Dr. theol. habil. Josef Spindelböck

Dieses Brot sollst du erheben!

Predigt zu Fronleichnam

(Hochfest des Leibes und Blutes Christi)

15. Juni 2006, Lesejahr B

 

L 1: Ex 24,3-8; L 2: Hebr 9,11-15; Ev: Mk 14,12-16.22-26
Alle liturgischen Texte online finden Sie im Schott-Messbuch

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Am heutigen Fronleichnamstag steht nach der Feier des heiligen Messopfers die Prozession mit dem Allerheiligsten im Mittelpunkt. Wir bekennen uns zu Jesus Christus, den Herrn, der als wahrer Gott und Mensch in der Monstranz unter der Brotsgestalt bei uns bleibt und uns mit seinem Segen beschützen möge!

In der vom heiligen Thomas von Aquin stammenden Fronleichnamssequenz („Lauda Sion“, deutsch: „Deinem Heiland, deinem Lehrer“) wird die erhabene Gegenwart des Erlösers eindrucksvoll aufgezeigt. Wir Katholiken beten nicht einfach ein Stück Brot an, sondern glauben an die bei der heiligen Messe stattfindende Verwandlung des Brotes in den Leib Christi und des Weines in das Blut Christi. Unter jeder der Gestalten von Brot und Wein ist der ganze Christus gegenwärtig. So preist die Sequenz das wunderbare Brot vom Himmel, „welches lebt und gibt das Leben, das man heut‘ den Christen weist. Dieses Brot, mit dem im Saale Christus bei dem Abendmahle die zwölf Jünger hat gespeist.“

Gottes Allmacht und Liebe bewirkt es, dass durch die Konsekrationsworte des geweihten Priesters Brot und Wein zum Leib und Blut Christi werden. Dazu die Sequenz: „Was das Auge nicht kann sehen, der Verstand nicht kann verstehen, sieht der feste Glaube ein. Unter beiderlei Gestalten hohe Dinge sind enthalten, in den Zeichen tief verhüllt. Blut ist Trank, und Fleisch ist Speise, doch der Herr bleibt gleicherweise ungeteilt in beider Bild.“

Wir sind eingeladen, den Herrn mit reinem Herzen in diesem Sakrament anzubeten, die Vergegenwärtigung seines Kreuzesopfers und seiner Auferstehung bei der heiligen Messe mitzufeiern und ihn in der Kommunion zu empfangen: „Wer ihm nahet voll Verlangen, darf ihn unversehrt empfangen, ungemindert, wunderbar.“

Nicht der bloß äußere Empfang ist das Entscheidende, sondern die Sehnsucht und Liebe des Herzens. Darum ist es zum fruchtbringenden Empfang dieses Sakraments nötig, dass die betreffende Person als Getaufte/r den katholischen Glauben teilt und frei ist von schwerer Sünde. Nur dann gereicht uns der Empfang der heiligen Kommunion zum Segen und nicht zum Gerichte. Thomas von Aquin formuliert dies in der Sequenz so: „Gute kommen, Böse kommen, alle haben ihn genommen, die zum Leben, die zum Tod. Bösen wird er Tod und Hölle, Guten ihres Lebens Quelle, wie verschieden wirkt dies Brot!“

Bei dieser Gelegenheit soll auch an das Sakrament der Buße – die heilige Beichte – erinnert werden, das uns auf den würdigen und fruchtbringenden Empfang der heiligen Kommunion vorbereitet. Und sollte jemand aufgrund äußerer Umstände oder eines noch nicht kirchlich geordneten Lebensstandes am sakramentalen Empfang der heiligen Kommunion gehindert sein, so sieht Gott bestimmt auf die Sehnsucht und Liebe seines Herzens und schenkt der betreffenden Person in der „geistigen Kommunion“ seine Gnade und sein Erbarmen, bis dann die rechte Zeit kommt, wo auch der sakramentale Empfang der heiligen Kommunion wieder möglich wird.

Ja, es ist eine wunderbare Speise, die uns Gott im heiligen Sakrament des Altares schenkt. Sie soll uns stärken auf unserer Pilgerreise durch die Zeit hin zum Haus des himmlischen Vaters. Am Ende heißt es in der Sequenz: „Guter Hirt, du wahre Speise, Jesus, gnädig dich erweise! Nähre uns auf deinen Auen, lass uns deine Wonnen schauen in des Lebens ewigem Reich!“

Gestärkt von dieser himmlischen Speise, in der wir Jesus Christus, den Sohn der Jungfrau Maria empfangen, gehen wir dem ewigen Leben entgegen: „Du, der alles weiß und leitet, uns im Tal des Todes weidet, lass an deinem Tisch uns weilen, deine Herrlichkeit uns teilen. Deinen Seligen mach uns gleich!“

Amen.

 

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