Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 8. Sonntag im Jahreskreis B

(27. Februar 2000)

L1: Hos 2,16b.17b.21-22; L2: 2 Kor 3,1b-6; Ev: Mk 2,18-22

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Es gab und gibt sie zu allen Zeiten: jene Menschen, die durch ihr Auftreten, ihre Verhaltensweise und aufgrund der Überzeugungen, die sie vertreten, Anstoß erregen. Es sind die sogenannten Provokateure oder auch Dissidenten, Menschen also, die sich nicht zufriedengeben mit dem, was „man“ denkt, sagt und tut, sondern die sich durch eine Art Gegen-Zeugnis abheben wollen vom Rest der Gesellschaft. Ganz unterschiedliche Beispiele fallen uns da ein: Wenn jemand in einem Land, in dem die Menschenrechte mißachtet werden, für Freiheit und Würde der Menschen eintritt, kann er zum ungeliebten Außenseiter für jene werden, die Macht und Einfluß ausüben. Oft werden diese Dissidenten benachteiligt und verfolgt, mitunter sogar getötet. Wir wissen zur Genüge, wo solche betrüblichen Vorkommnisse stattfinden, sei es zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur, sei es in den Ländern, wo der Kommunismus die Macht innehatte und auch heute noch hat, wie z.B. in China. Natürlich gibt es auch andere Formen des Nonkonformismus, wo Menschen einfach aus Lust am Anders-Sein Widerspruch anmelden und oft völlig unnötig oder gar zum Schaden ihrer Mitmenschen durch ihr Verhalten provozieren. Wir sind uns grundsätzlich klar darüber, daß es Unterschiede gibt, je nachdem, ob jemand um der Wahrheit und der Gerechtigkeit willen Anstoß erregt oder aus anderen Gründen.

Wie war es mit Jesus und seinen Jüngern und Aposteln? Ganz sicher war unser Herr Jesus Christus für die Mächtigen dieser Welt, die nur an sich dachten, kein bequemer Mensch. Allein durch seine Anwesenheit schien er schon gefährlich für sie zu sein; denken wir nur an König Herodes, der das kleine Jesuskind verfolgen ließ und töten wollte. Als die Zeit seines öffentlichen Auftretens gekommen war, zog der Sohn Gottes im ganzen Land der Juden umher, lehrte, predigte und wirkte Wunder. Er tat Gutes und heilte viele Kranke. Was er verkündete, das lebte er auch. Kein Wunder, daß viele Menschen – besonders Arme, Kranke, Leidende und Sünder - auf ihn vertrauten und ihm Glauben schenkten! Doch jener Kreis von religiös und politisch einflußreichen Menschen, die sich durch ihn herausgefordert, „provoziert“ fühlen mußten, waren in Ablehnung und Feindschaft gegen ihn eingenommen. Sie suchten nach einer Möglichkeit, ihn zu beseitigen, ja ihn zu töten.

Wieder einmal hatte man einen Punkt gefunden, wo sich Jesus nicht im Einklang mit den herrschenden Gebräuchen verhielt: Er und seine Jünger beachteten nicht die strengen Fastenvorschriften der Pharisäer und Schriftgelehrten. Darum stellten ihn diese zur Rede: „Warum fasten deine Jünger nicht?“ Jesus gibt ihnen eine Antwort, in der er ihre Heuchelei aufdeckt. Er antwortet mit einer Gegenfrage: „Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ Seine Anwesenheit in der Welt vergleicht er also mit der Gegenwart des Bräutigams bei einer Hochzeit. Durch den Sohn Gottes ist wahrhaft Freude in diese Welt gekommen. Gott selber schließt ja mit den Menschen einen Bund der Liebe, vergleichbar mit einer Hochzeit. Darum ist – solange der Bräutigam unter den Menschen weilt – Freude und Frohsinn angebracht, nicht trauriges Fasten. Jesus lehnt aber das Fasten nicht völlig ab. Es kommt auf den richtigen Zeitpunkt an. Und so sagt er: „Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; an jenem Tag werden sie fasten.“ Wenn er nämlich der Verfolgung ausgesetzt sein wird, wenn er gefangengenommen wird und am Holz des Kreuzes sterben muß, dann wird der Bräutigam weggenommen. Dies sind die Tage der Trauer für die Jünger Jesu, in denen sie „fasten“ werden.

Liebe Gläubige! Die sogenannte Fastenzeit läßt heuer aufgrund des späteren Ostertermins noch auf sich warten. Doch sie kommt bestimmt. Wie sollen wir mit diesen so verschiedenen Zeiten umgehen?

Für uns, die wir aus dem Glauben leben, darf es eigentlich keine Trauer ohne Trost geben. Denn Jesus Christus, der Bräutigam seiner Kirche, hat durch seinen Tod am Kreuz und durch seine Auferstehung alles Böse überwunden und den Tod besiegt. Wir haben allen Grund, voller Hoffnung zu sein. Wenn wir gemäß der Ordnung der Kirche zur gegebenen Zeit fasten, tun wir es nicht aus Traurigkeit oder gar Weltverachtung, sondern aus Liebe zu Gott, der unser Herz freimacht für noch Größeres, das er uns schenken will.

Lassen wir unser Herz in der Liebe Gottes geborgen sein! Dann werden wir unabhängig sein von düsteren Stimmungen und äußeren Widerfahrnissen. Gott ist uns immer nahe, ob wir es spüren oder nicht. Seine Liebe rettet und tröstet uns. So hoffen wir voll Zuversicht dieses Leben zu bestehen und einst die ewige Seligkeit bei Gott und seinen Heiligen zu erlangen. Amen.

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at