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Predigt:

Christi Leib als neuer Tempel

3. Fastensonntag B (11.03.2012)

L1: Ex 20,1-17; L2: 1 Kor 1,22-25; Ev: Joh 2,13-25


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wie begegnen wir Gott? Ja, können wir ihm überhaupt begegnen? Manche Menschen geben darauf eine skeptische oder gar ablehnende Antwort: „Wir wissen es nicht.“ Oder: „Nein; wir können Gott nicht begegnen.“ Ja, es gibt sogar den offenen Unglauben und die Leugnung Gottes überhaupt.

Der christliche Glaube sagt uns, dass Gott den Menschen nicht allein gelassen hat. Nicht wir brauchen Gott zu suchen, sondern Gott hat uns Menschen aufgesucht und heimgesucht. Er selber ist zu uns gekommen in seinem Sohn Jesus Christus, der für uns Mensch geworden ist. Er hat unter uns gelebt als Mensch unter den Menschen und ist für uns gekreuzigt worden, um uns von der Sünde und allem Bösen zu erlösen. Am dritten Tage aber ist er auferstanden und hat uns das ewige Leben in Gottes Herrlichkeit geschenkt.

Im Evangelium dieses 3. Fastensonntags hören wir, wie Jesus den Tempel in Jerusalem besucht. Dieser sollte ein Haus des Gebetes sein und ist in Wirklichkeit zu einer Markthalle geworden. Eben deshalb vertreibt Jesus die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben sowie die Geldwechsler, die dort saßen.

Als er zur Rede gestellt wird, mit welchem Recht er dies tue und welchen Beweis er für seine Autorität anführen könne, verweist er in geheimnisvoller Weise auf sich selbst, nämlich auf seinen Tod und seine Auferstehung: „Reißt diesen Tempel nieder [nämlich den Tempel seines Leibes], in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.“

Die Anwesenden verstanden ihn nicht; doch wir können sagen: Seit Jesus Christus am Kreuz gestorben und auferstanden ist, hat der alte Tempel von Jerusalem sein Recht verloren. In Jesus Christus hat Gott einen neuen „Tempel“ aufgerichtet. Im gekreuzigten und auferstandenen Leib Christi ist der endgültige Ort der Gottesbegegnung geschaffen. Wer Gott begegnen will, darf aufblicken zum Gekreuzigten und Auferstandenen!

Eben darin liegt die verborgene Weisheit Gottes, die in den Augen der Welt als Torheit erscheint. Gott zeigt seine Stärke in der menschlichen Schwäche; er überwindet durch die scheinbare Ohnmacht seiner Liebe, die bis zum Tod geht, alles Böse und schenkt uns das neue und ewige Leben.

Der gekreuzigte und auferstandene Herr ist mit seinem verherrlichten Leib gegenwärtig in der heiligen Eucharistie. Hier ist der neue Ort der Gottesbegegnung: In der Gestalt des Brotes und Weines ist der Herr bei uns anwesend. Mit ihm bilden wir eine Gemeinschaft im einen geheimnisvollen „Leib“ der Kirche. Gott ist uns nahe gekommen, weil er als Mensch einer von uns geworden ist. Seinen Leib, mit dem er für uns gekreuzigt wurde und auferstanden ist, hat er empfangen, weil Maria, die Jungfrau, bereit war für das Wirken des Heiligen Geistes.

Lassen wir uns von der Gottesmutter Maria hinführen zu unserem Erlöser Jesus Christus; denn in seinem auferstandenen Leib als dem Tempel des Neuen Bundes wird Gott der Vater verherrlicht jetzt und in Ewigkeit. Amen