Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigtimpuls für den 15. Dezember 1996


Lesejahr B, 3. Adventsonntag (“Gaudete“)
L 1: Jes 61,1-2a.10-11; L 2: 1 Thess 5,16-24; Ev: Joh 1,6-8.19-28


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!


Der dritte Adventsonntag hat den Namen „Gaudete“ - „Freuet euch!“ Dies sind die lateinischen Anfangsworte der heutigen Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher. Er ruft die Christen in Thessaloniki, einer griechischen Stadt, dazu auf: „Freut euch zu jeder Zeit!“

Welche Art von Freude meint der Apostel mit diesem Aufruf? Ist es der laute Lärm und die Lustigkeit dieser Welt, das närrische Treiben der Possenreißer und Komiker oder doch etwas anderes? Weil das Evangelium wirklich eine „gute Nachricht“, ja die eigentliche „Frohbotschaft“ ist, kann der Apostel Paulus nur jene Freude gemeint haben, die aus dem Glauben an Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, kommt. Es ist eine Freude, die nicht vergeht und die uns durchtragen soll in unserem Leben. Sie ist unabhängig von den Schwankungen der Stimmung und dem Wechsel der Gefühle. Es ist eine tiefe innere Freude, die auch da sein kann, wenn uns körperliches oder seelisches Leid widerfährt!

Wir Christen sollen den Mut haben zur wahren Freude und uns diese nicht nehmen lassen! Freilich fragen sich manche unserer Zeitgenossen: Wie soll ich mich noch freuen können, wenn ich so viel Leid erleben muß in meinem Leben und in meiner Umgebung, ja wo es so viel Leid und Unrecht gibt in dieser Welt? Ist das nicht egoistisch? Jene Menschen übersehen, daß das viele Negative und Böse nur überwunden werden kann durch die Freude am Guten, das uns Gott geschenkt hat. Wir dürfen nicht resignieren, sondern sollen täglich für alles Gute danken, das wir von Gottes Güte empfangen.

Nur wer selber Freude im Herzen trägt, kann diese auch weitergeben und so mithelfen an der Überwindung von Leid und Not. Es ist nicht egoistisch sich zu freuen, wenn wir bereit sind, diese Freude mit anderen zu teilen!

Gerade der Advent soll uns aber die Augen dafür öffnen, daß wir uns die wahre Freude nicht selber geben können. Sie kann uns nur von Gott geschenkt werden. Jesus Christus ist gesandt, „den Armen eine frohe Botschaft“ zu bringen. Nur Gott bringt das Heil und die Gerechtigkeit hervor, wonach wir uns sehnen.

Für dieses Heil in Jesus Christus legt der Prophet Johannes der Täufer ein unübersehbares Zeugnis ab. Er weist hin auf den Messias, der unerkannt mitten unter den Menschen steht. Johannes ist nicht selber der Messias. Er will zurücktreten, um dem Herrn und Heiland Platz zu machen. Seine Aufgabe ist es, Zeugnis abzulegen für das wahre Licht, das in die Welt kommt und alle Menschen erleuchtet.

Schon im Schoß seiner Mutter Elisabeth war Johannes vom Heiligen Geist mit Jubel und Freude über die Ankunft des Messias erfüllt worden, als der Gruß Mariens an das Ohr Elisabeths drang. Diese Freude sollen auch wir durch die Vermittlung Mariens empfangen. Sie hat nur den einen Wunsch, uns zu Jesus, der letzten Ursache unserer Freude, zu führen!

Und wenn der Weg zu Gott oftmals auch ein Weg der Buße und der mühevollen Umkehr ist, so ist es doch vor allem ein Weg der Freude: Nur in der Liebe zu Gott und zueinander werden wir unser Glück und Heil finden. Die Liebe aber tut dem Nächsten nichts Böses, sondern hält die Gebote.

So erwarten wir mit Freude und Zuversicht das Kommen unseres Herrn Jesus Christus. Er möge uns heiligen und ohne Sünde bewahren für seine baldige Ankunft! Amen.


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