Josef Spindelböck
Verherrlicht Gott in eurem Leib
Predigt am 2.
Sonntag im Jahreskreis
15. Januar 2012, Lesejahr B
L1: 1 Sam 3,3b-10.19; L2: 1 Kor 6,13c-15a.17-20; Ev: Joh
1,35-42
Alle liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch
online
Liebe Brüder
und Schwestern im Herrn!
Die
Lesung aus dem ersten Buch Samuel und das Evangelium nach Johannes berichten
uns auf je verschiedene Weise von einer Berufung
durch Gott: Einmal ist es der kleine Samuel,
der im Tempel erzogen und unterrichtet wird. Zu ihm redet Gott zu nächtlicher
Stunde. Und voll Bereitschaft sagt Samuel, der spätere Prophet: „Rede, denn
dein Diener hört.“ Und im Evangelium sind es die Brüder Andreas und Petrus, die Jesus als den von Gott gesandten Messias
erkennen und ihm nachfolgen.
Von
einer wichtigen Berufung, die wir alle haben und die uns alle betrifft, spricht
auch der Apostel Paulus in der Lesung
aus dem ersten Brief an die Korinther. Wir
sollen nämlich Gott in unserem Leib
verherrlichen!
Man
könnte sagen, dieser Abschnitt der Heiligen Schrift ist eine einzigartige
Würdigung des menschlichen Leibes. Begründet wird dies mit der Gegenwart des
Heiligen Geistes in uns, der uns von Gott dem Vater durch Jesus Christus
geschenkt ist. Somit ist unser Leib „ein
Tempel des Heiligen Geistes“, und wir gehören nicht mehr uns selbst,
sondern Gott. Ja, es wird auch ein Bezug
zur Auferstehung Christi hergestellt! Denn: „Gott hat den Herrn auferweckt;
er wird durch seine Macht auch uns
auferwecken.“ In der geheimnisvollen Verbundenheit der Kirche sind unsere Leiber sogar zu Gliedern Christi geworden.
Paulus
warnt daher besonders vor einer Form der Sünde, die speziell den Leib betrifft.
Er spricht von der Unzucht, die es zu meiden gilt. Denn „jede andere
Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht
treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib.“ So der Apostel. Und weiter: „Der Leib ist nicht für die Unzucht da,
sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib.“
In
diesen Worten wird die Größe und
Schönheit der christlichen Berufung auf Erden herausgestellt. Als Menschen
sind wir Wesen in der Einheit von Leib und Seele. Auch der Leib ist zur
Verherrlichung bei Gott bestimmt; wir
sind als Christen nicht leibfeindlich, sondern wissen um die hohe Würde
gerade auch des menschlichen Leibes.
Der
Begriff „Unzucht“ umfasst in seinem
weiteren Sinn jede Form von ungeordneter
sexueller Betätigung. Die rechte
Ordnung der sexuellen Hingabe von Mann und Frau besteht aber in der Ehe. Hier binden sich Mann und Frau
durch ihr Ja-Wort in Liebe und Treue
aneinander und erklären sich bereit, die Kinder
anzunehmen, die Gott ihnen schenken will.
In
der Gegenwart werden wir immer wieder Zeugen dafür, dass Menschen sich bestimmte
Freiheiten herausnehmen, die dem Ideal der christlichen Ehe widersprechen. Es mag
fürs erste leichter erscheinen, dem allgemeinen
Trend zu folgen, der da lautet: sexuelles
Zusammenleben vor oder außerhalb der Ehe sei kein Problem; selbst Pornographie und homosexuelle Akte werden als normal angesehen.
Und
doch muss man sagen: Der Mensch sehnt
sich im Tiefsten seines Herzens nach
wahrer Liebe und Treue. Und wenn es gelingt, gerade junge Menschen zur Wiederentdeckung der Keuschheit zu
führen, sodass sie sich ohne voreilige
Akte der sexuellen Hingabe auf die Ehe vorbereiten, dann leuchtet hier
etwas auf von der Schönheit der christlichen Ehe und Familie!
Auch
wenn es schwierig ist und so manches dem entgegensteht: es lohnt sich, unsere jungen Menschen zu ermutigen, die Werte der ehelichen und familiären Liebe neu zu
entdecken. Gott beruft uns zur Liebe. Möge uns die Gottesmutter Maria jene Gnade von ihrem Sohn Jesus Christus
erbitten, dass wir Gott den Herrn in unserem Leib verherrlichen!
Amen.
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