Jesus ihn taufen. Doch es soll so geschehen, denn Gottes Macht, Weisheit und Liebe will sich offenbaren. Als nämlich Jesus im Jordan steht und er von Johannes im Wasser untergetaucht wird, da öffnet sich der Himmel, der Heilige Geist kommt in Gestalt einer Taube herab und eine Stimme spricht: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Es ist der himmlische Vater, der ihm bezeugt, daß er ihn als Messias der Menschen gesandt hat. Der Heilige Geist ist es, der ihn längst zum Messias, zum Christus gesalbt hat und der ihn nun offenbart. Die Aufgabe Jesu wird es fortan sein, allen Menschen den Heiligen Geist zu spenden. Er ist der vom Heiligen Geist Gesalbte, der Christus, und er soll allen Glaubenden diesen Heiligen Geist mit seinen vielfältigen Gaben vermitteln.
Wer wird an diesem Tag nicht an seine eigene Taufe erinnert! Eben deshalb wurden wir zu Beginn auch mit Weihwasser besprengt, um das Geheimnis unserer Taufe wieder lebendig werden zu lassen. Damals hat uns die Gnade Gottes abgewaschen von der Erbschuld und uns mit dem göttlichen Leben erfüllt. Der Heilige Geist erfüllt auch uns, denn wir dürfen durch Jesus Christus, den eingeborenen Sohn Gottes, Kinder Gottes sein. Gott hat uns angenommen und uns zu seinen Söhnen und Töchtern gemacht. In der Taufe wurden wir geistlich neugeboren für das Leben mit Gott. Es ist wie ein Wasserquell, der in uns sprudelt. Alles Gute und Heilbringende wirkt Gottes Heiliger Geist in uns. Darum gilt es, aus dieser Taufgnade zu leben!
Unser Erlöser hat durch seine freiwillige Taufe am Jordan gezeigt, daß er gekommen ist, um alle Schuld von uns zu nehmen. Er ist das „Lamm Gottes“, das hinwegnimmt die Sünde der Welt. Obwohl er ohne Sünde war, trat er freiwillig in die Reihe der Sünder, um uns von allem Bösen zu erlösen. Wie groß war die Demut und Selbsterniedrigung des Sohnes Gottes!
Im Gegensatz dazu sind in der Menschheitsgeschichte immer wieder falsche Propheten und Messiasse aufgetreten, die nicht von Gott gesandt waren, sondern sich ihre Autorität angemaßt haben. Etwas hat ihnen immer gefehlt: Wahrheit, Demut und Liebe. Wer nur das Eigene sucht und die Ehre der Menschen, der kann zwar schnell emporkommen und Erfolg haben. Doch sein Ruhm hat keinen Bestand, und sein Wirken ist nicht heilbringend. Unser Erlöser Jesus Christus suchte in allem den Willen seines himmlischen Vaters zu erfüllen. So ist er gehorsam geworden bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz! Nur dadurch hat er uns erlöst und geheiligt.
In seiner Nachfolge sollen wir den Willen Gottes erfüllen und Gott und den Menschen in Liebe dienen. Mögen wir uns jeden Tag bewußt sein, daß wir in der Taufe hineingenommen wurden in die Gemeinschaft der Liebe und des Lebens mit dem Dreifaltigen Gott. Seine Gnade erfüllt und begleitet auch uns. Bitten wir die heilige Gottesmutter Maria als unsere himmlische Mutter um ihre Hilfe und Fürsprache. Sie verehren wir als Mutter der Kirche und als Mittlerin der Gnade ihres Sohnes. Dann werden wir einst eintreten dürfen ins selige Reich des Himmels, das der Herr denen bereit hat, die ihn lieben. Amen
