Predigt:
7. Sonntag der Osterzeit B (04.06.2000)
L1: Apg 1,15-17.20a.c-26; L2: 1 Joh 4,11-16; Ev: Joh 17,6a.11b-19
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Als Jesus in den Himmel aufgefahren ist, hat er die Jünger nicht verlassen. Freilich war ihnen seine sichtbare Gegenwart genommen. Aber unsichtbar blieb er bei ihnen. Er sagte ja, um sie zu trösten und im Glauben zu bestärken: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Aus diesem Glauben an die Gegenwart des auferstandenen Herrn, der in den Himmel aufgefahren ist und der zu Pfingsten den Heiligen Geist gesandt hat, lebt die Kirche. Aus diesem Glauben leben auch wir.
Im Johannes-Evangelium haben wir eben gehört, daß Jesus zu seinem Vater im Himmel für alle Gläubigen gebetet hat. Er sprach: „Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst.“ Das ist der brennende Wunsch Jesu für alle, die an ihn und sein Wort glauben: Daß sie bewahrt bleiben mögen vor allem Bösen.
Es geht also nicht darum, daß wir auf dieser Erde Lebende diese so schnell als möglich verlassen sollen, um endlich im Himmel zu sein. Ja gewiß, der Himmel bleibt unser Ziel, und die Sehnsucht danach soll unser Herz erfüllen, wenn wir mit den Worten der Urkirche beten: „Komm, Herr Jesus!“ Christus ist uns vorausgegangen. Aber andererseits dürfen und sollen wir der Verantwortung und den Aufgaben nicht entfliehen, für die uns Gott in diese Welt gestellt hat. Es kommt darauf an, im täglichen Leben das Gebot der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen zu erfüllen, das uns Jesus aufgetragen und vorgelebt hat. Wenn wir in der Liebe bleiben, dann bleiben wir in Gott; denn Gott ist die Liebe. Wenn wir dies tun, dann wird uns nichts fehlen!
Gerade unter frommen Menschen trifft man manchmal eine gewisse Mutlosigkeit an. Sie erleben, wie in der Welt vieles verkehrt läuft, wie leider viel Böses geschieht und Menschen sich von Gott abwenden. Aber ist das Grund zur Resignation oder gar zur Hoffnungslosigkeit? Hat uns nicht Gott in der Auferstehung seines Sohnes eine Hoffnung gegeben, die uns hinwegtragen muß auch über all diese Zweifel und Ängste, über alle Not und Anfechtung?
Der Trost, den uns Jesus nach seiner Himmelfahrt spendet, heißt: „Ich bin bei euch. Ich verlasse euch nicht, ich stärke euch.“ Und dieses Vertrauen darf und soll unser Herz erfüllen: Gottes Liebe ist stärker als alles Böse, als alle Sünde, als Leid und Tod. Er wird es nicht zulassen, daß wir über unsere Kräfte hinaus versucht werden. Zur rechten Zeit wird der Herr uns immer wieder stärken!
So wird der Christ in gläubiger Hoffnung seinen Weg durch die Zeit gehen. Er kann sich nicht absondern von all den übrigen Menschen, die in dieser Welt leben. Denn „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“, sagt das 2. Vatikanische Konzil in der Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute („Gaudium et spes“, Nr. 1).
Und doch gilt für alle Gläubigen das Wort Christi: „Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.“ Die Hoffnung auf das Leben bei Gott erfüllt uns, die stärker ist als alles, was dagegen spricht. Dieser Glaube gibt uns Kraft und stärkt uns. So geht die Kirche ihren Weg durch die Zeit, vom Heiligen Geist geleitet.
Lassen wir uns an der Hand Gottes durch dieses Leben führen! So werden wir uns Schritt für Schritt bewähren und Früchte bringen in Wahrheit und Liebe, damit wir einst mit der Jungfrau und Gottesmutter Maria sowie mit allen Engeln und Heiligen das ewige Leben im Reiche Gottes erben. Amen
