Josef Spindelböck
All dies musste so in Erfüllung gehen
Homilie am 3. Sonntag der Osterzeit
22. April 2012, Lesejahr B
L 1: Apg 3,12a.13-15.17-19;
L 2: 1 Joh 2,1-5a; Ev: Lk 24,35-48
Die liturgischen
Texte finden Sie online im Schott-Messbuch
Liebe Brüder
und Schwestern im Herrn!
Das
jüdische Volk erwartete einen Heilsbringer,
einen Erlöser, wie er in den Büchern
des alttestamentlichen Gesetzes, der Psalmen und der Propheten vorhergesagt war. Allerdings: Diese Hoffnung auf einen Messias war zur Zeit Jesu in eine Richtung gelenkt, die in ihm vielfach
einen politischen Befreier, eben
einen irdischen „König der Juden“
erwartete.
Dass
der von Gott gesandte Messias leiden
und am Kreuz sterben müsse, war eine
ungeheuerliche Zumutung. Damit
rechnete kaum jemand, obwohl es bei den Propheten so vorausgesagt war. Es wurde
aber nicht richtig wahrgenommen bzw. verdrängt.
Erst nach dem Tod und
der Auferstehung Jesu
wird es den Aposteln und Jüngern klar,
dass eben dies der Weg des von Gott gesandten Messias war: „dass sein Messias leiden werde“ (Apg
3,18b). Jesus selbst ist es, der den Emmaus-Jüngern und dann all den übrigen an
einem Ort versammelten Aposteln und Jüngern aus der Schrift nachweist, dass all dies in Erfüllung gehen musste,
„was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen“ über ihn gesagt worden war
(vgl. Lk 24,44).
Manches
versteht man eben erst im Rückblick! Das kennen auch wir aus unserem Leben. Die
wahren Zusammenhänge werden erst offenbar, wenn die Kette der Ereignisse
abgeschlossen und eine gewisse Beruhigung des geschichtlichen Ablaufs eingetreten
ist. In diesem Fall markiert die Auferstehung
Jesu den Wendepunkt der ganzen
Geschichte; alles erscheint von daher in neuem Licht und gewinnt seinen Sinn. Die Trauer der Jünger über den Tod Jesu wandelt sich in Freude, als sie ihm, dem Auferstandenen,
begegnen und ihn sogar anfassen dürfen; ja, er isst sogar mit ihnen. Er ist es
wirklich, er lebt; nicht ein Geist erscheint ihnen, sondern es ist eine reale Begegnung mit dem Herrn, der in
ihre Mitte tritt und ihnen den Frieden
schenkt.
Sind
auch wir dem auferstandenen Herrn schon
begegnet? Gewiss, wir sehen ihn nicht mit unseren leiblichen Augen! Und
doch ist er bei uns gegenwärtig. „Selig, die nicht sehen und doch glauben!“
hat er zum Apostel Thomas gesagt (Joh 20,29). Die Kirche als Glaubensgemeinschaft bezieht
sich auf das Zeugnis der Apostel und verkündet uns den Auferstandenen.
Jesus
Christus hält auch mit uns Mahl in der heiligen Kommunion. Hier empfangen wir ihn als den für uns am Kreuz
hingegebenen Herrn, der aufstanden ist und lebt. Er schenkt uns sein göttliches
Leben und macht alles neu. Mit ihm sind
auch wir vom Tod zum Leben hinübergegangen.
Amen.
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