Predigt:
Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!
6. Sonntag der Osterzeit B (13.05.2012)
L1: Apg 10,25-26.34-35.44-48; L2: 1 Joh 4,7-10; Ev: Joh 15,9-17
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Jesus trägt uns das Hauptgebot der Liebe auf. Sie ist gleichsam das Unterscheidungsmerkmal, das Kennzeichen der Christen: „Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“
Allerdings: so eine Liebe nach dem Maß Jesu ist anspruchsvoll. Denn er hat uns geliebt und sich für uns hingegeben bis in den Tod am Kreuz! Wer Jesus nachfolgt, soll bereit sein, jene Liebe zu erlernen, die das eigene Leben gering achtet und es einsetzt für die Schwestern und Brüder.
Genau dies, sagt Jesus, ist der Weg zur Freude. Seine Freude soll in uns sein und dadurch soll unsere Freude vollkommen werden! Wahre Erfüllung ist uns also verheißen in dem, was wir zutiefst ersehnen. Gott wird uns nichts verweigern, nicht vorenthalten von dem, was er Großes für uns bereitet hat. Die Verheißung ist groß: „Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.“
Je mehr Glauben und Vertrauen wir haben, desto sicherer werden wir erhört! Denn nicht mehr Knechte sind wir; Jesus selbst nennt uns Freunde, weil er uns alles geoffenbart hat, was er von seinem Vater gehört und empfangen hat. Unser Auftrag ist es, dass wir in Einheit mit ihm gute Frucht bringen; denn wir sind wie die Zweige am Weinstock, und nur vereint mit dem Weinstock bringen die Zweige ihre Frucht.
Wenn an diesem Sonntag im Evangelium so ausdrücklich von der Liebe Gottes die Rede ist, dann passt dies auch gut zum heutigen Muttertag! Gott hat jedem von uns eine Mutter geschenkt, und in den Müttern und Vätern soll den Kindern zuerst die Liebe Gottes begegnen.
Das Herz einer Frau, die Mutter geworden ist, wendet sich in Liebe ihrem Kind zu. Zu welch großen Opfern sind Mütter fähig, wenn es um das Wohl ihrer Kinder geht! Zeigt sich hier nicht ein Abglanz von jener Liebe, die uns Jesus Christus lehrt und vorlebt? Es ist die Liebe der Hingabe und des Einsatzes des eigenen Lebens! Wie viele Frauen erweisen uns allen im Alltag menschliche Zuwendung und Liebe, auch wenn sie vielleicht nicht alle im leiblichen Sinn Mutter geworden sind: sie haben dennoch ein mütterliches und schwesterliches Herz, das uns die Gegenwart der Liebe Gottes vermittelt.
Gott hat uns die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria geschenkt: Sie durfte im Namen der ganzen Menschheit ihr Ja sagen zur Menschwerdung Gottes. Auf diese Weise ist sie die Mutter des Erlösers geworden. Vom Kreuz aus hat sie Jesus uns allen zur Mutter gegeben. Ihrer mütterlichen Liebe wollen wir uns anvertrauen.
Wir bitten Gott den Herrn auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria: Er vergelte unseren Müttern in reichem Maß all ihre Liebe, die sie uns erwiesen haben. Die verstorbenen Frauen und Mütter aber nehme er auf in sein Reich, wo auch wir die Gemeinschaft mit Gott und allen Engeln und Heiligen des Himmels erwarten. Amen
