Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 2. Fastensonntag
(Jahreskreis B, 19. März 2000)

L 1: Gen 22,1-2.9a.10-13.15-18; L 2: Röm 8,31b-34; Ev: Mk 9,2-10

(Das Hochfest des heiligen Josef wird heuer am 20. März gefeiert.)

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wer sich seine Gedanken macht über das Leben in dieser Welt, kann dabei zur Auffassung kommen, daß sich ein verkehrtes und böses Tun oft mehr in den Vordergrund drängt als das gute. Das merken wir, wenn wir die Schlagzeilen der Medien ansehen: Berichtet wird in erster Linie das Negative; angeblich weil es mehr auffällt, interessanter ist und mehr fasziniert – wirklich? – als das Gute. Dies kann so weit führen, daß manche Menschen den Eindruck haben, in der Welt herrsche tatsächlich das Schlechte vor. Sie beginnen dann zu zweifeln, ob sich ein gutes Leben überhaupt noch „auszahle“ und ob nicht am Ende doch die Bösen „recht hätten“, da sie ja ungeschoren davon kämen. Natürlich wird so auch die Vorsehung Gottes angezweifelt, dem gemäß unserem Glauben nichts verborgen ist und der allein das Gute will, das Böse aber zuläßt um der Freiheit willen.

Die gerade im Evangelium nach Markus gehörte Erzählung von der Verklärung Christi auf dem Berg ist sozusagen ein „Gegenbeispiel“ zu all dem Bösen, das täglich geschieht. Was hier auffällt und sich für die anwesenden drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes in den Vordergrund ihres Interesses drängt, ist nicht das Böse, sondern das vollkommen Gute und Heilige. Jesus zeigt sich den Jüngern als der, der er ist. Seine göttliche Macht und Herrlichkeit treten hervor, die für gewöhnlich unter seiner heiligen Menschheit verborgen sind. „Er wurde vor ihren Augen verwandelt“, heißt es, und „seine Kleider wurden strahlend weiß“. Es war eine Helligkeit und ein strahlender Glanz, wie sie es noch nie erfahren hatten. Sie glaubten plötzlich, in einer anderen Welt zu sein. Der Eindruck war so groß, daß die Jünger vor Furcht ganz benommen waren.

Was geschah in diesem Erlebnis für die drei auserwählten Jünger? War es nur ein „Abheben“ aus dieser Welt, eine gleichsam ekstatische Flucht aus der Wirklichkeit oder ein Traum vom besseren Leben, aus dem man allzu schnell wieder zurückgerufen wird in die harte Realität? Oder wurde den Jüngern in diesem Geschehen etwas zuteil, was noch aussteht und auf das wir alle zugehen; war es also ein von Gott geschenkter „Vorgeschmack“, ein „Vorauskosten“ des Ewigen, der himmlischen Herrlichkeit und Vollendung, die sich einst an uns offenbaren soll?

Für die Jünger war es wichtig, daß sie die Stimme vom Himmel hörten und verstanden. Denn Gott sprach: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“ Und wie zur Bekräftigung waren auch Mose und Elija anwesend, die das Volk des Alten Bundes auf das Kommen Jesu vorbereitet hatten. Alles weist auf Christus hin: das Vergangene, das Gegenwärtige und die Zukunft, die noch aussteht, aber doch geheimnisvoll bereits anwesend ist. Es ist wirklich ein Augenblick der Verherrlichung und Verklärung; etwas, das die Jünger nie mehr vergessen sollten, gerade auch in den schweren Stunden, die noch kommen sollten.

Denn vergessen wir nicht: Das eigentliche Große stand noch bevor. Noch war Jesus nicht zum Tod verurteilt und gekreuzigt worden; noch war er nicht gestorben und auferstanden. Darum gab er den Jüngern nach diesem Geschehen der Verklärung auch den Befehl, niemandem zu sagen, was sie erlebt und gesehen hatten, „bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.“ Denn alle anderen hätten dies nicht verstanden, da nicht einmal die Jünger so richtig begriffen, was sich ereignet hatte. Erst im Ereignis der Auferstehung Jesu von den Toten, als ihnen der Auferstandene begegnete in seiner ganzen Herrlichkeit, da wurden sie gewahr, was sie bereits vor Ostern erlebt hatten im Geschehen der Verklärung auf dem Berg.

Die Person Jesu Christi, der wirklich der Sohn Gottes ist und uns den Weg des Heiles weist, strahlt allen im Glauben auf, die sein Wort hören und annehmen. Wir sehen ihn zwar nicht, aber dennoch glauben wir an ihn. Jubeln sollen wir „in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude“ (1 Petr 1,8), wenn wir auf Jesus blicken, den „Urheber und Vollender des Glaubens“. Er hat „angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen“ und sich dann „zur Rechten von Gottes Thron gesetzt“, wie es der Hebräerbrief (12,2) beschreibt.

Es ist der Glanz des Guten, der Glanz der Wahrheit und der Heiligkeit Gottes, der in Jesus aufgestrahlt ist. Wenn wir die „Augen des Herzens“ öffnen für das Gute, dann werden auch wir diesen Glanz der Wahrheit Christi in der Welt wahrnehmen. Verborgen ist der Ostersieg des Herrn bereits unter uns anwesend. Dies gibt uns Trost und Hoffnung mitten in den Bedrängnissen dieser Welt. Denn nicht die Lockung und der Reiz der Sünde und des Bösen haben das letzte Wort und die entscheidende Macht, sondern Gottes Glanz und Wahrheit, seine Liebe und seine Herrlichkeit werden die Welt verwandeln, wenn Christus kommt in Macht.

Bleiben wir treu im Glauben und schenken wir Gott täglich neu unser Vertrauen und unsere Liebe! Dann werden auch wir Gottes Macht und Herrlichkeit erfahren. Amen.

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at