Dr. Josef Spindelböck
Predigt am 2.
Fastensonntag
12. März 2006,
Lesejahr B
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liturgischen Texte online im Schott-Meßbuch!
Liebe Brüder und Schwestern!
Überaus trostvoll sind die Worte, die wir in der 2. Lesung dieses
Sonntags hören. Im Brief des Apostels Paulus an die Römer heißt es: „Wenn Gott für uns ist, wer ist dann
gegen uns?“ Es lohnt sich, darüber nachzudenken, was es heißt, dass Gott auf unserer Seite steht und unser
Bestes will für Zeit und Ewigkeit.
Der moderne Mensch macht
mitunter die Erfahrung, dass er einerseits sehr vieles hat und besitzt, was
sein Leben angenehmer und leichter macht, und dass er andererseits oft alleingelassen ist, was die tiefsten Fragen seines Lebens betrifft.
Wissenschaft und Technik machen vieles möglich: Es gibt Fortschritte und neue
Entwicklungen, für die wir dankbar sind. Die eigentlichen Themen des
Menschseins werden dadurch aber nicht angesprochen und einer Lösung zugeführt. Sie
lauten: Woher komme ich? Wohin gehe ich?
Wozu bin ich auf Erden? Was hat mein
Leben für einen Sinn? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Welchen Sinn hat das
Leid? Warum gibt es das Böse? Und ähnlich.
Die österliche Bußzeit
(Fastenzeit) möchte uns fähig und bereit machen, dass wir uns zur
Beantwortung dieser Fragen erneut Christus
zuwenden, dem Sohn Gottes. Er ist in die Welt gekommen, damit wir das Leben
haben. Gott selber wollte den Menschen nicht in der Entfremdung und
Verlassenheit sehen, in die er durch eigenes Verschulden geraten war, sondern
hat uns seinen Sohn als Erlöser gesandt. Nicht um zu strafen und zu richten,
ist der Sohn Gottes Mensch geworden, sondern um die Sünder zu retten und den Menschen das Heil zu bringen. Gott steht bedingungslos auf unserer Seite!
So lautet die frohe Botschaft, die uns das Evangelium verkündet und der Apostel
Paulus bestätigt.
Aber heißt das, dass wir nichts selber dazu tun müssen, um gerettet zu
werden? Wirkt Gott unser Heil einfach ohne unsere Mitwirkung, „automatisch“,
oder gar gegen unseren Willen? Keineswegs. Der Mensch ist aufgerufen, auf das rettende Angebot der bedingungslosen
Liebe Gottes zu antworten. Wollte
der Mensch die Gnade Christi, des Erlösers, nicht annehmen, dann schließt er sich
selber von der Gemeinschaft der Liebe und des Lebens aus, die nur in Gott zu
finden ist. Gott, der die Liebe ist, zwingt niemanden zum Heil, bietet dieses
jedoch jedem bedingungslos an. „Bedingungslos“? Ja, insofern es Gott allein ist, der das Heil schenkt. Die einzige „Bedingung“
ist die gläubige Annahme der
Erlösungsgnade, die mit der Umkehr
zu Gott einhergeht. Wollte jemand auf diese „Bedingung“ der Umkehr zu Gott
verzichten und sagen: „Ich kümmere mich nicht um Gottes Gebote und werde
ohnehin gerettet“, so wäre das Vermessenheit und eine schwere Sünde.
Nutzen wir also diese Zeit der Umkehr und der Buße auch zur persönlichen
Erneuerung! Empfangen wir das Sakrament
der Buße und bemühen wir uns um ein gottgefälliges Leben! „Gott ist es, der gerecht macht“, schreibt der
Apostel Paulus. Er hat uns in ihm alles geschenkt, was wir brauchen. Seine
Liebe ist ohne Maß und tilgt alle Schuld. So ist uns ein neuer Anfang möglich, und wir sind auserwählt, Zeugen der Liebe
Gottes zu sein.
Gereinigt durch das kostbare
Blut Christi kann uns niemand mehr verurteilen. Gott selber ist es, der uns heiligt
und ewiges Leben schenkt. Ja: „Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch:
der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.“
Empfehlen wir uns der Fürbitte
der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria und des heiligen Josef! Dann
werden wir die Gnade, die uns Gottes Liebe schenkt, bereiten Herzens aufnehmen
und gute Früchte bringen im Leben und Sterben für Zeit und Ewigkeit. Amen.
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