Predigt:
Geboren von einer Frau
Hochfest der Gottesmutter Maria B (01.01.2012)
L1: Num 6,22-27; L2: Gal 4,4-7; Ev: Lk 2,16-21
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Der erste Tag im neuen Jahr ist der Gottesmutter Maria geweiht: Wir feiern das Hochfest der Gottesmutter Maria. Wieso ist das so? In der Heilsordnung wollte Gott selber in diese Welt kommen durch eine Frau, die er zur Mutter auserwählt hat: Maria. Bei ihr hat das Heil Gottes seinen Anfang genommen; sie hat bereitwillig Ja gesagt zur Botschaft des Engels, dass sie ein Kind vom Heiligen Geist empfangen und in unversehrter Jungfräulichkeit gebären sollte: Jesus, unseren Heiland und Erlöser!
So gesehen beginnt das neue Jahr mit dem Heilswirken Gottes, das in einzigartiger Weise in der Jungfrau und Gottesmutter Maria zutage getreten ist. Maria ist die Wegbereiterin für den Erlöser. Sie führt hin zum Kind, das sie geboren hat. Große Dinge brauchen eine gute Vorbereitung; Gott selbst hat neun Monate lang als Kind im Schoße der Jungfrau Maria gewohnt, bevor dieses Kind Jesus in der Geburt das Licht der Welt erblickt hat.
Wir dürfen alle unsere Anliegen und Sorgen Gott dem Herrn anvertrauen auf die Fürbitte der jungfräulichen Gottesmutter Maria. So sind wir voll Vertrauen, inmitten der Ungewissheiten, die das Leben mit sich bringt. Letztlich haben wir nichts zu fürchten, denn Gott selbst steht auf unserer Seite. Er hat für immer und ewig Ja gesagt zu uns Menschen, indem er einer von uns geworden ist. Das soll uns Kraft geben für den Alltag und uns stärken auch in schwierigen und vielleicht leidvollen Situationen.
Gott ist der Herr über Zeit und Ewigkeit. Ihm wollen wir das neue Jahr im Vorhinein anempfehlen und weihen. Das folgende Gedicht und Lied von Dietrich Bonhoeffer bringt dies in geeigneter Weise zum Ausdruck:
Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben, und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiß an jedem neuen Tag.
Noch will das Alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach, Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das Du uns geschaffen hast.
Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus Deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann wolln wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört Dir unser Leben ganz.
Laß warm und hell die Kerze heute flammen, die Du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen! Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so laß uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all Deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend uns am Morgen, und ganz gewiß an jedem neuen Tag. Amen
