www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

2. Sonntag im Jahreskreis B (19.01.2003)

L1: 1 Sam 3,3b-10.19; L2: 1 Kor 6,13c-15a.17-20; Ev: Joh 1,35-42


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Uns soll heute die eben gehörte zweite Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther näher beschäftigen. Im „Jahr der Bibel“, das heuer begangen wird, ist es auch gut, sich manchmal mit etwas schwierigeren oder nicht so bekannten Texten zu befassen. Es geht ja darum, daß wir die ganze Heilige Schrift irgendwie kennenlernen und in ihrem Wert für unseren Glauben und unser Leben zu würdigen wissen!

Der Apostel spricht in diesem Abschnitt über die Würde und Bedeutung unseres Leibes. Zwar ist der Mensch mehr als sein Leib, da wir ja auch eine geistige Seele besitzen, die unsterblich ist, doch ist eben dieser unser Leib durchformt von der Seele, die uns Gott geschenkt und erschaffen hat. Der Leib des Menschen stammt – wie wir alle wissen – aus jener besonders innigen Vereinigung von Mann und Frau, die wir als den sexuellen Akt bezeichnen. Der höchste Ausdruck ehelicher Liebe und die Weckung neuen Lebens sind nach dem Willen des Schöpfers untrennbar miteinander verbunden.

Manchmal hört man den Vorwurf, die Kirche oder das Christentum sei „leibfeindlich“. Gewiß hat es zu manchen Zeiten leibfeindliche Tendenzen gegeben. Die christliche Botschaft als solche spricht jedoch dem menschlichen Leib einen derart hohen Wert zu wie sonst keine Lehre. Wie anders wäre es zu erklären, wenn wir Sonntag für Sonntag bekennen, daß wir an die Auferstehung des Leibes glauben. Nicht nur Christus ist am dritten Tage auferstanden von den Toten, sondern auch wir werden bei der sichtbaren Wiederkunft Christi am Ende der Tage auferweckt werden in unserem Leib, den Gottes Macht neugestalten und verherrlichen wird. Der menschliche Leib ist also überaus kostbar und wertvoll, ja er ist heilig!

Noch ist es nicht allzu lange her, daß wir Weihnachten gefeiert haben: Es ist das Fest der Menschwerdung, ja der Fleischwerdung des Sohnes Gottes! Gott selber ist wahrhaft auf Erden erschienen, nicht in einem Scheinleib, sondern in einem wirklichen Leib, empfangen vom Heiligen Geist und geboren aus der Jungfrau Maria! Damit hat Gott selber uns gezeigt, daß es etwa nicht ein böses materielles und ein gutes geistiges Prinzip gibt, sondern daß die ganze Schöpfung gut ist und auf Gott allein zurückgeht.

Als Paulus in der Stadt Korinth Menschen von der Wahrheit der christlichen Lehre überzeugt hatte, da versuchten diese Christen einen alternativen Lebensstil zu verwirklichen. Sie nahmen – sofern sie früher Heiden gewesen waren – nun nicht mehr teil an den heidnischen Götzenopfern und den hemmungslosen Festen und Ausschweifungen der Heiden. In allem zeigten sie, daß sie an den einen und wahren Gott glaubten, der seinen Sohn Jesu Christus gesandt und ihnen die Gabe des Heiligen Geistes geschenkt hatte. Im sittlichen Leben bemühten sie sich darum, in Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit zu leben, erfüllt von selbstloser Liebe zu allen, besonders zu den Armen und Leidenden.

Insbesondere die Ehe der Christen hob sich ab von der heidnischen Praxis. In Korinth war es unter den Heiden mit der ehelichen Treue im allgemeinen nicht weit her. Es gab Unzucht und Prostitution. Demgegenüber suchten die Christen auch hier ein Vorbild zu geben und das Ideal der wirklich treuen, für Kinder offenen und bereiten sowie unauflöslichen Ehe zu leben. Eben auf diesem Hintergrund hat der Apostel Paulus den in der heutigen Lesung gehörten Abschnitt seines Briefes formuliert.

Paulus weist darauf hin, daß der ganze Mensch Gott gehört. Auch der Leib des Christen ist gottgeweiht; er ist nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn. Und gleich folgt der Verweis auf die Auferstehung: „Gott hat den Herrn auferweckt, er wird durch seine Macht auch uns auferwecken.“ Eben darum gilt es, den menschlichen Leib in Ehren und heilig zu halten, da Gott auch diesen Leib einst vollenden wird!

Und wenige Sätze später heißt es dann: „Wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?“ Der ganze Mensch ist geheiligt und von Gott erfüllt. Gottes Heiliger Geist wohnt durch die Taufe in unseren Herzen und heiligt auch den menschlichen Leib. Von daher ist es für Paulus klar, daß wir die Glieder unseres Leibes nicht zu Werkzeugen der Sünde machen dürfen, sondern Gutes tun sollen.

Liebe Brüder und Schwestern, der Hinweis auf die Heiligkeit des Leibes läßt uns dafür beten, daß unsere Ehen geheiligt sein mögen. Es ist nicht einfach, in der heutigen Zeit eine treue, von Liebe erfüllte und bis zum Tod währende christliche Ehe zu führen. Es ist nicht einfach, für die Kinder Obsorge zu tragen und ihnen nicht nur materielle Sicherheit, sondern vor allem familiäre Geborgenheit und Liebe zu schenken. Es ist nicht einfach, den Glauben in der christlichen Ehe und Familie zu leben, miteinander zu beten, den Gottesdienst zu besuchen und die Gebote Gottes zu halten. Und doch: Welch große Verheißung ist all denen gegeben, die sich darum bemühen! Gottes Liebe und Treue ist uns zugesagt, er verläßt uns nicht. Er sieht auf alle, die sich redlich um das Gute bemühen, um wahre eheliche Liebe, um Keuschheit und Treue. Sein Segen ist auch heute über den Menschen.

Beten wir aber auch für all jene, die Schwierigkeiten haben mit den Anforderungen, die Ehe und Familie heute stellen. Wie viele versuchen eine „Ehe auf Probe“ und werden doch enttäuscht. Sie haben Angst sich zu binden, und doch kann nur eine dauerhafte Bindung in Liebe wirklich frei machen. Schließen wir alle in unser Gebet ein, damit es auch in Zukunft gute Ehen und Familien gibt. Der heilige Paulus, der sich in Korinth um ein christliches Ehe- und Familienideal bemüht hat, wird uns durch seine Fürbitte bei Gott beistehen. Möge die heilige Gottesmutter Maria, die „Mutter der schönen Liebe“, uns auf dem Weg durch diese Zeit geleiten, der ewigen Freude entgegen. Amen