Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 6. Sonntag im Jahreskreis B

(13. Februar 2000)

L1: Lev 13,1-2.43ac.44ab.45-46; L2: 1 Kor 10,31-11,1; Ev: Mk 1,40-45

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Es gibt eine Krankheit, die heute durch den Einsatz der modernen Medizin bereits weitgehend zurückgedämmt werden konnte: der Aussatz, auch „Lepra“ genannt. Wird ein davon befallener Mensch rechtzeitig behandelt, so kann er geheilt werden. In früheren Zeiten war diese Krankheit praktisch unheilbar. Wer davon angesteckt war, mußte den normalen Raum seiner Lebensgemeinschaft mit anderen verlassen und konnte froh sein, wenn er noch notdürftig mit einem Dach über dem Kopf ausgestattet war und mit etwas Essen versorgt wurde. Normale Kommunikation mit ihm war nicht mehr möglich. Er galt als Ausgeschlossener und Geächteter. Und oft wurde dieser Aussatz sogar als Folge irgendeiner verborgenen Schuld und als Strafe Gottes gedeutet. Wie schlimm für den Betroffenen! Die Menschen hatten ihn verlassen, und er mußte meinen, auch Gott habe auf ihn vergessen.

Wie muß es uns da doch im Herzen erschüttern, als sich ein Aussätziger in seiner grenzenlosen Not an Jesus wandte. Er kniete vor ihm nieder und bat ihn um Hilfe. Was erhoffte er von ihm, dem er als einzigem noch vertraute? Sicher zuerst die körperliche Heilung, noch mehr aber die Wiedereingliederung in das normale Leben der Gemeinschaft. Er wollte wieder im vollen Sinn Mensch sein und vor allem auch erfahren, daß Gott ihn nicht verlassen hat!

Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, hat keine Angst vor dieser Krankheit. Er streckt die Hand aus und berührt den aussätzigen Menschen. Ein Wort von ihm genügt: „Ich will es – werde rein!“ Im selben Augenblick verschwindet der Aussatz. Nichts, aber auch gar nichts – so erkennen wir –, ist der rettenden Allmacht unseres Heilandes entzogen.

Warum verbietet Jesus anschließend dem Geheilten, das Wunder öffentlich bekannt zu machen? Er weiß, daß die Leute seine Tat leicht mißverstehen werden und ihn nur seiner Wundertaten wegen aufsuchen. Jesus geht es aber nicht um äußere Spektakel, sondern um die Erneuerung der Gottesbeziehung.

Denn Großes ist geschehen: Der äußere Mensch wird heil, aber noch mehr der innere. Wer Jesus begegnet, wird geheilt von Krankheit sowie vom Aussatz der Sünde.

Sünde – gibt es das? Der moderne Mensch wehrt sich dagegen. Ja, so gibt er zu, es können „Schuldgefühle“ vorhanden sein, aber echte Schuld? Gegenüber wem? Er meint: Ich bin ja autonom (unabhängig) und nur mir selbst verantwortlich.

Die Ursache für den Verlust des Sündenbewußtseins liegt im Verlust der Gottesbeziehung. Wo Gott nicht anerkannt wird, dort gibt es auch keine Schuld und Sünde.

Doch der Mensch ist fähig, Schuld auf sich zu laden, weil er frei ist. Freiheit bedeutet Verantwortung und nicht Willkür. Gott nimmt die Last der Schuld von uns, wenn wir den Mut haben, uns an ihn zu wenden. Er schenkt uns die Reinheit des Herzens. „Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen!“ sagt Jesus in der Bergpredigt.

Darunter ist mehr gemeint als sexuelle Unberührtheit oder Keuschheit des Leibes. Reinheit ist die ganzheitliche Unversehrtheit der Person in der liebenden Hingabe an Gott und die Menschen.

Wer schenkt uns diese Liebe? Gott hat uns zuerst geliebt! So können auch wir einander lieben. Wenn wir lieben, dann werden wir heil. Dann sind wir „gesund“. Gott gießt den Geist der Liebe aus in unser Herz. Dieser Geist reinigt uns von aller Bosheit und aller Sünde. Er macht uns zu neuen Menschen, die den Glanz des göttlichen Liebe empfangen und ausstrahlen sowie an ihre Mitmenschen weitergeben.

Blicken wir auf zu Maria! Sie ist die ganz Reine, die Makellose. In ihrem Herzen gab es keine Bosheit der Sünde, die ihr Leben verunstaltet hätte. Wenn wir uns ihr anvertrauen, wenn wir uns mit ihr verbinden, dann werden wir von Gott reingewaschen im Blute des Lammes. Christus ist unser Erlöser. Er ist unsere Hoffnung. Bei ihm empfangen wir immer wieder die Gnade des Neubeginns im Guten. Um das Gute wollen wir uns jeden Tag bemühen. Wir sollen wachsen in der Liebe, bis wir ihn erreicht haben, der unsere Vollendung ist. Amen.

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at