Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank
Predigtimpuls für den
Dritten Sonntag der Osterzeit
13. April 1997 (Lesejahr B)
L 1: Apg 3,12a.13-15.17-19; L 2: 1 Joh 2,1-5a; Ev: Lk 24,35-48
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In den Evangelien der österlichen Zeit hören wir verschiedene Berichte von den Erscheinungen des Auferstandenen: Jesus Christus begegnet den gläubigen Frauen, den Aposteln mit Petrus sowie den übrigen Jüngern. Immer wieder erfahren jene Menschen, die Jesus nachgefolgt sind und sein Leiden und seinen Tod miterlebt haben: Jesus lebt! Und die Kunde davon verbreitet sich in Jerusalem, in Judäa und schließlich in der ganzen Welt.
Verschiedentlich ist behauptet worden, die Apostel hätten sich die Erscheinungen Jesu nur eingebildet. Die Auferstehung Jesu sei also bloß ein Produkt ihrer Vorstellungskraft gewesen, ein frommer Wunsch, den sie absichtlich oder irrtümlicherweise als Wirklichkeit ausgegeben hätten. Dem widerspricht jedoch das klare Zeugnis der Evangelien: Es heißt dort ja, daß die Apostel sich gar nicht leicht taten mit dem Glauben an den auferstandenen Herrn. Sie fürchteten, sich zu täuschen und konnten es vor Freude zuerst gar nicht glauben. Dann aber fordert sie Jesus auf, genau auf ihn zu schauen und ihn anzufassen. Er sagt: „Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.“ Als sie es immer noch nicht glauben können, läßt er sich von ihnen ein Stück gebratenen Fisch geben und ißt es vor ihren Augen.
Wir dürfen diese Erlebnisse und Begegnungen der Apostel und Jünger mit dem auferstandenen Herrn nicht wegdiskutieren oder für unglaubwürdig erklären. Die Apostel waren nüchterne Männer, und eine kritische Prüfung überzeugte sie: Jesus Christus ist wirklich auferstanden! Er lebt und ist bei ihnen.
Noch etwas Wichtiges lehrt uns das heutige Evangelium: Jesus öffnete den Jüngern „die Augen für das Verständnis der Schrift.“ Offenbar ist es nicht immer leicht, einen Zugang zum biblischen Wort Gottes zu finden. Vielleicht versuchten auch bei Ihnen schon einmal Anhänger einer bestimmten Sekte, Sie von der Wahrheit ihrer Lehre überzeugen, und zwar mit angeblichen Argumenten aus der Heiligen Schrift. Bei näherem Zusehen erweisen sich diese Argumente freilich als wenig stichhaltig. Die Stellen aus der Heiligen Schrift werden teilweise willkürlich miteinander verbunden, und es wird ihnen oft ein ganz anderer Sinn unterlegt als der, den sie haben. Die Bibel selber warnt im 2. Petrusbrief vor einer eigenmächtigen Auslegung des Wortes Gottes. Es heißt dort:
„Keine Weissagung der Schrift darf eigenmächtig ausgelegt werden; denn niemals wurde eine Weissagung ausgesprochen, weil ein Mensch es wollte, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Auftrag Gottes geredet.“ (2 Petr 1,20 f)
Wer aber besitzt den Heiligen Geist, um die Worte der Heiligen Schrift in rechter Weise zu deuten? Jesus Christus selber natürlich; und er hat ihn ausgegossen über die Apostel und die Kirche. Wenn wir in Einheit mit der von Christus gestifteten Kirche bleiben, haben auch wir daran Anteil. Die Heilige Schrift ist also ein Buch der Kirche. Wenn wir dies beachten, so ist es nützlich und heilsam, darin zu lesen.
Wer die Heilige Schrift nicht kennt, kennt Christus nicht, sagt der heilige Kirchenvater Hieronymus. In Jesus Christus haben sich die Weissagungen des Alten Testamentes erfüllt. In bildhafter Sprache wurde schon im voraus von den Propheten des Kommen des Messias verkündet, auch sein Leiden und sein Tod, selbst seine Auferstehung. Der auferstandene Herr erschloß den Aposteln und Jüngern das Verständnis der Schrift. Er steht auch uns bei, wenn wir das Wort Gottes in Demut und im Geist des Gebetes lesen und betrachten wollen. Auch die Auslegung der Kirche ist ein Dienst zum besseren Verständnis des Wortes Gottes. Das kirchliche Lehramt, ausgeübt vom Papst und den mit ihm verbundenen Bischöfen, bewahrt das Wort Gottes und schützt es vor falscher Auslegung.
So wollen wir beten, daß auch uns die Augen des Herzens aufgehen beim Hören und Lesen des Wortes Gottes, daß wir Christus erkennen, der bei uns ist als der auferstandene Herr. In ihm finden wir das wahre Leben, auch über den Tod hinaus. Amen.
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