www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

„Gaudete“ - Freuet euch!“

3. Adventsonntag B (11.12.2005)

L1: Jes 61,1-2a.10-11; L2: 1 Thess 5,16-24; Ev: Joh 1,6-8.19-28


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Johannes der Täufer wollte nicht selbst als derjenige auftreten, den die Menschen als ihren Retter erwarteten. Die Frommen des Volkes Israel hielten Ausschau nach dem Licht, Johannes aber sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. So sagte er auf die Frage der Abgesandten: „Ich bin nicht der Messias.“ Er sei auch nicht der Prophet, den man erwartete, oder Elias, den man als wieder auferstanden wähnte. Johannes wollte nichts anderes sein als die „Stimme eines Rufers“ in der Wüste. Seine Botschaft war klar und unüberhörbar: „Bereitet den Weg des Herrn!“

„Freut euch zu jeder Zeit!“ ruft uns heute am Sonntag „Gaudete“ der Apostel Paulus zu (1 Thess 5,16). Es ist die Freude über das Geschenk der Erlösung, die uns erfüllen soll. Jede Art von Traurigkeit hat keinen Bestand, wenn wir an Jesus Christus als die Quelle alles Guten, Schönen und Heiligen glauben. Wer mit Gott verbunden ist und in seiner Liebe und Freundschaft steht, braucht sich vor nichts zu fürchten. Er hat teil am Sieg des Erlösers über das Böse, und es gibt keine letzte Traurigkeit mehr, die nicht besiegt wird durch die Freude über das Geschenk der Erlösung. „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe“ (Phil 4,4–5; Eröffnungsvers der Messe).

Die zweite Aufforderung des Apostels aus der Lesung aus dem ersten Brief an die Thessalonicher lautet: „Betet ohne Unterlass!“ Beten, das heißt sein Herz in die Gegenwart Gottes versetzen, sein Herz und seinen Verstand, ja alle Kräfte zu Gott erheben, die Nähe Gottes suchen. Gott ist uns allezeit nahe; wir aber sind oft fern von ihm in Gedanken, Worten und Werken. Je mehr wir betende Menschen werden, die Gott mit dem Herzen und nicht bloß mit den Lippen ehren, desto mehr verwirklicht sich an uns der Plan des Heils, den Gott mit uns vorhat.

„Dankt für alles“, schreibt der Apostel anschließend. Denn dies sollte der Hauptinhalt unseres Betens sein, dass wir Gott danken, ihn loben, preisen und anbeten für die Größe und Herrlichkeit seiner Gnade, die er uns in Jesus Christus zuteil werden lässt. Dankbare Menschen sind auch frohe Menschen. Sie sind nicht egoistisch, sondern selbstlos, fähig, das Empfangene mit anderen zu teilen. Denn geteilte Freude ist doppelte Freude!

Weitere heilsame Mahnungen und Ratschläge folgen: „Löscht den Geist nicht aus!“ D.h. hört auf die Anregungen des Heiligen Geistes, des Geistes der Wahrheit und der Heiligkeit, der in eurem Herzen spricht. „Verachtet prophetisches Reden nicht!“ Auch wenn es nicht immer angenehm ist, von einem durch Gott erleuchteten Propheten Worte des Heils und der Mahnung zu empfangen: Wir brauchen es. Sollten wir nicht der prophetischen Stimme der Kirche und ihres Lehramtes auch und gerade in unserer Zeit verstärkt Gehör schenken? Zum Beispiel in Fragen des Lebensschutzes, der Heiligkeit der Ehe und der Familie, der Offenheit für Kinder, der Sorge um Kranke, Arme, Ausgegrenzte, Verlassene, Fremde und Flüchtlinge?

Dann kommt ein Zitat, das uns geläufig ist: „Prüft alles, und behaltet das Gute!“ Der Christ soll in der Freiheit seines Geistes und Herzens im guten Sinn kritisch sein. Es gilt, die Dinge zu prüfen und dabei das Gute anzuerkennen und zu bewahren. Wir dürfen nicht jedem Windhauch nachjagen, der sich als letzter Schrei des Zeitgeistes ausgibt. Gute Wurzeln brauchen wir in Fundamenten, die auch morgen noch bestehen!

„Meidet das Böse in jeder Gestalt!“ so mahnt der Apostel uns anschließend. Mit dem Bösen dürfen wir keine Kompromisse schließen, sonst werden wir selber davon angesteckt. Gott gibt uns seine Gnade, dass wir das Gute tun und das Böse meiden können. Jeden Tag wollen wir erneut danach streben, den Geboten Gottes gemäß zu leben. Das Sakrament der Buße hilft uns dabei, das wir gerade in der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest empfangen sollen.

Der Schlusswunsch des Apostels in der heute gehörten Lesung aus dem Brief an die Thessalonicher bezieht sich auf das nahe Kommen Christi und lautet: „Der Gott des Friedens heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid, wenn Jesus Christus, unser Herr, kommt.“ Uns mag dies schwer erscheinen, doch: „Gott, der euch beruft ist treu; er wird es tun.“

In dieser frohen Hoffnung gehen wir als adventliche Menschen an der Hand unserer himmlischen Mutter Maria dem Weihnachtsfest entgegen! Amen.