Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank
Predigt für den Fünften
Sonntag der Osterzeit
27. April 1997 (Lesejahr B)
Vorstellungsmesse der Firmkandidaten
L 1: Apg 9,26-31; L 2: 1 Joh 3,18-24; Ev: Joh 15,1-8
Liebe Firmkandidaten,
liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wie wir alle wissen, war der Apostel Paulus vor seiner Bekehrung ein grausamer Verfolger aller jener Menschen, die an Jesus Christus glaubten. Als ihm dann Jesus erschien, erkannte er sein Unrecht und bekehrte sich. Er ließ sich taufen und schloß sich den Christen an, die er zuvor verfolgt hatte. Freilich war es für ihn nicht einfach, Anschluß zu finden, da man ihm gegenüber noch ein großes Mißtrauen hatte. Erst als die Gläubigen sahen, daß seine Bekehrung echt war und daß er bereit war, nun selber Verfolgung für den Glauben an Jesus Christus zu erleiden, nahmen sie ihn mit bereitem Herzen auf in ihre Gemeinschaft.
Dieses Beispiel aus der Apostelgeschichte zeigt uns, daß die Wege zum Glauben verschieden sind. Manche Menschen kommen erst spät in ihrem Leben zur Erkenntnis, daß Jesus der Erlöser ist, an den sie glauben sollen. Andere wiederum sind in eine christliche Familie hineingeboren worden und wachsen schon mit dem Glauben auf.
Liebe Firmkandidaten!
Ihr habt den Glauben an Jesus Christus von Euren Eltern empfangen, die Euch taufen ließen und Euch im Glauben unterwiesen haben. Ihr habt zu Hause beten gelernt und seid in Schule und Pfarrgemeinde eingeführt worden in die Gemeinschaft mit Gott und der Kirche.
Nun habt Ihr Euch dazu bereit erklärt, die heilige Firmung zu empfangen. Es soll eine bewußte Erneuerung all dessen sein, was Ihr schon glauben dürft und empfangen habt: Bei der Taufe haben die Eltern und Paten an Eurer Stelle den Glauben bekannt und dem Bösen abgeschworen, bei der Firmung sprecht Ihr selber das Glaubensbekenntnis und widersagt dem Bösen.
Seid Euch bewußt: Die heilige Firmung ist ein ganz großes Geschenk, das Ihr am 1. Juni durch die Salbung mit Chrisam durch den Bischof empfangen dürft. Nicht die Firmuhr oder das neue Kleid ist das Wichtigste! Sondern: Gott, der Heilige Geist wird Euch mit seiner Liebe beschenken. Gott wird Euch stärken und erleuchten, damit Ihr fähig werdet, in Eurem Leben immer mehr ein bewußtes Ja zu Jesus Christus und zu seiner Kirche zu sprechen.
Es ist ein Sakrament, das Ihr empfangen dürft und worauf Ihr Euch durch den Firmkurs vorbereitet. Sakramente sind heilige Zeichen, die von Jesus selber eingesetzt worden sind. Das Äußere ist sichtbar, das Wesentliche bleibt unsichtbar, nämlich die Gnade Gottes, die Ihr im Herzen aufnehmt.
Ihr werdet mit dem wahren Weinstock, nämlich mit Jesus Christus selbst, noch inniger verbunden. Wer mit ihm eins ist durch den Glauben und die Liebe, der hat das ewige Leben. Jesus verheißt uns Großes: Er sagt ja, wenn wir in ihm bleiben und er in uns bleibt, dann dürfen wir ihn um alles bitten, was wir wollen. Er wird es uns schenken!
Liebe Eltern und Paten, liebe Pfarrgemeinde!
Nehmen wir diese jungen Menschen auf und begleiten wir sie in den kommenden Wochen der Vorbereitung auf das Sakrament der Firmung, aber noch mehr danach! Die Jugend ist die Zukunft der Kirche, und sie braucht unsere liebevolle Zuwendung, besonders aber unser Gebet.
Wir gehen auf das Pfingstfest zu, an dem wir die Ausgießung des Heiligen Geistes über die Apostel, Jünger und Frauen feiern. Bitten auch wir Gott um den Heiligen Geist, damit er uns helfe, auf sein Wort zu hören und es im Leben treu zu befolgen.
Nicht auf irdische Vorteile kommt es an in diesem Leben, sondern auf den Frieden mit Gott und die gelebte Nächstenliebe. Daß uns dies immer besser gelingen möge - und vor allem auch den jungen Menschen hier -, das bitten wir heute den Herrn auf die Fürbitte der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria!
Amen.
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