Kaplan Lic.theol. Winfried Seul, Weitra
Predigt am 8. Sonntag im Jahreskreis B
(27. Februar 2000)
L1: Hos 2,16b.17b.21-22; L2: 2 Kor 3,1b-6; Ev: Mk 2,18-22
Einleitung: Für den „modernen, so allseits aufgeklärten Menschen“ der heutigen Zeit klingt es vielleicht merkwürdig, wenn von der Bibel die Beziehung Gottes zu seinem Volk mit der Liebe zwischen Braut und Bräutigam, mit dem Bild der Ehe verglichen wird.
Und doch wir haben uns nicht verhört und es ist auch hier kein flüchtiger Symbolismus aufgeklungen. In der eben gehörten Lesung aus dem Buch Hosea nennt Gott Israel seine „treulose Braut“, die er aufs neue umwerben will „Ich traue dich mir an um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen“ (Hos 2,21).
Und im Evangelium bezeichnet sich Jesus offen als der „Bräutigam“ der zur Hochzeit gekommen ist. „Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ (Mk 2,19).
Und man könnte noch weitere, zahlreiche Schriftstellen anführen, sowohl aus dem Alten Testament wie besonders auch aus dem Neuen Testament, wo Gottes Liebe zum Menschen mit der bräutlichen bzw. ehelichen Liebe verglichen wird.
1. Jesus steht also ganz auf dem Boden der alttestamentlichen Tradition, wenn er sich als der Bräutigam bezeichnet. Wie seine Zuhörer auch genau wissen, was er damit sagen will: In seiner Person hat Gott sein Volk heimgesucht, um es sich auf ewig anzutrauen, er ist der Messias! Der gekommen ist nicht nur mit Israel, sondern mit der ganzen Menschheit „ein Fleisch und ein Blut“, ein Geist zu werden.
2. Dieses Bild von Gott als dem Bräutigam sagt uns etwas grundlegendes, unsere menschliche Existenz und Berufung betreffend. Das Vergleichsbild ist aus dem natürlichen Leben genommen: Wir wissen alle, dass die so tiefe Anziehungskraft zwischen Mann und Frau, zwischen Bräutigam und Braut in ihrem Unterschied begründet ist, in einer von Gott erschaffenen Gegensätzlichkeit.
Wir finden in dieser Welt geschöpfliche, d. h. von Gott gewollte Gegensätzlichkeiten und der Sünde entstammende Gegensätzlichkeiten. Der Sünde entstammende Gegensätzlichkeiten: z. B: Krieg und Frieden, Freundschaft und Feindschaft, Überfluß und Not. Diese Gegensätze stoßen sich ab. Gottgewollte Gegensätzlichkeiten: z. B. Mann und Frau , Himmel und Erde, Kind und Erwachsener. Diese Gegensätze ziehen sich an.
3. Denken wir an das Bild von Gott als dem Bräutigam: Die größte und absoluteste dieser gottgewollten, natürlichen Gegensätze ist die Gegengesätzlichkeit: Geschöpf - Schöpfer, Gott und die menschliche Person! Zwischen diesen Gegensätzlichkeiten ist der Unterschied am größten, ja unendlich, er übersteigt alle irdische Bahnen. Und dementsprechend ist auch die gegenseitige Anziehungskraft alles übertreffend. Und die in diesem Unterschied für den Menschen bereitliegende Ergänzung und Erfüllung übersteigt alles irdische Glück., „Kein Auge hat gesehen und kein Ohr hat gehört, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (vgl. 1.Kor 2,9). Es ist die Hochzeit des Lammes, die ewige Glückseligkeit des Menschen in der beseligende Vereinigung mit dem Dreifaltigen Gott. Hierauf weist uns das Bild von Gott als dem Bräutigam im letzten hin.
Schluß: Vergessen wir dies nie, wenn wir im Alltag durch eine Welt gehen, in der man die gottgeschaffene Anziehungskraft zwischen Mann und Frau hemmungslos vermarktet und plakatiert. Die letzte Bestimmung des Menschen liegt nicht in der absoluten Mehrung von Vergnügen und Genuß hier auf Erden.. Die Bestimmung des Menschen ist eine unendlich höhere. Möge Maria, die Unbefleckte Braut des Heiligen Geistes, uns beistehen, uns in diesem irdischen Leben vor allem zu bereiten für die Hochzeit des Lammes! Amen.