Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigtimpuls zum 4. Adventsonntag
am 22.12.1996

Lesejahr B - L 1: 2 Sam 7,1-5.8b-12.14a.16; L 2: Röm 16,25-27; Ev: Lk 1,26-38


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!


Nur noch wenige Tage trennen uns heute, am 4. Adventsonntag, von der Feier der Heiligen Nacht, in der Christus für uns Menschen und um unseres Heiles willen geboren worden ist aus der Jungfrau Maria.

Die Liturgie der Kirche lädt uns in diesen letzten Tagen des Advent ein, auf das Geheimnis der Verkündigung des Herrn an Maria zu blicken. Dieses Geschehen feiern wir ja bereits am 25. März, also genau neun Monate vor dem Weihnachtsfest. Weil das menschliche Leben schon mit der Empfängnis eines Kindes beginnt, ist somit das Fest „Verkündigung des Herrn“ die eigentliche Feier der Menschwerdung des Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria.

Maria ist zuerst erschrocken, als sie der Engel mit den Worten „Freue dich, du Gnadenvolle!“ begrüßt. Sie hat sich aber schnell wieder gefaßt und überlegt, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da spricht sie der Engel an und teilt ihr mit: Sie soll ein Kind empfangen und einen Sohn gebären und ihm den Namen Jesus geben. Er wird der Sohn des Höchsten genannt werden. Gott wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird als König herrschen in Ewigkeit.

Wir dürfen mit Sicherheit annehmen, daß Maria die Größe dieser Verheißung in ihrem wesentlichen Inhalt verstanden hat. Sie war sich bewußt, daß sie selber dadurch in den Dienst eines unsagbar großen und erhabenen Geheimnisses gestellt werden sollte. Sie sagt nun aber nicht in falsch verstandener Demut, sie sei nicht wert, daß dies an ihr geschehe. Denn sie hat ja vom Engel gehört, daß sie Gnade gefunden hat bei Gott.

Vielmehr überlegt sie ganz nüchtern, auf welche Weise das ihr zugesagte Große geschehen soll. Sie „erkennt“ nämlich keinen Mann. Zwar ist sie mit Josef von Nazaret verlobt. Doch hat sie trotz der Absicht, Josef zu heiraten, (wohl in Übereinstimmung mit ihrem Bräutigam) den festen Entschluß zu einem jungfräulichen Leben gefaßt. Weil sie überzeugt ist, daß dieser Entschluß dem Willen Gottes entspricht, fragt sie den Engel, wie die verheißene Empfängnis und Geburt eines Kindes nun geschehen soll. Und der Engel gibt ihr zur Anwort: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. ... Denn für Gott ist nichts unmöglich.“ Gottes Allmacht besitzt unendlich große Möglichkeiten des Wirkens.

Maria vernimmt dies und erkennt: Es ist der Wille Gottes, ihr Ja zu sagen und so die Mutter des Sohnes Gottes zu werden. Also spricht sie in liebevoller Hingabe und Demut des Herzens ihr „Fiat“ - „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

Liebe Gläubige! Wir wollen uns in dankbarer Ehrfurcht vor diesem großen Geheimnis niederknien und die Menschwerdung Gottes aus der Jungfrau Maria anbeten. Jesus ist der Sohn Davids. Er stammt aus dem Geschlecht des Königs David. In ihm ist die Verheißung des Propheten Natan an David in Erfüllung gegangen. Gott hat David ein „Haus“ gebaut, das heißt, er hat seinem Geschlecht, seiner Familie, einen Namen verliehen, der nicht untergeht und von den Völkern gepriesen wird.

Jesus Christus ist der König seit Ewigkeit. Diese königliche Herrlichkeit war in seiner Menschwerdung verborgen. Nach seinem Leiden und Sterben hat er sie uns in seiner Auferstehung und Himmelfahrt offenbart.

Einmal sollen auch wir nach dem Advent unseres Lebens eintreten in die himmlische Herrlichkeit, wo wir den Sohn Gottes schauen werden, wie er als König herrscht in Ewigkeit. Er wird einst wiederkommen in der Herrlichkeit seines Vaters.

Lassen wir uns an der Hand der Gottesmutter Maria hinführen zum Geheimnis der unfaßbaren Liebe Gottes zu uns. Amen.


Zur Homepage: Gemeinschaft vom heiligen Josef