Josef Spindelböck

Die Unheilsgeschichte wird zur Heilsgeschichte

Homilie am Karfreitag
Feier vom Leiden und Sterben Christi

6. April 2012, Lesejahr B

L 1: Jes 52,13-53,12; L 2: Hebr 4,14-16; 5, 7-9; Passion: Joh 18,1-19,42

Alle liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch

 

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Leiden und Liebe – wie geht das zusammen? Der Blick auf das Kreuz Christi stellt uns diese Frage, und vom Kreuz Christi erhalten wir auch die richtige Antwort.

Fürs erste scheint uns, als wäre die Liebe nicht mit dem Leiden vereinbar. Wer jemanden wirklich liebt, möchte ihm doch soweit als möglich jedes nur denkbare Leid ersparen! Liebende nehmen Rücksicht aufeinander, sie achten auf die Bedürfnisse des anderen, sie suchen den geliebten Menschen glücklich zu machen und wollen einander kein Leid zufügen.

Das ist richtig. Aber gerade wenn jemand dem anderen Leid ersparen will, weil er diesen Menschen liebt, ist er selber eben aufgrund dieser Liebe bereit, so manches Leid und Ungemach auf sich zu nehmen – um dieser Person willen, die er liebt. Die Liebe geht sogar so weit, dass sie das eigene Leben einsetzt und hingibt für die geliebte Person. Und dies kann mit einem Höchstmaß an physischen Leiden und auch an seelischer Bedrängnis verbunden sein!

Genau so hat der Sohn Gottes an uns gehandelt: Aus übergroßer Liebe gab Jesus sein Leben für uns hin am Kreuz!  Nicht das Leid als solches steht im Mittelpunkt, wenn wir auf das Kreuz Christi blicken, sondern die Liebe. Es ist eine Liebe, die sich selbst zur Gabe macht für das Heil der Menschen. Jesus Christus bringt das Opfer der Liebe dar, und er schenkt uns dadurch das ewige Leben bei Gott. Sosehr hat uns Gott geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für uns hingegeben hat am Kreuze (vgl. Joh 3,16)!

Warum aber musste es das Kreuz sein? Hätte der Sohn Gottes uns nicht auch auf andere Weise erlösen können? Gewiss! Und doch entsprach es der Weisheit und Güte Gottes, dass sein Sohn Jesus Christus am Kreuz sein Leben dahingab. Wir sind nämlich dadurch wirklich erlöst von aller Sünde und allem Bösen.

Sünde ist Auflehnung gegen Gott, ist Aufkündigung der Freundschaft Gottes, Zurückweisung seiner Liebe. Die Sünde bringt den Tod und verursacht letztlich das Leiden. Wenn nun am Kreuz Christi offenbar wird, wie groß die Bosheit des Teufels und das Unrecht der Sünde ist, dann zeigt sich hier zugleich der Sieg der Liebe über all dieses Böse. In der Hingabe der Liebe am Kreuz wird offenbar, dass sich Christus durch das Unrecht und die Gewalt, durch den Hass und die Feindschaft der gottlos gewordenen Menschen nicht besiegen hat lassen. Er siegte und triumphierte am Kreuz, weil er die Liebe siegen ließ über Unrecht, Hass und Gewalt.

In seinem Tod am Kreuz hat Gott selbst die Unheilsgeschichte der Menschen umgeschrieben und sie zur Heilsgeschichte gemacht. Das Tor zum Himmel steht offen; wir sind gerettet und erlöst. Der Tod ist in seinem innersten Wesen entmachtet; die Auferstehung des Herrn wird dies kundtun. Der Ostersieg Christi ist bereits in seinem Sterben am Kreuz grundgelegt.

So fällt vom Kreuz aus ein neues Licht auf das menschliche Leid. Dort wo uns Unrecht geschieht und Böses widerfährt und wir deshalb leiden müssen, ist einer auf unserer Seite, der uns liebt: unser Herr Jesus Christus. Er stärkt uns und gibt uns die Kraft zu lieben, sodass wir uns vom Hass und von der Bosheit nicht anstecken lassen. In Jesus Christus haben wir teil am Ostersieg über die Sünde und alles Böse. Wir werden mit Christus auferstehen und das ewige Leben empfangen!

Amen.

 

 

 

·      Predigten von Josef Spindelböck

·      Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder

·      Predigten von + Prälat Univ.Prof. Dr. Ferdinand Holböck

·      Predigten von + Pfr. Kanonikus Eduard Öhlinger


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