Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigtimpuls für den 2. Februar 1997

Lesejahr B, Fest der „Darstellung des Herrn“
(der 4. Sonntag im Jkr. wird heuer nicht gefeiert)
L 1: Mal 3,1-4; L 2: Hebr 2,11-12.13c-18; Ev: Lk 2,22-40



Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!


An diesem 4. Sonntag im Jahreskreis feiert die Kirche heuer das Fest der „Darstellung des Herrn“, im Volksmund auch „Mariä Lichtmeß“ genannt.

Es ist die Gottesmutter Maria, die mit Josef von Nazaret, ihrem Mann, das Jesuskind vierzig Tage nach der Geburt in den Tempel von Jerusalem bringt, um es dort gemäß der Gesetzesvorschrift der Juden Gott darzustellen. Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein, verlangt das mosaische Gesetz. Durch ein Opfer wird das Kind gleichsam ausgelöst, „losgekauft“.

Als fromme Juden erfüllen Maria und Josef diese Forderung. Freilich wissen die Eltern Jesu, daß dieser Jesus als der Sohn der Jungfrau Maria schon längst der Sohn Gottes ist. Er ist der ewige Sohn Gottes, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist als der eine und einzige Gott lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Seit seiner Menschwerdung ist Jesus der mit dem Heiligen Geist gesalbte Messias, der „Christus“.

Maria weiß auch, daß die mütterliche Darbringung ihres Erstgeborenen von Gott angenommen wird als vollgültiges Opfer. Jesus kehrt zwar wieder nach Hause zurück und ist Maria und Josef untertan. Doch in allem erfüllt er nur den Willen seines himmlischen Vaters. Wie keine anderen Eltern mußten Maria und Josef lernen, ihr Kind loszulassen in die eigene Freiheit und in die größere Freiheit seines Gehorsams gegenüber dem Willen Gottes des Vaters.

Geheimnisvoll wurde dies angekündigt in den Worten des greisen Simeon, der voraussagte, daß dieses Kind später zum Zeichen des Widerspruchs werden sollte. Auch Mariens Seele werde ein Schwert durchbohren. Vollends Wirklichkeit geworden ist dies beim Tod Jesu am Kreuz. Mariens Seele wurde auf geistige Weise mit dem Schwert des Leidens durchbohrt. In bereitwilliger Hingabe hat sie damals dem Opfer ihres Sohnes von ganzem Herzen zugestimmt. So hat sie durch ihr mütterliches Ja beigetragen zum Werk der Erlösung. In einer vorzüglichen Weise ist sie zur Gefährtin und Helferin des Erlösers geworden.

Was kann uns nun das Fest der Darstellung des Herrn für unser ganz persönliches Leben sagen? Auch wir sind Gott geweiht durch die Taufe. Als Kinder Gottes gehören wir zu Christus und zu seiner Kirche. Maria ist unsere geistliche Mutter geworden. Dieses Ja zu Gott, das unsere Eltern und Paten gesprochen haben, sollen wir selber bewußt erneuern und bestätigen!

Wir sollen uns Gott ganz übergeben und weihen durch die Hände Mariens. Alles, was wir sind und haben, gehört von Natur aus Gott. Wir dürfen es ihm freiwillig und mit bereitem Herzen überantworten.

Wenn wir in Liebe sozusagen auf unsere eigene Freiheit verzichten und alles Gott schenken, dann werden wir bestimmt nicht leer ausgehen. Gerade darin liegt das Geheimnis des Christentums, der Nachfolge Jesu Christi: Wer sich hingibt, der empfängt. Wer sein Leben verschenkt zum Dienst an Gott und an den Brüdern und Schwestern, der empfängt in überreichem Maße die Fülle des Lebens, nämlich den Frieden auf Erden und ewiges Leben bei Gott.

In diesem Sinn beten wir, daß Gott auf die Fürbitte Mariens und des heiligen Josef uns selber hineinnehmen möge in die Hingabe seines Sohnes Jesus Christus. Diese Hingabe wurde erstmals ausgedrückt bei der Darstellung Jesu im Tempel und schließlich radikal verwirklicht bei seinem Opfer am Kreuz. In jeder heiligen Messe wird dieses Opfer für uns auf unblutige Weise gegenwärtig gesetzt. Nehmen wir in Liebe daran teil und machen wir uns die Liebeshingabe an Gott und die Mitmenschen in unserem Leben jeden Tag noch mehr zu eigen!

Amen.


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