Predigt:
Christus, unser Vorbild
6. Sonntag im Jahreskreis B (12.02.2012)
L1: Lev 13,1-2.43ac.44ab.45-46; L2: 1 Kor 10,31-11,1; Ev: Mk 1,40-45
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In der Lesung aus dem ersten Korintherbrief legt uns der Apostel Paulus eine inhaltsschwere Mahnung und Aufforderung vor. Er schreibt: „Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme.“
Würde er nur den ersten Teil der Aufforderung präsentieren, dann könnte Paulus als anmaßend und selbstherrlich gelten. Wer kann schon so ohne weiteres sagen: „Nehmt mich zum Vorbild“?
Doch Paulus ist sich seiner menschlichen Gebrechlichkeit, seiner Begrenztheit und Schwachheit, ja auch seiner Fehler und Sünden durchaus bewusst, wie er wiederholt in seinen Predigten und Briefen zu erkennen gibt. Er setzt seine Hoffnung ja gerade nicht auf die eigene Gerechtigkeit, sondern auf die Gerechtigkeit und die Gnade, die uns in Jesus Christus, dem einzigen und wahren Erlöser der Menschen, geschenkt sind.
Paulus weiß, dass er selbst als Vorbild nicht genügt. Eben deshalb fügt er hinzu: „wie ich Christus zum Vorbild nehme.“
Wir Menschen brauchen Ideale, ja wir brauchen Vorbilder. Oft genug lassen wir uns vom ersten Eindruck eines Menschen blenden und werden dann in der Folge enttäuscht, wenn wir sehen, dass auch die besten Menschen nicht so ideal sind, wie wir sie uns vorgestellt haben. Auch Paulus weiß: Er selbst kann und wird manche enttäuschen, wenn sie ihn für ein letztes Vorbild halten. Eben deshalb verweist er über sich hinaus auf Jesus Christus, den Herrn und Heiland: Dieser kann uns niemals enttäuschen; er ist unser wirkliches und vollkommenes Vorbild.
Wenn wir als Menschen nach dem Guten streben, dann schauen wir auf Vorbilder, in denen dieses Gute schon verwirklicht ist. Dies ermutigt uns, ja kann uns sogar begeistern. Als Christen stehen wir insgesamt in der Nachfolge Christi. Und auch wenn wir anerkennen, dass es viele großartige Vorbilder gibt und gegeben hat, so weisen doch alle echten Vorbilder – und das sind für uns die Heiligen! – über sich hinaus auf den wahren Gott und Menschen, auf Jesus Christus. Er ist unser Vorbild, er ist unser Ideal!
Eben darum kann Paulus schreiben: „Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme.“ Das will heißen: Blickt im Geiste auf zu mir und ahmt mich nach; aber vergesst nicht, dass ich selber nur ein schwacher, gebrechlicher Mensch mit Fehlern bin – denn auch ich trachte danach, Jesus Christus nachzuahmen.
Die Selbstlosigkeit der Liebe treibt den Apostel Paulus an: „ich suche nicht meinen Nutzen, sondern den Nutzen aller, damit sie gerettet werden.“ Je mehr ein Mensch mit Jesus Christus verbunden ist, desto mehr gibt er sich hin im Dienst an den Mitmenschen. Es geht um das Heil aller; denn Gott will, dass alle Menschen gerettet werden. Die christliche Liebe will dem Nächsten entgegenkommen und ihm Gutes tun. So führen wir einander auf den Weg des Heils.
Blicken wir – wenn wir von Vorbildern sprechen – in besonderer Weise auf Maria, die Jungfrau und Gottesmutter. Sie ist ihrem Sohn Jesus auf einzigartige Weise nachgefolgt. In Maria zeigt sich die Herrlichkeit der Gnade Christi. Ihrer Fürbitte empfehlen wir uns selbst und alle Menschen, die Gott zum Heil führen will. Amen
