Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs/Donau
Predigt am 33. Sonntag im
Jahreskreis (Lesejahr B)
16. November 1997
L 1: Dan 12,1-3; L 2: Hebr 10,11-14.18; Mk
13,24-32
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Die letzten Sonntage im Kirchenjahr sind geprägt durch endzeitliche Texte in Lesungen und Evangelium. So wie das Leben eines jeden sich unaufhaltsam zum Tode hin neigt, so wird auch die Geschichte der Menschheit einmal ihr Ende finden.
Wann dies sein wird, wissen wir nicht, und auch über die Art und Weise, wie dies geschehen wird, wissen wir wenig.
Das Wort Gottes, das wir in der Heiligen Schrift hören, lehrt uns aber, diesem Ziel unseres Lebens und der Menschheitsgeschichte nicht unvorbereitet entgegenzugehen. Gott sichert uns zu, daß jeder, der an ihn glaubt - jeder also, der durch Glaube, Hoffnung und Liebe mit Gott und den Menschen verbunden ist -, nichts zu fürchten hat, was immer auch geschehen mag. Wir erwarten keine apokalyptische Auflösung aller Dinge in der Weise einer endgültigen Zerstörung oder eines unabwendbaren Untergangs, sondern die Vollendung unseres Heils in Gott, den "neuen Himmel und die neue Erde" (Offb 21,1), wo Gott bei den Menschen wohnt und Gott "alles in allem" sein wird (vgl. 1 Kor 15,28).
Was möchte uns Jesus also im heutigen Evangelium sagen? Er warnt uns davor, sorglos in den Tag hineinzuleben und so zu tun, als ob es Gott nicht gäbe. Dann könnte es sein, daß uns der Tag des Herrn unvorbereitet überrascht wie ein Dieb und wir nicht bestehen könnten vor dem Gericht Gottes. Aber Jesus möchte auch nicht, daß wir vor Angst in der Erwartung künftigen Unheils vergehen. Denn was immer geschehen wird: Gott ist den Seinen nahe, er verläßt sein Volk nicht!
Die einzige richtige Haltung ist daher das bedingungslose Gottvertrauen, das ständige Bemühen um ein Leben in der Gegenwart Gottes. Dies geschieht, wenn wir uns öfter vergegenwärtigen, wofür wir leben: Unser Leben hat seinen Ursprung in Gott, durch ihn soll es auch vollendet werden. Daher werden wir uns auch bemühen, mit ihm durch das Gebet in Verbindung zu treten.
Unser Vertrauen gründet sich nicht auf eigene Verdienste, sondern auf das Erlösungsopfer unseres Herrn Jesus Christus, der für uns am Kreuz gestorben und am dritten Tage auferstanden ist. Eben dieses Opfer Jesu Christi feiern wir in jeder heiligen Messe. So sind wir voll Zuversicht und vertrauen auf die Vergebung unserer Sünden durch den einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Jesus Christus (vgl. 1 Tim 2,5), der zugleich der ewige Sohn Gottes ist.
Je näher wir dem Jahr 2000 zugehen, desto mehr falsche Propheten werden auftreten, die den Menschen alles mögliche vorhersagen und sie in Verwirrung bringen. Wir sollen nicht auf sie hören. Gott hat zu uns gesprochen in seinem Sohn Jesus Christus. Das genügt uns. Auch die kirchlich anerkannten Erscheinungen der Gottesmutter Maria (wie in Lourdes oder Fatima) weisen uns darauf hin, daß es auf nichts anderes ankommt, als dem Evangelium treu zu sein. Die Gottesmutter Maria möchte uns zu ihrem Sohn Jesus Christus führen. Sie bereitet uns vor auf das endgültige Kommen des Herrn: in unserem Leben und in der Geschichte der Menschheit am Ende aller Zeiten.
Wenden wir uns ab von allem, was uns von Gott und voneinander
trennt, lassen wir uns mit Gott versöhnen und nehmen wir seine
Liebe an! Wer mit Gott und den Menschen in dieser Liebe verbunden ist,
hat schon anfanghaft teil am ewigen Glück des Himmels. Amen.
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