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Predigt:

Von der Nachfolge Christi

24. Sonntag im Jahreskreis B (17.09.2006)

L1: Jes 50,5-9a; L2: Jak 2,14-18; Ev: Mk 8,27-35


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der Apostel Jakobus fragt in seinem Brief, was denn der Glaube ohne Werke nütze. Wenn jemand sagt, er habe den Glauben, es fehlen ihm aber die Werke der Liebe – wie will er zeigen, dass er wirklich an Jesus Christus glaubt? Umgekehrt gilt: Wer Gutes tut und die Werke der Liebe gegenüber seinem Nächsten übt, dem nimmt man es auch ab, dass er wirklich an Gott glaubt und von seiner Botschaft überzeugt ist.

Hier geht es nicht um eine bloß theoretische Erörterung, sondern um ganz und gar praktische, für uns Christen lebensnotwendige Dinge: Sind wir bereit, dem Glauben an Jesus Christus auch in unserem Leben Gestalt zu verleihen? Wie halten wir es mit der Hilfe für den Not leidenden Nächsten?

Martin Luther hat die Ausführungen des Jakobusbriefs grundlegend missverstanden und diesen als „Strohepistel“ bezeichnet. Er meinte, Jakobus würde Paulus widersprechen, der lehrt, dass der Mensch durch den Glauben an Gott gerechtfertigt wird und nicht durch Werke des jüdischen Gesetzes. Dabei geht es Jakobus hier gar nicht um die jüdischen Gesetzeswerke, die tatsächlich für einen Christen nicht mehr gelten und die ein Ausdruck der Unfreiheit wären, wenn wir uns als in Christus Erlöste immer noch an sie gebunden wüssten. Vielmehr sind die Werke der Liebe gemeint, welche aus dem lebendigen Glauben folgen und ihn als echt erweisen. Ohne die Werke der Liebe aber, so sagt Jakobus, ist der Glaube tot und damit praktisch wertlos.

Wie ist das eigentlich, wenn wir Jesus nachfolgen wollen? Was gehört dazu, was sollen wir tun? Im Evangelium sagt Jesus sehr klar zu seinen Aposteln: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ „Selbstverleugnung“ ist also das Programm – ein Wort, mit dem wir vielleicht nicht viel anfangen können oder das uns sogar provoziert und aufschreckt. Im Gegensatz dazu scheint die heute vielfach propagierte „Selbstverwirklichung“ zu stehen. Dem Programm der Welt: „Denk an dich selbst zuerst!“ stellt Jesus seinen Aufruf: „Verleugne dich selbst!“ entgegen. In gewisser Weise heißt das: Nimm dich nicht so wichtig, sondern denk auch an die anderen. Denke zuerst an Gott, dem du die Ehre geben sollst in allem, was du tust!

Man kann es auch positiv formulieren und sagen: Wer die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen üben will, wird Tag für Tag oftmals die Gelegenheit haben, sich selbst zu verleugnen. Denn wer sich hierin bemüht, weiß, dass gerade die Liebe auch das Opfer mit einschließt. Würden gute Eltern nicht bereit sein, Einschränkungen für sich selbst auf sich zu nehmen, weil sie eben das Wohl der Kinder vor Augen haben und für sie Zeit und Kraft aufwenden müssen, wären also die Eltern nicht bereit zu einer gewissen Form der Selbstverleugnung, so wäre ihre Liebe nicht echt, die sie einander und ihren Kindern schenken wollen.

Gerade dieser Zusammenhang von Selbstverleugnung, wie sie dem Evangelium entspricht, und Liebe zeigt uns, wie die Forderung Jesu zu verstehen und zu verwirklichen ist. Der Blick auf den gekreuzigten Herrn, der uns in Liebe an sich zieht, nimmt dem Wort Jesu von der „Selbstverleugnung“ die Schärfe und macht es trostvoll und ermutigend für uns. So wie es keinen lebendigen Glauben ohne Werke der Liebe geben kann, gibt es auch keine Praxis der Liebe ohne Selbstverleugnung.

Auch das folgende Herrenwort will im Licht des Doppelgebotes der Gottes- und Nächstenliebe Beachtung finden. Der Herr sagt: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“

Nicht der Egoist, der nur an sich selber denkt und sein eigenes Leben um jeden Preis „retten“ und es auf Kosten anderer genießen will, wird letztlich der Glückliche und Beschenkte sein, sondern vielmehr jene Menschen, welche um des Guten willen und letztlich um Gottes willen, der die Liebe ist, auch bereit sind, das Eigene zurückzustellen, auf ihre eigenen Pläne zu verzichten, das eigene Leben zu „verlieren“, indem sie es hingeben und für die anderen verschenken: jene Menschen werden das Glück in Fülle empfangen und so ihr Leben „retten“, da es geborgen ist in der Liebe Gottes, der uns den Frieden des Herzens schon hier auf Erden schenkt und einst die ewige und selige Vollendung im Himmelreich.

In all dem ist uns die heilige Gottesmutter Maria als treueste Jüngerin ihres Sohnes vorausgegangen. Sie wusste, was es heißt, sich selbst zurückzustellen und Jesus nachzufolgen. Sie lehrt auch uns diesen Weg durch ihr Vorbild: Es ist der Weg des lebendigen Glaubens, der in der Selbstverleugnung aus Liebe seine guten Früchte bringt, nämlich Werke der Liebe. Amen