Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Ostermontag

24. April 2000 (Jahreskreis B)

 

L: Apg 2,14.22-33; L 2: 1 Kor 15,1-8.11; Ev: Lk 24,13-35 oder Mt 28,8-15

 

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Auch am zweiten Osterfeiertag sind wir voller Freude versammelt, um die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus von den Toten zu feiern. Dieses Geheimnis des Glaubens sollte für uns nie zu einer banalen Selbstverständlichkeit werden, sondern immer wieder in seiner Neuheit von unserem dankbaren Herzen angenommen werden. Um die Menschen aufzurütteln, stellt der Apostel Paulus eine provokante Frage, die wir eben in der Lesung vernommen haben: „Habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen?“ Mit diesen Worten wendet er sich an die Korinther, um ihnen die Bedeutung des Glaubens an die Auferstehung Christi deutlich zu machen.

Genau so sollte es eben nicht sein: Daß wir den Glauben zwar mit dem Mund bekennen, ohne im Herzen überzeugt zu sein von dem, was wir mit Worten ausdrücken und verkünden. Ja, uns wurde der christliche Glaube geschenkt. Aber irgendwie müssen wir doch auch immer darum ringen, besonders wenn wir angefochten werden durch die Prüfungen und Widerwärtigkeiten des Lebens.

Ähnlich ist es den Aposteln und Jüngern gegangen, als Jesus gestorben war. Der Schock über den Tod Jesu saß tief und hatte die Fundamente ihres noch schwachen Glaubens erschüttert. Sie meinten, jetzt sei alles zu Ende „mit diesem Jesus aus Nazareth“. Aber genau da, wo die Trauer ihren Höhepunkt erreicht, wo sie die Not und Verlassenheit aufs tiefste verspüren, da begegnet ihnen Jesus Christus als der Auferstandene.

Diese Erscheinungen des Herrn waren keine Hirngespinste von besonders Leichtgläubigen. Nein, im Gegenteil: Sie waren sehr kritisch, überkritisch, und gar nicht mehr fähig, an Großes und Wunderbares zu glauben. Behutsam mußte die Kruste des Unglaubens und der Enttäuschung erst durchbrochen werden, wie uns das Beispiel der Emmausjünger zeigt. Jesus gibt sich ihnen nicht sofort zu erkennen, sondern er spricht mit ihnen und geht auf ihre Fragen und Zweifel ein. Geduldig schließt er ihnen den Sinn der Schrift auf, sodaß ihr Herz gleichsam zu brennen beginnt. Erst beim österlichen Mahl gehen ihnen die Augen auf, und sie erkennen ihn.

Ja, der Herr ist wahrhaft auferstanden! Sein toter Leib wurde wieder erweckt zum Leben. Freilich geschah dies in einer neuen Form, denn der Leib des Herrn erstrahlt nun in wunderbarer Herrlichkeit. Jetzt braucht Jesus nicht mehr zu sterben, denn er lebt auf ewig beim Vater.

Und dieses neue Leben, das von Gott kommt, soll allen geschenkt werden, die an Christus glauben. Darum begreifen wir, daß dieser Glaube unendlich wertvoll und kostbar ist.

Eine neue Sichtweise auf die Wirklichkeit dieser Welt wird möglich für den, der glaubt, daß Jesus der Sohn Gottes ist und er wahrhaft von den Toten erstanden ist! Hoffnung bricht sich die Bahn in unserem Leben, Hoffnung auch durch Leid und Tod hindurch, ja über den Tod hinaus. Darauf gehen wir ja zu, auf die ewige Vollendung.

Und dies alles läßt uns auch das gegenwärtige Leben in seinem Wert und seiner Würde immer tiefer erkennen. Wir Christen leben aus dem Geheimnis der Auferstehung des Herrn und sollen Freunde des Lebens sein. Dankbarkeit darf uns erfüllen und Freude!

Geben wir den Osterfrieden Christi weiter an alle Menschen, mit denen wir im Leben zusammenkommen! Wie das Licht der Osterkerze sich ausgebreitet und so alles erleuchtet hat, so soll der Friede des Auferstandenen die Welt durchdringen. Einst aber hoffen wir die selige Erfüllung im Reiche Gottes zu erlangen, wenn Christus auch uns an Leib und Seele vollendet in der Gemeinschaft mit Gott und allen Engeln und Heiligen. Amen.

 

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at