Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigt am Dritten
Sonntag der Osterzeit
7. Mai
2000 (Lesejahr B)
L 1: Apg 3,12a.13-15.17-19; L 2: 1 Joh 2,1-5a; Ev: Lk 24,35-48
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Im Glauben an den auferstandenen Herrn, sind wir hier vereint. Obwohl wir ihn nicht sehen, glauben wir an ihn und lieben ihn, und das erfüllt uns mit Freude! Wie groß muß die Freude erst gewesen sein bei den Aposteln, denen Jesus erschienen ist. Er hat ihnen unzweifelhaft gezeigt, daß er lebt, ja daß er wirklich auferstanden ist! Daher auch die Aufforderung an sie, ihn mit ihren Händen anzufassen und so das Ereignis der Auferstehung zu „begreifen“. Jeder Zweifel sollte schwinden, denn „kein Geist hat Fleisch und Knochen“! Schließlich lud sie Jesu sogar zum Ostermahl, indem er mit ihnen aß. Die Apostel wurden auf solch außerordentliche Weise in ihrem Glauben gestärkt, damit sie Zeugen für Jesus Christus sein konnten bis an die Grenzen der Erde.
Was war der Inhalt dieses apostolischen Zeugnisses? Nichts anderes und niemand anderer als Jesus Christus selbst, den sie durch ihr Wort und ihre Leben verkünden sollten. Jesus Christus ist gestorben für unsere Sünden, und er ist am dritten Tag auferstanden von den Toten. So kann ein jeder von Gott Vergebung empfangen, der an seinen Namen glaubt, der zu Gott umkehrt und sich taufen läßt.
Von diesem Herrn Jesus Christus sprachen die Propheten und die Psalmen sowie alle übrigen Bücher der Schrift. Geheimnisvoll war sein Schicksal bereits im voraus angekündigt. Damit die Apostel das alles verstehen und glauben konnten, öffnete ihnen Christus durch die Begegnung mit ihm die Augen des Herzens. Er sagte zu ihnen: „Alles muß in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.“
Ja, wie ist so etwas überhaupt möglich? Wie konnte Gott schon im voraus den Gang der Geschichte, das Los seines Messias vorausverkünden? Wir können uns nicht vorstellen, wie sich bei Gott das ewige Vorherwissen um alles Geschichtliche vereinen läßt mit der vollen Wahrung der Freiheit der Menschen. Gottes Ewigkeit ist aller Zeit enthoben; und dennoch umfaßt er sie in seinem machtvollen Wirken. Er lenkt die zeitlichen Dinge in seiner gütigen Vorsehung. So dient alles dem Plan des Heils, den er an uns erfüllen will!
Die Heilige Schrift ist für den gläubigen Menschen das Wort Gottes. Wir finden darin jenes lebensspendende Wort, das Gott zu uns gesprochen hat in den Patriarchen und Propheten des Alten Bundes sowie in Jesus Christus, seinem Sohn. Die Bibel ist inspiriert. Das heißt, der Geist Gottes ist der eigentliche Verfasser der Schrift, unter voller Wahrung der Freiheit und Verstehenskraft der menschlichen Autoren der heiligen Bücher. Dieser Heilige Geist bewirkt es, daß die Schrift irrtumslos all das enthält, was uns Gott um unseres Heiles willen mitteilen wollte. Darin finden wir den Schatz der göttlichen Offenbarung.
Der auferstandene Herr wollte den Aposteln und Jüngern das Verständnis für das Wort der Schrift erschließen. Denn von Christus kündet die ganze alttestamentliche Heilsordnung, er ist die Erfüllung der prophetischen Verheißungen. So ist in Jesus Christus die Zeit gleichsam zu ihrer Fülle gelangt. Seit er Mensch geworden ist und unter uns gelebt und gewirkt hat, feiern wir das „Gnadenjahr des Herrn“, ist uns die „Zeit des Heiles“ geschenkt.
Wenn uns die Kirche heuer das Jubeljahr des 2000-jährigen Gedenkens der Menschwerdung Christi aus der Jungfrau Maria feiern läßt, dann soll uns bewußt werden, daß wir in Jesus Christus den Mittelpunkt der ganzen Schöpfung finden. Auf ihn hin ist alles geschaffen. Er ist der einzige Mittler zum Vater. Wenn wir das Heil finden wollen, dann müssen wir uns an ihn wenden.
Da wir jetzt im Marienmonat Mai sind, werden wir gerne auch die Gottesmutter Maria verehren. Sie ist uns nicht ein Hindernis, das den Blick auf Jesus verstellt, sondern im Gegenteil die „Pforte des Heils“, die uns zu Christus hinführt. Sie ist ganz durchscheinend, ganz „transparent“ für Gott. In ihr leuchten die Wunder der Erlösung auf, die Jesus Christus gewirkt hat. So dürfen wir Gott preisen auf die Fürbitte der seligen Jungfrau Maria! Möge sie uns Christus zeigen, ihren Sohn, der auf ewig lebt beim Vater und der auch uns das ewige Leben bei Gott schenken will in der Gemeinschaft der Engel und Heiligen. Amen.