Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Palmsonntag
(Jahreskreis B, 16. April 2000)

Ev zum Einzug: Mk 11,1-10 oder Joh 12,12-16;
L 1: Jes 50,4-7; L 2: Phil 2,6-11; Passions-Ev: Mk 14,1-15,47 

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Der feierliche Einzug Christi in Jerusalem vor seinem Leiden und Sterben am Kreuz wird jedes Jahr feierlich dargestellt in der Palmprozession. Ähnlich wie das Volk von Jerusalem rufen auch wir Jesus zu: „Hosanna dem Sohne Davids!“ Dieser Lobpreis soll nicht nur etwas Äußeres sein, sondern wirklich aus dem Herzen kommen. Es geht nicht um die Wiederholung eines frommen Brauches, sondern um ein Glaubensbekenntnis!

Wer ist er, dem das Volk damals zugejubelt hat? Die Menschen stellten sich ganz Verschiedenes darunter vor, was Jesus bewirken sollte. Ja gewiß: Sie hofften auf den messianischen König, der das Reich David wiederaufrichten und vollenden werde. Wie aber würde dieses Reich sein? Viele dachten da doch sehr in irdischen und politischen Begriffen. Verborgen war ihnen, was Jesus wirklich tun wollte. Sie suchten einen König, der siegreich triumphiert über seine Feinde und der seinen Anhängern ein sorgenfreies und glückliches Leben ermöglicht.

Da gab es keinen Platz für den Gedanken des stellvertretenden Leidens und des Sühnetodes am Kreuz. Diese Gedanken waren für die feiernde Menge unerwünscht. Sie wollten einen Messias nach ihren Vorstellungen und waren darum kaum fähig, auf den Willen Gottes zu hören, der sich oft gerade im Unscheinbaren und Kleinen, im Verachteten und Demütigen kundtut.

Nur so ist es zu erklären, daß wenige Tage später die Stimmung „gekippt“ ist. Der Kontrast könnte größer nicht sein als zwischen dem Evangelium vom Einzug in Jerusalem und der folgenden Leidensgeschichte des Herrn. Dieselben Menschen, die ihm „Hosanna“ zugerufen haben, schreien wenige Tage später, unter dem Einfluß gezielter Verhetzung durch politisch und religiös einflußreiche Kreise: „Kreuzige ihn!“

Liebe Gläubige, wir sind heute nicht zusammengekommen, um uns in Illusionen zu wiegen. Das Christentum ist keine bequeme Sache. Das Bekenntnis zu Christus wird uns nicht nur Popularität einbringen, sondern manchmal auch entschiedenen Widerspruch, vielleicht sogar Verleumdung und Verfolgung. „Der Jünger steht nicht über seinem Meister“, sagt Jesus einmal.

Da ist es wichtig, daß wir unseren Glauben stärken. Wir wollen uns fragen: Wer ist Jesus für uns? Was erwarten wir von ihm? Glauben wir wirklich, daß er der Sohn Gottes ist, der uns erlöst von aller Sünde und allem Bösen? Trauen wir es ihm zu, daß er die Welt einst siegreich vollendet, gerade auch durch sein Leiden und Sterben hindurch?

Gottes Wege sind nicht unsere Wege. Das zeigt uns das Leiden und Sterben des Herrn immer wieder neu. Aber es sind Wege des Heiles. Sie führen vom Dunkel zum Licht, vom Tod zum Leben, vom Kreuz zur Auferstehung.

Und da ist auch unser Leben miteingeschlossen. Unsere persönliche Not und Unvollkommenheit, unsere Fehler und Sünden, unser Leid und unser Schmerz, unsere Trauer und Angst sind hineingenommen in das Leiden und Sterben des Gottessohnes. Er hat dies alles aus Liebe getragen. Liebe ist die einzig mögliche „Erklärung“ für die Heilstaten Gottes. Hier liegt unsere Hoffnung: Gott meint es gut mit uns. Das Ziel seiner Verheißungen lautet: Leben! Ja, ewiges Leben ist es, was wir erwarten und ersehnen.

Bitten wir heute den Herrn, daß er uns Kraft gibt in den Prüfungen und Nöten des Alltags, daß wir im Glauben gestärkt einst das Ziel der seligen Vollendung erreichen! Amen.

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at