Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 2. Fastensonntag

12. März 2006, Lesejahr B

L 1: Gen 22,1-2.9a.10-13.15-18; 3,1-7; L 2: Röm 8,31b-34; Ev: Mk 9,2-10

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Liebe Brüder und Schwestern!

 

Überaus trostvoll sind die Worte, die wir in der 2. Lesung dieses Sonntags hören. Im Brief des Apostels Paulus an die Römer heißt es: „Wenn Gott für uns ist, wer ist dann gegen uns?“ Es lohnt sich, darüber nachzudenken, was es heißt, dass Gott auf unserer Seite steht und unser Bestes will für Zeit und Ewigkeit.

Der moderne Mensch macht mitunter die Erfahrung, dass er einerseits sehr vieles hat und besitzt, was sein Leben angenehmer und leichter macht, und dass er andererseits oft alleingelassen ist, was die tiefsten Fragen seines Lebens betrifft. Wissenschaft und Technik machen vieles möglich: Es gibt Fortschritte und neue Entwicklungen, für die wir dankbar sind. Die eigentlichen Themen des Menschseins werden dadurch aber nicht angesprochen und einer Lösung zugeführt. Sie lauten: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wozu bin ich auf Erden? Was hat mein Leben für einen Sinn? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Welchen Sinn hat das Leid? Warum gibt es das Böse? Und ähnlich.

Die österliche Bußzeit (Fastenzeit) möchte uns fähig und bereit machen, dass wir uns zur Beantwortung dieser Fragen erneut Christus zuwenden, dem Sohn Gottes. Er ist in die Welt gekommen, damit wir das Leben haben. Gott selber wollte den Menschen nicht in der Entfremdung und Verlassenheit sehen, in die er durch eigenes Verschulden geraten war, sondern hat uns seinen Sohn als Erlöser gesandt. Nicht um zu strafen und zu richten, ist der Sohn Gottes Mensch geworden, sondern um die Sünder zu retten und den Menschen das Heil zu bringen. Gott steht bedingungslos auf unserer Seite! So lautet die frohe Botschaft, die uns das Evangelium verkündet und der Apostel Paulus bestätigt.

Aber heißt das, dass wir nichts selber dazu tun müssen, um gerettet zu werden? Wirkt Gott unser Heil einfach ohne unsere Mitwirkung, „automatisch“, oder gar gegen unseren Willen? Keineswegs. Der Mensch ist aufgerufen, auf das rettende Angebot der bedingungslosen Liebe Gottes zu antworten. Wollte der Mensch die Gnade Christi, des Erlösers, nicht annehmen, dann schließt er sich selber von der Gemeinschaft der Liebe und des Lebens aus, die nur in Gott zu finden ist. Gott, der die Liebe ist, zwingt niemanden zum Heil, bietet dieses jedoch jedem bedingungslos an. „Bedingungslos“? Ja, insofern es Gott allein ist, der das Heil schenkt. Die einzige „Bedingung“ ist die gläubige Annahme der Erlösungsgnade, die mit der Umkehr zu Gott einhergeht. Wollte jemand auf diese „Bedingung“ der Umkehr zu Gott verzichten und sagen: „Ich kümmere mich nicht um Gottes Gebote und werde ohnehin gerettet“, so wäre das Vermessenheit und eine schwere Sünde.

Nutzen wir also diese Zeit der Umkehr und der Buße auch zur persönlichen Erneuerung! Empfangen wir das Sakrament der Buße und bemühen wir uns um ein gottgefälliges Leben! Gott ist es, der gerecht macht“, schreibt der Apostel Paulus. Er hat uns in ihm alles geschenkt, was wir brauchen. Seine Liebe ist ohne Maß und tilgt alle Schuld. So ist uns ein neuer Anfang möglich, und wir sind auserwählt, Zeugen der Liebe Gottes zu sein.

Gereinigt durch das kostbare Blut Christi kann uns niemand mehr verurteilen. Gott selber ist es, der uns heiligt und ewiges Leben schenkt. Ja: „Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.“

Empfehlen wir uns der Fürbitte der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria und des heiligen Josef! Dann werden wir die Gnade, die uns Gottes Liebe schenkt, bereiten Herzens aufnehmen und gute Früchte bringen im Leben und Sterben für Zeit und Ewigkeit. Amen.

 

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