Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigt am 4.
Sonntag im Jahreskreis (B)
30. Januar 2000
L 1: Dtn 18,15-20; L 2: 1 Kor 7,32-35; Ev: Mk 1,21-28
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
„Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören“ (1 Joh 3,8). Diese Worte aus dem 1. Johannesbrief beschreiben sehr gut das machtvolle Wirken unseres Erlösers auf Erden. In dieser Weise hat sich Jesus als der von Gott gesandte Messias geoffenbart. Er ist der Christus, der mit dem Heiligen Geist Gesalbte, und seine Aufgabe – seine Sendung – ist es, den Menschen das Reich Gottes zu verkünden und es durch seine Gegenwart und sein heiliges Leben unter uns anwesend werden zu lassen.
Wir sind heute allzu leicht versucht, Berichte wie das eben gehörte Evangelium nach Markus ins Reich der bildhaften Erzählung oder der mythologischen Rede abzutun. Gewiß: Damals herrschte ein anderes Weltbild. Die Menschen hatten andere, noch unvollkommene Vorstellungen von Gott. Sie konnten auch mit den Naturkräften noch nicht in jener Weise umgehen, wie uns das heute aufgrund einer vertieften Einsicht in deren Gesetzmäßigkeiten möglich ist. Doch andererseits müssen wir uns fragen, ob wir nicht allzu schnell Dinge von uns wegschieben und sie als unwirklich ansehen, nur weil sie nicht in unser Konzept passen. Kann es nicht möglich sein, daß wir sogar Glaubensinhalte ins Reich der frommen Phantasie verweisen, nur weil wir es dem scheinbar „aufgeklärten“ Verstand nicht antun wollen, die Herausforderung des Glaubens an das wunderbare Wirken und machtvolle Eingreifen Gottes anzunehmen?
Lassen wir doch – frei von aller Kritik und Besserwisserei – den Bericht des Evangeliums so gelten, wie er sich uns darstellt: Jesus geht nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die jüdisches Synagoge. Dort wird er eingeladen zu sprechen. Und er lehrt wie einer, der göttliche Vollmacht hat. Sein Wort besitzt eine innere Kraft. Es ist nicht einfach so daher gesagt. Bei der Lehre, die er verkündet, handelt es sich nicht um geistreiche, aber fruchtlose Spekulation, sondern es ist eine Botschaft, die die Hörer mitten ins Herz trifft: So kann nur einer sprechen, der von Gott dazu berufen ist! So kann nur einer reden, der von Gott gesandt ist und der dazu einen göttlichen Auftrag hat!
Wie um das zu unterstreichen, geschieht etwas, mit dem die Zuhörer nicht gerechnet haben. Ein Mann sitzt unter ihnen, „der von einem unreinen Geist besessen war.“ Dieser Geist in ihm kann es nicht zulassen, daß eben jetzt die Großtaten Gottes verkündet werden. Der unreine Geist spürt, daß sein Ende nahe ist. Seine Macht schwindet, weil sich die rettende Allmacht der Liebe Gottes offenbart. Darum beginnt er ganz furchtbar durch den Mund des Besessenen zu schreien. Den Menschen geht dies durch Mark und Bein! Und da bekennt der böse Geist gegenüber Jesus: „Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.“ Wie reagiert Jesus? Wie verhält er sich gegenüber dieser Herausforderung durch die Macht des Bösen, durch den Herrscher der Finsternis? Er spricht sein machtvolles Wort und befiehlt dem unreinen Geist zu schweigen und den Mann zu verlassen. Noch einmal bäumt sich die dämonische Macht auf und zerrt den Menschen hin und her. Dann endlich verläßt der unreine Geist den Mann mit lautem Geschrei. „Da erschraken alle.“
Gewiß handelt es sich hier um eine erschreckende, jedoch zugleich befreiende, Hoffnung weckende Tat des Herrn! Er deckt die Macht des Bösen auf, er macht ihn offenbar. Aber er tut das, um ihn zu überwinden und zu besiegen. Denn der Teufel hat keine Gewalt über ihn!
Wie geht es uns bei dieser Erzählung? Betrifft das auch uns? Wenn Jesus Christus wirklich der Erlöser aller Menschen und aller Zeiten ist, dann doch wohl! Er ist auch zu uns gekommen, um uns die Nähe des Reiches Gottes zu offenbaren. Auch uns möchte er erlösen von der Macht des Bösen. Auch an uns wirkt er seine Taten der Liebe. Dieser neue Anfang ist bereits gesetzt mit dem Empfang der Taufe. In der Taufe werden wir befreit von der Macht des Bösen, wird uns die Freundschaft und die Liebe Gottes geschenkt. Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Wenn wir mit Gott verbunden bleiben durch den Glauben, dann haben wir nichts zu fürchten. Nichts und niemand wird uns schaden, denn Jesus ist immer mächtiger als die Kraft des Bösen. Auch in der Beichte geschieht Ähnliches: Nach dem Bekenntnis spricht der Priester im Namen Christi den Sünder los von aller Schuld. Alle bösen Geister sind ausgetrieben!
Wenn uns die Kirche heute dieses Evangelium vorlegt, dann geschieht das nicht, um uns Angst zu machen, sondern um aufzuzeigen, daß es keine Unheilsmacht gibt, die Jesus Christus durch sein Kommen nicht überwunden hätte. Sein ist der Sieg, sein ist die Kraft und die Macht in Ewigkeit! Für immer währt seine Huld, er läßt uns wohnen in seinem Frieden. So soll unser Herz sich mit Freude erfüllen, da zu uns der Retter gekommen ist aus jeder Macht des Bösen.
Geben wir dem Bösen keinen Raum! Lassen wir uns nicht ein auf die Sünde, denn diese allein trennt uns von der Liebe Gottes. Vertrauen wir uns im Gegenteil ganz der Fürsprache jener Frau an, die uns den Erlöser geboren hat: der Jungfrau und Gottesmutter Maria. Sie hat der Schlange den Kopf zertreten (vgl. Gen 3,15). An ihr hatte das Böse keinen Anteil, da der Erlöser sie geheiligt hat schon im ersten Augenblick ihres Daseins. Wenn wir uns unter ihren Schutz und Schirm stellen, dann sind wir Christus nahe, der unser wahres Leben ist. Er ist der ewige Sohn Gottes, in seiner Liebe sind wir geborgen für Zeit und Ewigkeit. Amen.