Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 5. Fastensonntag
(Jahreskreis B, 9. April 2000)

L 1: Jer 31,31-34; L 2: Hebr 5,7-9; Ev: Joh 12,20-33
oder: L 1: Ez 37,12b-14; L 2: Röm 8,8-11; Ev: Joh 11,1-45

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Nur mehr eine Woche trennt uns vom Beginn der Karwoche, in der wir das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus feiern und als krönenden Abschluß seine Auferstehung von den Toten. Es lag im Heilsplan Gottes, daß Jesus um unserer Sünden willen leiden „mußte“, daß er in den Tod gegeben wurde, damit wir das Leben haben. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Das sagt Jesus vor allem über sich selber, aber auch zu unserem Leben.

Freilich wehren wir uns alle gleichsam von Natur aus gegen eine solche Sicht. Wir wollen doch alle leben; vom Tod will keiner etwas wissen, außer das menschliche Leben ist durch verschiedene Umstände so unglücklich geworden, daß der baldige Tod in sich als Erlösung erscheint. Wie tröstlich ist es da für uns, daß auch Jesus Christus als wahrer Mensch angesichts seines Leidens und Sterbens Angst und Not erfahren hat, wenn wir an seine „Ölbergstunden“ denken. Darum heißt es in der Lesung aus dem Hebräerbrief, er habe „mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte“. Tatsächlich ist Jesus dann auf wunderbare Weise durch einen Engel gestärkt worden, und er konnte voll Mut und im Geist wahrer Hingabe an den Willen des Vaters sein Leiden und Sterben für uns auf sich nehmen!

So ist uns der Herr selber vorausgegangen auf dem Weg, der uns allen beschieden ist. Auch wir müssen einmal sterben. Weil wir Menschen sind, können wir diesen Ausgang unseres Lebens nicht verleugnen nach der Art jenes Mannes, der einmal meinte: „Alle Menschen müssen sterben. Doch ich sicher nicht!“ Denn dies ist nicht in unsere Wahl gegeben. Hier müssen alle, ob groß oder klein, ob reich oder arm, das gleiche Los erdulden. Warum müssen wir dieses Schicksal erleiden? Die Heilige Schrift sagt uns, daß der Tod eine Folge der Sünde Adams ist. Weil sich die ersten Menschen gegen Gott aufgelehnt haben, darum mußten sie sterben. Diese Sterblichkeit im Sinn einer Folge der Sünde ist auf alle ihre Nachkommen übergegangen. So kommt es, daß der Mensch seinen Tod als Unglück erlebt und daß er Angst und Schrecken davor empfindet.

Aber, liebe Gläubige, wenn wir in diesen Tagen auf Jesus blicken, der durch Kreuz und Leiden in seine Herrlichkeit eingegangen ist, dann bedeutet eben dies für uns doch Hoffnung und Freude. Der Tod hat nicht das letzte Wort; unser ewiges Ziel ist das Leben in Fülle, das uns Gott schenken möchte. Jeder, der mit ihm verbunden ist, im Glauben und aufgrund der Taufe, wird Anteil erhalten nicht nur an seinem Tod, sondern auch an seiner Auferstehung und an seinem Leben beim Vater. Er sagt ja: „Wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein.“ Und vorher sagte er: „Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach.“ Dieses „Nachfolgen“ Jesu heißt, daß wir gleichsam in seine Fußstapfen treten sollen. Er hat uns einen Weg gebahnt, ja noch mehr: Er ist dieser Weg, auf dem wir gehen sollen. Wir sollen uns seine Gesinnung der Liebe zu eigen machen. Es ist eine unbedingte Liebe des Gehorsams gegenüber dem himmlischen Vater. In dieser Liebe sind wir wahrhaft frei, das Gebot Gottes zu erfüllen. Die Liebe erfüllt unser Herz mit Frieden. Die Liebe befähigt uns, Großes zu wagen für Gott und das Heil der Menschen. Die Liebe drängt uns zum Ganzeinsatz und zur Ganzhingabe.

Wenn wir das tun und uns hingeben in Liebe im Dienst an unseren Brüdern und Schwestern, dann werden auch wir zum Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt und reiche Frucht bringt. Auf diese Weise zeigen wir, daß wir nicht an unserem irdischen Leben hängen. Gerade so gewinnen wir das wahre Leben, das Gott uns schenken möchte!

Die Mutter Jesu, die selige Jungfrau Maria, hat ihr Leben ganz zur Verfügung gestellt für den Plan der Liebe Gottes. Sie war die demütige „Magd des Herrn“ und erfüllte in allem den Willen Gottes. Sie zeigt uns den königlichen Weg des Dienens und des unerschütterlichen Glaubens und Vertrauens. Sie hat das Ziel des ewigen Lebens bereits erreicht und ist uns vom Himmel aus nahe mit ihrer Liebe und Fürsprache. Sie bittet für uns, „jetzt und in der Stunde unseres Todes.“ Amen.

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at