Dr. Josef Spindelböck

Josef von Nazareth - der treue Diener des Erlösers

Predigt am 3. Fastensonntag

19. März 2006, Lesejahr B

L 1: Ex 20,1-3.7-8.12-17; L 2: 1 Kor 1,22-25; Ev: Joh 2,13-25

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Liebe Brüder und Schwestern!

 

Am 19. März feiert die Kirche das Hochfest des heiligen Josef, des Bräutigams der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Heuer wird dieses Hochfest wegen des 3. Fastensonntags auf den darauf folgenden Montag (20. März) verlegt und liturgisch gefeiert. Wir wollen dennoch heute an diesem 3. Fastensonntag anhand der Texte der Lesungen und des Evangeliums versuchen, die Gestalt dieses großen Heiligen, der als besonderer Schutzpatron der ganzen Kirche verehrt wird, etwas näher zu beleuchten und darzustellen.

Maria und Josef waren gläubige Juden; sie hielten sich in allem an das Gesetz des Herrn, wie er es seinem Volk offenbart hatte. Ein Höhepunkt dieser Offenbarung erfolgte – wie wir in der ersten Lesung hören – auf dem Berg Sinai, wo Gott durch Mose dem Volk Israel die Gebote des Bundes übermittelte, den Gott mit seinem Volk geschlossen hat. Dieses Bundesgesetz hat als Kern die uns wohlbekannten „10 Gebote“, den „Dekalog“ (wörtlich: die „zehn Worte“). Weil Josef von Nazareth nach den Worten der heiligen Schrift ein gerechter Mann war (vgl. Mt 1,19), dürfen wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass er in besonderer Weise den Geist des Bundesgesetzes in sein Herz aufgenommen hat und es verwirklicht hat. Er gab Gott in allem die Ehre und verwirklichte die Liebe zum Nächsten in beispielhafter Weise. Dies tat er als gläubiger Ehemann und Familienvater und als Mann der Arbeit. Auf diese Weise heiligte er den Alltag und schuf den Raum eines von Glaube und Liebe erfüllten familiären Lebens.

Josef von Nazareth zeichnete sich aus durch einen tiefen Glauben. Er ist kein Mann der vielen Worte; er tat einfach, wozu ihn Gott aufrief. Ein von Liebe erfüllter Gehorsam zeichnete ihn aus, auch dort, wo menschliche Einsicht versagt und alles Künftige „dunkel“ ist. Denn er vertraute darauf, dass die Weisheit Gottes größer ist als die der Menschen. So diente er dem ihm anvertrauten Sohn Gottes, Jesus Christus, der von Paulus in der zweiten Lesung aus dem ersten Brief an die Korinther als „Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ bezeichnet wird.

Im jüdischen Glauben galt der Tempel zu Jerusalem als das zentrale Heiligtum des lebendigen Gottes, der sich offenbart hatte. Als fromme Juden pilgerten auch Maria und Josef immer wieder hin zum Tempel. Auch Jesus war dabei, sobald er ein bestimmtes Alter erreicht hatte. Wenn wir im heutigen Evangelium hören, dass Jesus die Händler aus dem Tempel hinaustrieb, weil er nicht wollte, dass man das Haus seines himmlischen Vaters zu einer Räuberhöhle machte, dann zeigt dies, wie sehr ihn der Eifer für das Haus des Herrn erfüllte. Ganz bestimmt war ihm der heilige Josef, sein Nähr- und Pflegevater auf Erden, in dieser Liebe und gläubigen Ehrfurcht für den Tempel verbunden, auch wenn wir annehmen müssen, dass Josef zu dieser Zeit, als Jesus öffentlich auftrat, nicht mehr am Leben war. Jesus selber weist in seiner Rechtfertigung vor den aufgebrachten Juden darauf hin, dass es ihm sehr wohl zusteht, die „Tempelreinigung“ vorzunehmen. Er wird ihnen ein Zeichen geben – das Zeichen jenes ewigen Tempels, der sein Leib ist. Dieser Leib wird zerstört werden, wenn man Jesus ans Kreuz schlägt und ihn tötet; aber am dritten Tag wird dieser Tempel seines Leibes wieder aufgerichtet werden, wenn er von den Toten aufersteht. Auch wenn der heilige Josef nicht ausdrücklich vom Leiden und Sterben und der Auferstehung des Erlösers wusste, so hat er doch im Glauben all die Geheimnisse des Heiles angenommen, die Gott in Jesus Christus verwirklichen wollte. Außerdem gilt es zu bedenken, dass in den Psalmen und Büchern des Alten Bundes bereits auf geheimnisvolle Weise alles im Voraus angekündigt war, das dem Messias widerfahren sollte. Es ist möglich, dass Jesus selber seinen Vater Josef in diese bevorstehenden Ereignisse eingeführt hat und ihm manches offenbart hat, was noch bevorstand.

Nach Ende seines irdischen Lebens wurde Josef von Nazareth als treuer Diener Gottes erfunden und schließlich mit den Gerechten des Alten Bundes aufgenommen ins himmlische Reich. Wir verehren ihn als Fürbitter und Schutzpatron der ganzen heiligen Kirche. Alle Anliegen, die wir dem heiligen Josef anvertrauen, sind gut aufgehoben; er wird sie in Einheit mit Maria, seiner jungfräulichen Braut, dem Sohne Gottes anempfehlen, dem er auf Erden als väterlicher Beschützer dienen durfte! Amen.

 

Für den Josefsmonat März und darüber hinaus empfehlen wir zwei bemerkenswerte Bücher über den heiligen Josef:

- Tarcisio Stramare, Er gab ihm den Namen Jesus. Der hl. Josef in Leben und Lehre der Kirche, EUR 13,50;

- St. Josef. Zeugnisse der Kirche über ihren Schutzpatron, EUR 15,80.

Erhältlich über den Buchhandel oder direkt beim Verlag St. Josef.

 

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