Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 5. Sonntag im Jahreskreis (B)
6. Februar 2000

L 1: Ijob 7,1-4.6-7; L 2: 1 Kor 9,16-19.22-23; Ev: Mk 1,29-39

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Seit einigen Wochen grassiert die Grippe in unserem Land. Obwohl es im Normalfall keine lebensbedrohliche Erkrankung ist, sind doch viele in ihrer Gesundheit und in ihrem Wohlbefinden betroffen. Vielleicht gibt es auch in unserem Bekannten- oder Freundeskreis Menschen, die gerade krank sind. Im Zusammenhang mit dem heutigen Evangelium wollen wir einige Überlegungen anstellen über die Krankheit als Prüfung Gottes und zugleich als Gelegenheit zu menschlicher und christlicher Reifung. Übrigens wird am 11. Februar, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau von Lourdes, der „Welttag der Kranken“ begangen.

Die Gesundheit ist ein hoher menschlicher Wert. Das wird uns erst dort so richtig bewußt, wenn sie in Gefahr ist oder verlorengegangen ist. Nicht umsonst hört man oft den Spruch: „Hauptsache gesund!“ Oder: „Das Wichtigste ist die Gesundheit.“ Auch Jesus hatte mit Kranken und Leidenden zu tun. Er anerkannte die Wichtigkeit des Gesundseins, und darum heilte er Kranke und Leidende durch sein machtvolles Wirken. Das eigentliche Ziel dieser Krankenheilungen ist für Jesus aber die neu geschenkte Gemeinschaft mit Gott. Der Kranke erfährt in seiner Heilung durch Jesus, daß Gott ihm nahe ist. In dieser Beziehung zur Liebe Gottes erfährt er sein Heil: an Leib und Seele.

Und da sehen wir schon, liebe Gläubige, daß wir das Gesundsein  und Heilsein nicht isoliert betrachten dürfen. Nicht nur die körperliche Gesundheit ist wichtig, sondern es kommt noch mehr auf das seelische Heil-Sein an: darauf daß die Beziehung zu Gott, zu den Mitmenschen und zu sich selber stimmt. Dies erfährt der Mensch durch den Frieden des Herzens, den ihm Gott schenkt. Durch die Sünde wird diese „Gesundheit der Seele“ zerstört bzw. kommt sie in Gefahr. Gott aber, der sich der Menschen erbarmt, schenkt uns immer wieder die Gnade eines neuen Anfangs.

Als Jesus ins Haus des Simon und Andreas kommt, liegt die Schwiegermutter des Petrus mit Fieber darnieder. Jesus wirkt ein Wunder: Er faßt sie an der Hand, richtet sie auf, und das Fieber weicht von ihr. Sie ist geheilt! Wieviele andere Wunder geschehen noch durch Jesus Christus. In besonderer Weise erbarmt er sich der Sünder. Als „Heiland“ ist er gekommen, um Leiden und Krankheit hinwegzunehmen und uns zu trösten. Wo es nicht möglich ist, daß ein Mensch gesund wird, da hat das Leiden dennoch einen Sinn im Plane Gottes. Es dienst dem kranken Menschen zur Prüfung und Läuterung. Er wird in der Liebe reifen, wenn er sich dazu durchringt, das Leiden anzunehmen.

Zweifellos ist es leichter, über den Sinn des Leidens zu predigen oder fromme Bücher darüber zu lesen, als selber durch Krankheit und Leid geprüft zu werden. Das hat der alttestamentliche Dulder Ijob erfahren. Schwere und schmerzliche Dinge sind über ihn gekommen, mit Zulassung Gottes. Doch auch in dieser Not hat er nicht verzagt, sondern auf Gott gehofft, der ihn retten kann. Darin ist dieser fromme Mann Ijob ein Vorausbild für das Leiden, das der Sohn Gottes um unserer Sünden willen freiwillig auf sich genommen hat. Er war bereit, seinem himmlischen Vater alles zu schenken für das Heil der Menschen. Darum nahm er Kreuz und Leiden auf sich und starb er am Kreuz. Doch am dritten Tag ist er auferstanden!

Das Beispiel Jesu zeigt uns, daß wir sehr wohl hoffen und beten dürfen, daß uns Gott von Krankheit und Leid verschont. Wo es aber unabwendbar eintritt, da wird es zu unserem Besten sein. Dann ist unser starker Glaube gefordert, eine unerschütterliche Hoffnung und die alles überwindende Liebe. Gott verläßt uns nicht. Er heilt uns immer – wenn nicht körperlich, so doch in der Weise, daß er Kraft gibt, das Leiden und die Krankheit zu tragen. Darin aber liegt ein Sinn, der uns mit dem Erlöserleiden unseres Heilandes verbindet. Auch wir dürfen so in Abhängigkeit von unserem einzigen Mittler Jesus teilnehmen an seiner solidarischen Liebeshingabe an den Vater für alle Menschen. Unser Leid wird fruchtbar werden, wenn wir es annehmen in Einheit mit Jesus.

Daß uns das immer besser gelingt, wollen wir erbeten. Die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria, die unter dem Kreuz ihres Sohnes stand, wird uns beistehen. In Tapferkeit mögen wir ausharren in Kreuz und Leiden, bis auch für uns die Erlösung aufleuchtet. Das Ziel des Menschen ist das ewige Glück bei Gott. Dort wird er alle Tränen von uns wischen, es wird keinen Tod mehr geben, keine Krankheit, keine Trauer und kein Leid. In dieser Hoffnung gehen wir durchs Leben, wollen wir einst sterben und die Seligkeit des Himmels erlangen. Amen.

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at