Josef Spindelböck
Gottes gute Gaben mit anderen teilen
Predigt am 28. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 11. Oktober 2009
L 1: Weish 7,7-11; L 2: Hebr 4,12-13; Ev: Mk 10,17-30
Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Am heutigen Erntedankfest wird uns bewusst, dass wir viele gute Gaben von Gott empfangen haben. Nur ein dankbarer Mensch kann sich des Guten wirklich erfreuen, das ihm geschenkt ist. Wer achtlos vorbei geht an dem Vielen, das ihm hier auf Erden als Gabe anvertraut ist, oder wer unzufrieden ist und immer nur nörgelt und jammert, der bringt sich selbst um ein erfülltes Leben.
Es entspricht ganz und gar dem Geist des Evangeliums unseres Herrn Jesus Christus, dass wir Gott danken und uns seiner Gaben erfreuen. Denn „jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt“, wie es im Jakobusbrief (1,17) heißt.
Im ersten Brief an Timotheus (4,3) lesen wir, dass Gott alle Speisen „dazu geschaffen hat, dass die, die zum Glauben und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt sind, sie mit Danksagung zu sich nehmen.“
Aber es ist noch etwas zu beachten: Wer immer mit den Gaben Gottes aus der Schöpfung reich gesegnet ist, dem sind diese Güter nur anvertraut, so weit er sie wirklich braucht und verantwortungsvoll damit umgehen kann und will. Nicht als Egoisten finden wir unser Glück, sondern als Menschen, die das, was sie empfangen haben, mit anderen teilen. Wer reichlich empfangen hat, darf und soll auch selber weiterschenken. Geben ist seliger als Nehmen; Teilen macht Freude. Erst dann wissen wir die Gaben Gottes in rechter Weise zu schätzen, wenn wir sie nicht so an uns raffen, als gebe es sonst niemanden auf der Welt.
Im Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus (Lk 16,19-31), das wir alle kennen, zeigt uns Jesus, wie schwer, ja unmöglich es für einen habgierigen Menschen ist, ins Himmelreich zu kommen, solange er sich nicht ändert, d.h. bekehrt. Und auch im heutigen Evangelium hören wir ähnliche Worte: „Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!“
Allerdings ist nicht der Reichtum als solcher etwas Schlechtes, sondern die Versklavung des Menschen an ihn. Sobald jemand dem Ratschlag Jesu folgt, wie er ihn an den reichen jungen Mann formuliert („Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“), wird dieser Mensch innerlich frei und kann wirklich Christus nachfolgen und Gutes tun.
Nicht jeder wird dies auf wörtliche Weise so umsetzen können, dass er alles hergibt und den Armen schenkt, denn es gibt ja auch Verpflichtungen für die eigene Familie und sicher auch ein (relatives) Recht auf einen standesgemäßen Lebensunterhalt. Doch gilt es eines zu vermeiden: Dass wir angesichts fremder Not hartherzig werden und sagen: „Mich geht das nichts an.“ Es müsse eben jeder selber sehen, wie er zurecht komme.
Wer so handelt und diese falsche Haltung zu seiner Grundeinstellung macht, also ein krasser Egoist wird, der schließt sich selbst aus der Gemeinschaft des Reiches Gottes aus. Gott möchte auch ihm den „Schatz im Himmel“ schenken, doch dieser an seinen eigenen Besitz versklavte, ja regelrecht angekettete Mensch hat keine Hände frei zum Geben an Arme und Notleidende und auch nicht zum Empfangen göttlicher Gaben.
Freuen wir uns, dass uns auch in diesem Jahr – trotz aller Prüfung durch so manche Unbill der Witterung – wieder reichlich Gutes empfangen dürfen aus dem Garten der Natur, den uns Gott bereitet hat. Dafür gilt es Dank zu sagen. Die anschließende Feier bei der Volksschule zeigt den Zusammenhang auf zwischen Dankbarkeit und der Verantwortung für andere, die unsere Hilfe brauchen. So wollen wir jetzt in der Feier der heiligen Messe unseren Dank vor Gott bringen und ihn zugleich bitten, dass er uns und den Mitmenschen auch in Zukunft alles Nötige in reichem Maße schenken möge.
Amen.
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