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Predigt:

Pfingstmontag B (12.06.2000)

L1: Apg 8,1b.4.14-17 oder Ez 37,1-14; L2: Eph 1,3a.4a.13-19a; Ev: Lk 10,21-24


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wenn wir jemanden ansprechen, den wir noch nicht kennen, dann fragen wir meist nach dem Namen dieser Person. Wir wollen wissen, mit wem wir es zu tun haben. Der Name steht für die Person, er drückt ihr Wesen aus. So ist es auch mit unserem Erlöser Jesus Christus. Sein Name besteht aus zwei Teilen: Jesus heißt „Gott rettet, Gott erlöst“. So bedeutet dieser Name eigentlich „Erlöser“. Christus ist ein Amtstitel und heißt: der Gesalbte, der Messias. Es ist der von Gott mit dem Heiligen Geist Gesalbte, der das Heil und die Erlösung bringt.

Wenn Jesus der mit dem Heiligen Geist Gesalbte ist, dann gehört es zu seiner Sendung, daß ihn dieser Heilige Geist allezeit erfüllt und bei seinem Lehren und Wirken anwesend ist. Voll Freude rief Jesus einmal, vom Heiligen Geist erfüllt, aus: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.“

Was soll das bedeuten? Jesus preist seinen himmlischen Vater, da er Menschen erwählt hat, die in den Augen der Welt gering und verachtet sind. Es sind einfache Menschen, denen man nichts Besonderes zutraut, die aber eine Qualität haben, die sie vor Gott auszeichnet: Ihr Herz ist offen und bereit. Jene „Unmündigen“ sind nur in den Augen der selbsternannten Weisen und Klugen „unmündig“, in Wirklichkeit sind gerade sie weise, weil sie es verstehen, auf Gottes Wort zu hören, es im Herzen aufzunehmen und zu bewahren und in die Tat umzusetzen.

An solche Menschen gibt Jesus den Heiligen Geist weiter, den er vom himmlischen Vater empfangen hat. Dieser Geist erfüllt sie mit Liebe und Frieden. In diesem Geist verkosten sie die himmlischen Geheimnisse und erreichen ein Verständnis göttlicher Dinge, das den Weisen und Klugen verborgen ist.

Lebt Jesus an der Welt vorbei, da ihm die irdische Weisheit und Klugheit, die Macht und die Ehre der Menschen dieser Welt scheinbar so wenig bedeuten? Oder ist es nicht vielmehr so, daß er uns zeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt? Kein Reicher und kein Mächtiger kann mit all seiner Sorge und seinem Einfluß sein Leben auch nur um einen Augenblick verlängern. Er kann nichts mitnehmen, wenn Gott ihn abberuft. Und dann zählen nur die Taten der Liebe. Dann wird entscheidend sein, ob der Mensch vor Gott etwas gewesen ist und nicht nur in den Augen der Welt. Ja gewiß: Viele Dinge sind nützlich, die wir wissen und können. Aber wir müssen uns immer wieder fragen, ob wir alles in den Dienst der Liebe stellen wollen. Dient unser Wissen und Können dem Menschen wirklich? Dient es uns selber, unseren Nächsten, dient es Gott? Gereicht es Gott zur Ehre, was wir tun?

Das ist die entscheidende Frage, ob etwas vor Gott Bestand hat. Und das möchte uns Jesus immer wieder im Heiligen Geist lehren: Daß wir fähig werden, die Dinge dieser Welt in rechter Weise zu sehen und zu beurteilen. Wir sollen sie gebrauchen – bestimmt; doch nicht so, daß wir darüber die ewigen Güter verlieren. Das Zeitliche soll im Dienste des Ewigen stehen. Das ist die wahre Weisheit, die uns der Heilige Geist lehren möchte.

Bitten wir Gott in diesen Tagen des Pfingstfestes um die Gaben seines Heiligen Geistes: um den Geist der Weisheit und des Verstandes, um den Geist des Rates und der Stärke, um den Geist der Wissenschaft und der Frömmigkeit, um den Geist der Furcht des Herrn. So werden wir das erkennen, was recht ist und es mit seiner Hilfe auch tun.

Möge die selige Jungfrau Maria, die als Mutter Jesu ihren Sohn vom Heiligen Geist empfangen hat, uns eine Fürsprecherin sein bei Gott, auf daß er uns mit den Gaben des Heiligen Geistes in Fülle beschenken möge. Amen