Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Ostersonntag
23. April 2000 (Lesejahr B)

 

L 1: Apg 10,34a.37-43; L 2: Kol 3,1-4 oder 1 Kor 5,6b-8; Ev: Joh 20,1-18

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Einer Frau traut Gott das erste Zeugnis für die Auferstehung Jesu Christi zu, wie wir es eben im Evangelium gehört haben. Es ist Maria Magdalena, der Jesus zuerst erscheint, noch vor den Aposteln, auch vor seinem Lieblingsjünger Johannes und vor Petrus, dem Felsen der Kirche. Diese Jüngerin des Herrn sollte als erste zur gläubigen Gewißheit gelangen: Der Herr lebt! Er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!

Maria Magdalena, aus der Jesus sieben Dämonen ausgetrieben hatte (vgl. Mk 16,9), war eine ehrlich suchende und ringende Frau. Sie mußte viele Irrwege gehen, bis sie den fand, den ihre Seele liebte und der allein ihr jenes Glück zu geben vermochte, das sie in ihrem Herzen ersehnte. Aber dann liebte sie den Herrn umso mehr mit der ganzen Innigkeit ihrer Seele. Jesus ist der Rabbuni, der Meister, der sie in die Geheimnisse Gottes einführt und den Weg des Heiles lehrt.

Und so ist es auch an jenem Ostermorgen: Sie kommt hin zum Grab des gekreuzigten Jesus und sieht, daß der Stein weggenommen ist. Voller Aufregung läuft sie zu den Aposteln Petrus und Johannes, dem Jünger, den Jesus liebte. Diese begutachten das leere Grab, machen sich wohl auch ihre Gedanken, können aber noch nicht begreifen, was geschehen ist. Auch Maria von Magdala weiß nicht, wo der Leichnam Jesu hingekommen ist. So steht sie beim Grab und weint. Sie begegnet zwei Engeln in weißen Gewändern, doch auch diese vermögen sie nicht zu trösten. Schließlich erscheint ihr Jesus Christus, der Auferstandene. Sie aber erkennt ihn nicht und meint, es sei der Gärtner. Erst als er sie mit ihrem Namen anspricht („Maria“), da begreift sie: Es ist der Herr! Sie fällt vor ihm nieder und möchte ihn nicht mehr verlieren. Doch er gibt ihr den Auftrag, auch den Jüngern kundzutun, daß er auferstanden ist!

Geht es uns nicht auch manchmal so, daß wir Gott suchen und ihn nicht zu finden vermögen, obwohl er längst schon da ist? Gibt es nicht auch in unserem Leben Situationen, wo wir gleichsam mit Blindheit geschlagen sind und den bei uns gegenwärtigen Herrn nicht zu erkennen vermögen? Woran liegt das? Nicht an Gott, sondern an der Unfähigkeit unseres Herzens, uns auf ihn einzustellen! Wir sind viel zu sehr mit uns selber beschäftigt und kreisen um uns selber mit unseren Gedanken, Sorgen und Wünschen. Dabei vergessen wir auf die verborgene und leise Gegenwart des Göttlichen!

Auferstehung in unserem Leben geschieht immer dann, wenn wir fähig werden, dem Herrn im Glauben dort zu begegnen, wo er anwesend ist. Er wohnt ja seit der Taufe in unserer Seele. Wir selber sind „Tempel des lebendigen Gottes“ geworden. Seine Liebe ist in uns ausgegossen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Ist uns das ausreichend bewußt? Oder haben wir vielleicht gar dieses Bild Gottes in uns zerstört, sind wir seiner heiligmachenden Gnade verlustig gegangen durch eine schwere Sünde? Sollte dies geschehen sein, dann müssen wir umkehren zu Gott, um so seinen Frieden wieder zu finden. Dann werden wir erkennen, daß Gott auch in unserem Leben anwesend ist.

Es ist der auferstandene Herr, der bei seiner Kirche bleibt. Er verläßt uns nicht, sondern steht uns bei mit seinem Heiligen Geist. In seiner Liebe wollen wir leben und auf ihn vertrauen. So dürfen wir als Glaubende unseren Weg gehen. Wir wollen Zeugnis ablegen für die Herrlichkeit des Auferstandenen. Ihn sehen wir nicht, aber wir glauben an ihn. Voller Zuversicht erwarten wir die Begegnung mit ihm in seiner Herrlichkeit.

Mögen wir ihn suchen wie Maria Magdalena. Er wird sich uns zu erkennen geben. Er wird sich finden lassen und uns sein Leben und seine Liebe schenken. In diesem Glauben dürfen wir vertrauensvoll durch dieses Leben gehen. Der Glaube an den auferstandenen Herrn besiegt alles Böse und alle Dunkelheit. Sein österliches Licht leuchte auf in unseren Herzen und erstrahle in der Welt! Amen.

 

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at