Predigt am 3.
Adventssonntag
12. Dezember
1999 (Lesejahr B)
L 1: Jes 61,1-2a.10-11; L 2: 1 Thess 5,16-24; Joh 1,6-8.19-28
In der Diözese St. Pölten wird an diesem Sonntag ein Hirtenbrief von Bischof Dr. Kurt Krenn verlesen.
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Der dritte Adventssonntag hat den lateinischen Namen "Gaudete" (Freuet euch). Die zweite Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher beginnt mit diesen Worten: "Freut euch zu jeder Zeit!"
Liebe Gläubige! Ist da nicht etwas zu viel von uns verlangt? Sollen wir uns wirklich "zu jeder Zeit" freuen? Können wir immer froh sein im Leben? Gibt es denn nicht auch Dinge, die uns bedrücken und manchmal entmutigen, traurige, leidvolle Vorkommnisse, die uns die Lebensfreude zu nehmen drohen?!
All das mag stimmen. Das kommt tatsächlich in jedem Leben mehr oder weniger vor. Aber Gott möchte, daß wir auf rechte Weise damit umgehen lernen. Denn seit Jesus Christus als Mensch unter uns gewohnt hat, seit er freiwillig und aus Liebe zu uns Kreuz und Leiden auf sich nahm, seit er am dritten Tage von den Toten auferstanden ist – seither gilt: Jedes Kreuz des Lebens wandelt sich in immerwährende Freude und Seligkeit, wenn wir es aus der Hand Gottes mit Liebe annehmen und tragen. Somit ist der Glaube wesentlich "Evangelium", eine "frohe Botschaft"!
Auch Johannes der Täufer, der in der Wüste machtvoll auftrat und predigte, war Diener der Freude des Messias. Erinnern wir uns: Im Lukasevangelium wird berichtet, daß der kleine Johannes schon im Schoß seiner Mutter Elisabeth von Freude erfüllt wurde, als er das erstemal Jesus begegnete, den Maria unter ihrem Herzen trug (vgl. Lk 1,44). Durch den Gruß Marias, den Elisabeth hörte, wurde auch Johannes, ihr Kind, bereits im Mutterschoß vom Heiligen Geist erfüllt und geheiligt. Da begann seine Berufung, die Menschen vorzubereiten auf das Kommen des Messias. Darum sagt er später zu denen, die ihn fragen, wer er sei: "Ich bin nicht der Messias." Seine Selbstbezeichnung ist es vielmehr, "Stimme" zu sein, "die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!"
Nur wenn wir dem Herrn den Weg bereiten, alles abtragen, was seinem Kommen im Wege steht, werden wir seine Freude erfahren. Das heißt: Jede Sünde, jedes Aufbegehren gegen Gottes Willen, jeder Stolz und jedes selbstsüchtige Verlangen müssen ausgetilgt werden, damit wir Gott wohlgefallen. Dies ist freilich nur möglich durch das Geschenk der göttlichen Barmherzigkeit, für das wir offen sein sollen und das uns besonders im Sakrament der Buße zuteil wird. Je mehr wir für andere da sind, je weniger wir an uns selber denken und uns gleichsam verschenken in der Liebe zu den anderen, desto mehr erfahren wir jene selige Freude, die allein Gott schenken kann, der "die Liebe" ist!
Wie wird der Himmel einmal sein? Kein Auge hat es gesehen und kein Ohr gehört, keinem Menschen ist es je in den Sinn gekommen, was Großes Gott denen bereitet hat, die ihn lieben (vgl. 1 Kor 2,9). Somit wird die Freude, die Seligkeit, die uns Gott schenken will, übergroß sein! Das Herz wird jubeln in der Schau Gottes, unseres wahren Glücks und unserer Seligkeit. Jene Freude, die wir hier auf Erden so oft nur unter Mühen und in Not erfahren, wird gewandelt in unbeschreibliches Glück. Sie kann uns nicht mehr genommen werden und wird der gemeinsame Besitz aller Seligen sein, die Gott loben und preisen ohne Ende.
Der Einsatz des ganzen Lebens für den Dienst Gottes ist die einzig angemessene Antwort, die wir auf den Ruf der göttlichen Liebe geben können. Bitten wir die selige Jungfrau Maria, daß durch ihre Fürbitte auch unser Herz von Freude erfüllt werden, jene Freude, die Gott uns schenkt und die uns im Reiche Gottes für immer miteinander verbindet. Amen.