Josef Spindelböck

Gemeinschaft des Lebens und der Liebe

Homilie am Dreifaltigkeitssonntag
Lesejahr B, 3. Juni 2012

 

L1: Dtn 4,32-34.39-40; L2: Röm 8,14-17; Ev: Mt 28,16-20

Alle liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die gegenwärtige Zeit und wohl auch die weitere Zukunft sind charakterisiert durch die starke Betonung und Hervorhebung dessen, was man als Information und Kommunikation bezeichnet. Dem dienen die Medien der sozialen Kommunikation, die wir alle kennen: klassische wie der Brief oder ein Buch, moderne wie Film, Funk und Fernsehen; neue Medien wie das Internet und viele damit verbundene Dienste und Angebote.

Nun aber ist es eine Tatsache, dass die erfolgreiche Technik nicht schon von selbst die gelungene Kommunikation bewirkt. D.h. wir können noch so gute und leistungsfähige technische Geräte einsetzen und dennoch funktioniert die Kommunikation nicht. Es kommt kein wirkliches Gespräch zustande, die Menschen finden nicht zueinander, der lebendige Austausch zwischen den Personen ist nicht gegeben.

Jedenfalls: Gelingende Kommunikation ist etwas sehr Wichtiges für uns Menschen; nur so wird das Leben reich in der Vielfalt der Beziehungen, und es gibt einen gegenseitigen Austausch von Informationen, Auffassungen, Urteilen, Gefühlen und Absichten …

Der heutige Dreifaltigkeitssonntag sagt uns, dass Gott selber nicht einsam und isoliert ist. Er ist vielmehr lebendige Kommunikation, Austausch des Lebens und der Liebe zwischen den drei göttlichen Personen: dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Der Vater teilt sich dem Sohn mit, und ihre gegenseitige Mitteilung füreinander in Liebe ist der Heilige Geist.

Weil Gottes Wesen Liebe ist, möchte er sich auch den von ihm geschaffenen Geschöpfen mitteilen. Er gibt ihnen Anteil an seinem Sein und seinem Leben. Ja, Gott offenbart sich in ausdrücklicher Weise: Er teilt sich uns mit in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus Christus und in der Sendung des Heiligen Geistes. Nur weil Gott sich mitteilt, deshalb wissen wir, wer er wirklich ist. Der dreieinige Gott bricht den Kreis der innergöttlichen Kommunikation auf und lädt uns ein, als seine Kinder daran teilzuhaben. Dies ist durch die Gnade schon hier auf Erden möglich, wenn auch in verborgener Weise, und es wird einst offenbar werden in seiner Vollendung im ewigen Leben.

Alle Geretteten werden für immer einbezogen sein in den Austausch höchster Liebe, wie diese nur Gott schenken kann. In der Sünde hingegen sondert sich der Mensch von Gott ab; je nach Schwere des Vergehens gegen das göttliche Gebot beeinträchtigt oder zerstört der Mensch dabei die Gemeinschaft mit Gott, der die Liebe ist. Er begibt sich in die freigewählte Isolation und setzt sich – falls er sich auf Dauer verweigert – einer qualvollen und todbringenden Einsamkeit aus. Die Hölle wäre dann der freiwillige und endgültige Selbstausschluss aus der Gemeinschaft des Lebens und der Liebe, wie sie Gott schenken will.

Das Glück kann der Mensch nur finden, wenn er sich für den Mitmenschen und für Gott öffnet. Wer sich hingibt, der empfängt. Wer sein eigenes Leben gering achtet im Dienst an den Schwestern und Brüdern, wird das Leben in Fülle empfangen. Denn auch Christus hat sein Leben für uns Menschen hingegeben in seinem Tod am Kreuz, um wie das Weizenkorn reiche Frucht in seinem Sterben zu bringen.

Wir beten an und verehren also den einen und einzigen Gott in den drei göttlichen Personen und im einen göttlichen Wesen. Die heilige Dreifaltigkeit ist nicht etwas Abstraktes, sondern gehört zu unserem Leben als Christen existentiell dazu. Durch die heilige Taufe hat der dreifaltige Gott in unserem Herzen Wohnung genommen; wir sind zum lebendigen Tempel Gottes geworden. Gott selbst heiligt unseren Leib und unsere Seele. So sind auch wir aufgerufen, diese erwählende Liebe Gottes nicht unbeachtet zu lassen, sondern uns in Dankbarkeit Gott und den Mitmenschen zuzuwenden.

In einzigartiger Weise war und ist die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria einbezogen in die innergöttliche Kommunikation. Sie steht zu jeder der drei göttlichen Personen in einer besonderen Beziehung: Sie ist die auserwählte und geheiligte Tochter des himmlischen Vaters; sie ist die Mutter des Sohnes; sie ist die Braut des Heiligen Geistes.

Möge uns die Verbundenheit mit der Gottesmutter Maria hineinziehen in die göttliche Lebenskraft, die uns im Heiligen Geist zuteil wird. Dann werden wir wirklich kommunikative Menschen, die mit Gott in Verbindung stehen und auch ihren Mitmenschen jene Liebe erweisen, deren ein jeder so notwendig bedarf und die doch immer ein Geschenk und eine Gnade ist, weil sie nicht eingefordert werden kann. In dieser Liebe des dreieinigen Gottes sollen wir unsere ewige Vollendung finden.

Amen.

 

 

 

 

·      Predigten von Josef Spindelböck

·      Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder

·      Predigten von + Prälat Univ.Prof. Dr. Ferdinand Holböck

·      Predigten von + Pfr. Kanonikus Eduard Öhlinger


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