Predigt:
5. Sonntag der Osterzeit B (21.05.2000)
L1: Apg 9,26-31; L2: 1 Joh 3,18-24; Ev: Joh 15,1-8
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Am letzten Sonntag haben wir das Evangelium von Jesus dem guten Hirten gehört. Heute erzählt der Herr ein anderes Gleichnis: vom guten Weinstock und den Rebzweigen. Es ist wiederum ein Bild aus der Landwirtschaft, das den Menschen damals sehr vertraut gewesen sein muß. Was soll hier ausgesagt werden, was kann dies bedeuten?
Jesus geht es ja nicht um naturkundlichen Unterricht. Wohl aber nimmt er alles, was wir in der Natur beobachten können, zum Anlaß, um auf das Reich Gottes hinzuweisen! Und hier in der Natur gibt es eben in Gebieten, wo der Wein gedeiht, das prächtige Wachstum jener Weinstöcke, die von guten Winzern gepflegt und betreut werden. Wieviel hängt gerade von den Winzern ab! Sie setzen ihre Zeit ein, beobachten genau das Wachstum jedes einzelnen Rebstockes und unternehmen alles, um den Rebzweigen die volle Teilnahme am Leben des Weinstockes zu ermöglichen.
So ähnlich, sagt Jesus, ist es auch mit dem Reich Gottes. Er selbst ist der „wahre Weinstock“, sein Vater ist der Winzer. Und alle, die an Jesus glauben, sind durch die Taufe zu Rebzweigen an diesem Weinstock geworden. Das heißt, wir alle leben wie Rebzweige am Weinstock, der Christus heißt. Er ist unser wahres Leben. Nur in Gemeinschaft mit ihm haben wir das Leben. Denn würde sich ein Zweig von diesem Weinstock trennen, dann wäre dies der Tod für den Zweig. Der Weinstock hingegen lebt weiter. Ist es nicht auch so mit unserer Verbindung zu Jesus Christus? Solange wir mit ihm verbunden bleiben in Glaube, Liebe und Gebet, so lange bleibt unsere Seele am Leben. In Verbindung mit Christus bringen wir reiche Frucht. Doch getrennt von ihm können wir nichts tun.
Es wäre eine Torheit, wenn ein Rebzweig sagen würde: Ich brauche den Weinstock nicht mehr! Bestenfalls hält er sich noch einige Tage frisch in einem Gefäß mit Wasser; aber sein Leben ist bereits erloschen. So lautet die Botschaft Jesu an uns: Bleibt in mir, laßt euch von meinem himmlischen Vater reinigen durch mancherlei Prüfungen und Widerwärtigkeiten, die das Leben mit sich bringt. Harrt aus in Glaube und Liebe! Wenn ihr das tut, bringt ihr reiche Frucht.
Wann wird diese Frucht eingebracht? Vieles dürfen wir Gottseidank schon in diesem Leben ernten. Doch die eigentliche Frucht wird gesammelt und aufbewahrt für die Ewigkeit. Im Reich Gottes werden wir den Lohn für all unser Mühen empfangen. Die Heiligen sind uns diesen Weg vorausgegangen. Von ihnen haben wir die Sicherheit, daß sie bereits bei Gott sind und als Fürsprecher für uns eintreten. Vor allem war Maria, die Mutter des Sohnes Gottes, wie ein guter Rebzweig am Weinstock, der Christus ist. Sie hat geglaubt und geliebt und Frucht gebracht für viele Menschen. Ihrer liebevollen Fürbitte wollen wir uns anvertrauen, nicht nur im Marienmonat Mai. Beten wir heute auch besonders für unseren Heiligen Vater, Papst Johannes Paul II., der vor einigen Tagen seinen 80. Geburtstag feiern durfte! Gott erhalte ihn der Kirche noch lange und segne sein Wirken.
Am Ende unseres Lebens möge uns Gott allen in seinem Reich auf die Fürsprache der Heiligen die ewige und selige Vollendung schenken! Amen
