Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigt am Vierten
Sonntag der Osterzeit
14. Mai
2000 (Lesejahr B)
L 1: Apg 4,8-12; L 2: 1 Joh 3,1-2; Ev: Joh 10,11-18
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wie geht es dem modernen Menschen, wenn er die Gleichnisse Jesu vom Hirten und seiner Sorge für die Schafe hört? Wer auf dem Land lebt, kann sich wohl auch heute vorstellen, wie innig die Beziehung eines guten Hirten zu seinen Schafen sein muß. Andere werden sich schwerer tun damit, da es für sie eine ganz fremde Welt darstellt. Aber wir können wohl sagen: Das Beispiel des guten Hirten ist gut geeignet, uns die liebevolle Sorge Gottes um sein Volk anschaulich vor Augen zu führen.
Wenn wir solche Worte hören wie: „Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe“, dann geht es hier um den Ganzeinsatz des Lebens, den der Hirten gegenüber seiner ihm anvertrauten Herde leistet. Er identifiziert sich mit dieser Herde, die ihm weit mehr bedeutet als Gelegenheit zur Sicherung seines eigenen Lebensunterhalts. Ein guter Hirte ist eben mehr als ein „bezahlter Knecht“, dem in Wirklichkeit an den Schafen nichts liegt. Dem Hirten liegt soviel an den Schafen wie an seinem eigenen Leben, weil er sie liebt! Liebe – ja, das ist das Schlüsselwort für die Beziehung des Hirten zu seiner Herde. Liebe schafft eine neue Qualität der Beziehung, und genau hier ist der gute Hirt ein Beispiel, ein Bild für die sorgende Liebe Gottes zu uns Menschen.
Weil Gott uns seinen Sohn gesandt hat, darum ist Jesus Christus der gute Hirte seines Volkes. Dieser gute Hirte hat für uns Menschen am Kreuz sein Leben hingegeben; er hat sein Blut für uns vergossen, um uns zu erlösen aus der Macht des Bösen. So hat er uns aus der Zerstreuung zusammengeführt zur einen Familie der Kinder Gottes. Vertrauen wir uns diesem guten Hirten Jesus Christus immer wieder an! Er kennt uns, er weiß um unsere Not, und er ist bereit zu helfen, wenn wir seine Hilfe annehmen wollen.
Jedes Jahr am Sonntag des Guten Hirten lädt uns die Kirche auch ein, für geistliche Berufe zu beten. Es sind ja vor allem die Priester, die in der Nachfolge des Guten Hirten stehen, wenn sie das Wort Gottes verkünden, die Sakramente spenden und das Volk Gottes leiten. An uns allen aber liegt es, daß wir auch eine Atmosphäre für das Wachsen geistlicher Berufe schaffen. Und da dürfen wir sagen: Es kommt auf gute Familien an, in denen der Glaube gelebt wird, in denen Gott „vorkommen“ darf, einen Platz hat. Geistliche Berufe und gute Familien sind kein Gegensatz, sondern bedingen und fördern sich gegenseitig. Wer wollte da am heutigen Tag nicht auch besonders an unsere Frauen und Mütter denken, die sich bemühen, in ihren Kindern gute Grundlagen für das Leben zu bereiten! Ihnen allen sei von Herzen gedankt dafür, daß Sie in den Familien herzliche Liebe schenken sowie auch Offenheit für Glaube und Gebet wachhalten. Das sind Werte, die in unserer Gesellschaft oft vergessen werden, von denen wir aber letztlich und eigentlich leben.
Wir durften gestern am 13. Mai den Besuch des Heiligen Vaters, Papst Johannes Pauls II., im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima miterleben. Er hat die beiden bereits verstorbenen Seherkinder der Marienerscheinung des Jahres 1917 seliggesprochen, eine Seherin (Lucia) lebt ja noch. Francesco und Jacinta gaben in ihrem kindlichen Alter das Beispiel eine mutigen Glaubens und großer Opferbereitschaft. Sie waren bereit, den Rosenkranz zu beten und sich für die Bekehrung der Sünder Gott darzubringen. Das Anliegen der Botschaft von Fatima bleibt unverändert aktuell. Wie wichtig ist gerade das stellvertretende Gebet für jene, die Gott zu wenig kennen und lieben, die ihn durch Sünden verschiedenster Art beleidigen! Wie notwendig ist es auch in unserer Zeit, immer wieder für den echten und wahren Frieden zu beten, den die Menschen nur als Geschenk aus der Hand Gottes empfangen können.
So soll uns dieser Tag heute gleichsam von selber hinführen zur besten aller Mütter, zur seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Sie ist die Mutter aller Menschen, vor allem ist sie die Mutter jener, die Gott zu einem geistlichen Beruf auserwählt hat. Ihr wollen wir alle Anliegen übergeben. Ihr wollen wir besonders alle Frauen und Mütter empfehlen, die sich abmühen im Dienst vor Gott und den Menschen. Gott segne ihren Einsatz und ihre Liebe. Er schenken ihnen und uns allen den verheißenen ewigen Lohn im Reiche Gottes. Amen.